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Long COVID: Studie findet keinen Nutzen von Paxlovid

Forschende aus verschiedenen medizinischen Einrichtungen in den USA haben festgestellt, dass eine mehrwöchige Behandlung mit dem Virostatikum Paxlovid die postakuten Folgen einer SARS-CoV-2-Infektion nicht lindert.
Paxlovid ist in den USA und Europa zur Behandlung der akuten Infektion zugelassen und wird über fünf Tage eingenommen. Es handelt sich um eine Kombination aus Nirmatrelvir, das die SARS-CoV-2-Hauptprotease hemmt, und Ritonavir, das über eine Hemmung des Abbaus von Nirmatrelvir in der Leber dessen Wirkung verstärkt.
Eine mögliche Wirkung des Medikaments gegen die Spätfolgen einer COVID-19-Infektion wurde aufgrund der „Virus-Persistenz-Hypothese“ vermutet. Diese besagt, dass es dem Immunsystem von Long-COVID-Patienten nicht gelungen ist, das Virus vollständig zu eliminieren. In diesem Fall, so die Annahme, müsste eine (erneute) antivirale Behandlung die Symptome lindern.
Das Team um Professor Lindsey Baden vom Brigham and Women's Hospital in Boston fand jedoch im Rahmen der bisher größten randomisierten Studie zu dieser Frage keine Hinweise auf eine Wirksamkeit.
Gut zu wissen: Was ist eine randomisierte Studie?
Eine randomisierte Studie ist ein experimentelles Studiendesign, bei dem die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip verschiedenen Gruppen zugewiesen werden, um die Wirkung einer Intervention kausal zu untersuchen.
Durch die Randomisierung werden bekannte und unbekannte Störvariablen gleichmäßig auf die Gruppen verteilt, sodass Unterschiede zwischen den Gruppen kausal auf die Intervention zurückgeführt werden können.
Die vorliegende Studie war zudem doppelt verblindet. Das heißt, weder die Teilnehmenden noch die Forschenden kannten die Gruppenzuordnung.
Studie untersucht Wirksamkeit von Paxlovid gegen Long COVID
An der Studie nahmen an 69 Behandlungszentren 959 erwachsene Personen mit Long COVID im Durchschnittsalter von 49 Jahren teil. Sie wurden anhand eines standardisierten Symptomfragebogens und körperlicher Kriterien drei Symptomgruppen zugeordnet:
- überwiegend kognitive Störungen (Probleme mit dem klaren Denken, „Brain Fog“)
- überwiegend autonome Dysfunktionen (Kurzatmigkeit, Schwindel, Herzrasen, Blutdruckabfall)
- überwiegend Belastungsintoleranz (Erschöpfung, Energiemangel)
Die drei Symptomgruppen wurden auf jeweils drei Gruppen randomisiert:
- Ein Drittel nahm über 25 Tage Nirmatrelvir/Ritonavir ein.
- Ein Drittel wechselte nach 15 Tagen auf Placebo-Ritonavir.
- Ein Drittel erhielt über die gesamte Zeit Placebo-Ritonavir.
Verglichen wurden die Symptome vor Beginn der Therapie und nach 90 Tagen.
Paxlovid wirkt nicht signifikant besser als Placebo
Die Studie lieferte die folgenden Ergebnisse:
Unter der längeren Behandlung mit Nirmatrelvir/Ritonavir erreichten 58 Prozent der Studienteilnehmenden eine deutliche Verbesserung der kognitiven Symptome. Unter der kürzeren Behandlung waren es 53 Prozent und in der Placebo-Gruppe 55 Prozent.
Die autonomen Dysfunktionen besserten sich bei längerer Behandlung mit Nirmatrelvir/Ritonavir um 62, bei kürzerer Therapie um 70 und in der Placebo-Gruppe ebenfalls um 70 Prozent.
Die Belastungsintoleranz besserte sich um 25 Prozent unter längerer, um 34 Prozent unter kürzerer Behandlung und um 33 Prozent in der Placebo-Gruppe.
Die Unterschiede waren somit in allen drei Symptomgruppen nicht signifikant, womit Paxlovid als unwirksam gegenüber den Spätfolgen einer SARS-CoV-2-Infektion einzustufen ist.
Paxlovid zeigt keinen Nutzen bei Long COVID
Die neue Studie konnte keinen klinischen Nutzen von Paxlovid bei Long COVID feststellen. Dafür bestätigten die Ergebnisse die Erfahrungen mit anderen postviralen Syndromen, nach denen sich die meisten Betroffenen mit der Zeit erholen, wobei die körperliche Belastungsintoleranz meist länger anhält als die kognitiven Symptome und die Störungen des autonomen Nervensystems.
Zudem zeigte sich, dass eine längere Einnahme des Virostatikums als die ursprünglich vorgesehenen fünf Tage einigermaßen verträglich und sicher ist: Die häufigsten Nebenwirkungen waren Diarrhö und Übelkeit. Bei zwei Teilnehmenden traten Beeinträchtigungen der Leber auf. Quellen:
- https://www.aerzteblatt.de/news/long-covid-paxlovid-bleibt-in-bisher-grosster-randomisierter-studie-ohne-wirkung-25249637-5c14-4ad2-b675-2a4f63cc3804?utm_medium=email&utm_source=CR&utm_campaign=NL-DAE_Montags-Bulletin&utm_content=Mailing_20260907
- https://www.thelancet.com/journals/laninf/article/PIIS1473-3099(26)00406-8/fulltext