Masern-Impfung

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Immer noch meinen viele Menschen, die Masern seien eine banale Kinderkrankheit. Dabei trifft die Virusinfektion auch Erwachsene und kann mit gefährlichen Komplikationen verbunden sein. Schutz vor dem extrem ansteckenden Masern-Virus bietet nur die Impfung. Zwar sind die Impfquoten in den vergangenen Jahren gestiegen. Doch noch immer sind sie zu niedrig, um die Masern erfolgreich zu eliminieren.

Höchste Ansteckungsgefahr

Die Masern sind eine der ansteckendsten Krankheiten. Fast jeder Kontakt mit einem Infizierten ist bei fehlendem Immunschutz ansteckend. Besonders tückisch: Die höchste Ansteckungsgefahr besteht bereits kurz bevor der typische Masern-Ausschlag auftritt.

Zweiphasiger Krankheitsverlauf

Masern-Viren werden durch Tröpfcheninfektion übertragen. Nach einer Inkubationszeit von acht bis zehn Tagen kommt es zu einem grippeartigen Vorstadium mit Fieber und Erkältungssymptomen. Erste Hinweise auf eine Masern-Erkrankung sind kalkspritzerartige weiße Flecken an der Mundschleimhaut („Koplik-Flecken“). Erst am dritten bis siebten Tag zeigt sich die Hauptphase der Erkrankung mit hohem Fieber und dem charakteristischen Masern-Exanthem: zusammenfließende, bräunlich-rosafarbene Hautflecken. Der Ausschlag beginnt hinter den Ohren und im Gesicht und breitet sich über den Körper aus. Nach vier bis sieben Tagen klingt das Exanthem ab.

Schwere Komplikationen möglich

In unkomplizierten Fällen heilt die Masern-Erkrankung vollständig aus und hinterlässt lebenslange Immunität gegen das Virus. Da die Masern-Erkrankung aber einige Wochen lang das Immunsystem schwächt, haben zusätzliche Erreger leichtes Spiel. Es kann zu Mittelohrentzündung, Bronchitis und Lungenentzündung kommen. Besonders gefürchtet ist die postinfektiöse Enzephalitis. Diese Gehirnentzündung hinterlässt häufig dauerhafte Schäden oder verläuft mitunter sogar tödlich. In sehr seltenen Fällen tritt eine fast immer tödliche Spätkomplikation auf: die subakute sklerosierende Panenzephalitis, eine generalisierte Gehirnentzündung.  

Bei Kleinkindern zwei Impfungen erforderlich

Um die Bevölkerung vor Masern-Viren zu schützen, ist eine stabile Impfquote bei Kleinkindern von mindestens 95 Prozent für die vollständige Masern-Impfserie erforderlich. Während die Impfquote für die erste Teilimpfung erreicht wird, hapert es noch bei der zweiten Teilimpfung. Sie haben im derzeitigen Bundesdurchschnitt nur 86,5 Prozent der bis zu Dreijährigen erhalten. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die zweimalige Immunisierung als Standardimpfung für Kleinkinder bis zum Ende des zweiten Lebensjahres, vorzugsweise mit einem Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff (MMR) bzw. mit dem Vierfachimpfstoff MMRV, der zusätzlich gegen Windpocken immunisiert. Da zunehmend junge Erwachsene an Masern erkranken, schließen die STIKO-Empfehlungen auch alle nach 1970 geborenen Erwachsenen mit fehlendem oder unzureichendem Impfschutz ein.

Aktive Immunisierung – Impfreaktion möglich

Da die Masern-Impfung mit abgeschwächten Lebendimpfstoffen erfolgt, tritt manchmal als normale Impfreaktion für wenige Tage eine leichte Temperaturerhöhung auf. In drei bis fünf Prozent der Fälle zeigt sich ein bis zwei Wochen nach der Impfung eine leichte, nichtinfektiöse Impfkrankheit, die sogenannten Impf-Masern (Fieber, leichte Atemwegssymptome, schwacher Ausschlag).

STIKO-Impfempfehlungen

Standardimpfempfehlung:

  • alle Kleinkinder ab 11 Monaten bis zum Ende des 2. Lebensjahres 
  • nach 1970 geborene Personen ab 18 Jahren mit unklarem Impfstatus, unvollständiger Impfung in der Kindheit oder ohne Impfung

Indikationsimpfempfehlung:

  • Kinder, die vor dem 11. Monat eine Kita besuchen, können schon mit 9 Monaten geimpft werden.

Impfschema und Impfstoffe

  • Der Impfstoff wird zweimal injiziert. Es handelt sich um Lebendimpfstoffe. Als Impfstoff der Wahl gilt ein Kombinationsimpfstoff (MMR-Vakzine, z.B. MMR VaxPro®, Priorix®, oder MMR-V, z.B. Priorix-Tetra®, ProQuad®).
  • Die erste Impfung sollte im Alter zwischen 11 und 14 Monaten, die zweite zwischen 15 und 23 Monaten erfolgen.  
  • Zwischen den einzelnen Impfstoffdosen soll ein Mindestabstand von 4 Wochen liegen.
  • Bei Kindern und Jugendlichen bis 17 Jahren, die nur einfach geimpft sind, sollte die zweite Impfung nachgeholt werden.
  • Nach 1970 geborene Erwachsene mit unklarem oder unzureichendem Impfschutz sollen eine einmalige Masern-Impfung erhalten.
Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de