Wenn Schmerzmittel Schmerzen verursachen

PTAheute-Serie: Vorsicht Missbrauch!

Noch ist vielen nicht klar, dass eine zu häufige Einnahme von Schmerzmitteln dazu führen kann, dass chronische Schmerzen entstehen.
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Der Kopf dröhnt, das Kreuz zwickt – für viele ist das kein Grund, sich auf der Arbeit krankzumelden oder auf Freizeitaktivitäten zu verzichten. Anstatt sich zu schonen und zu erholen, nehmen viele lieber eine Schmerztablette. Doch kann die leichtfertige Einnahme von Ibuprofen und Co chronische Komplikationen nach sich ziehen. Daher ist in der Apotheke Aufklärungsarbeit gefragt!

MOH: medication overuse headache

Wer regelmäßig unkritisch Schmerz- oder Migränemittel einnimmt, läuft Gefahr in einen Teufelskreis zu geraten. Ein chronischer, medikamenteninduzierter Kopfschmerz entsteht, der zur Bekämpfung eine immer häufigere Einnahme von immer höheren Wirkdosen erforderlich macht. Es ist noch nicht vollständig geklärt, wie es zur Entstehung dieses Dauerkopfschmerzes kommt. Vermutlich beeinflussen die Wirkstoffe den Stoffwechsel im Gehirn derart, dass die Schmerzschwelle sinkt und das Schmerzempfinden zunimmt.
Wer an mehr als zehn Tagen im Monat und an mehr als drei Tagen hintereinander Schmerz- oder Migränemittel einnimmt, sollte diesen Konsum auf jeden Fall kritisch hinterfragen und gegebenenfalls ärztlichen Rat einholen.

3-Stufen-Plan zur Entwöhnung

Der Ausstieg aus der regelmäßigen Schmerzmitteleinnahme ist möglich und sollte so bald es geht in Angriff genommen werden. Um einen dauerhaften Erfolg zu erzielen, sollte die Entwöhnung mit ärztlicher Hilfe gemäß der S1-Leitlinie erfolgen:

  • 1. Stufe: Aufklärung des Patienten
    Eine Schulung und Beratung des Patienten ist die Basis für eine erfolgreiche Entwöhnung von missbräuchlich eingenommenen Medikamenten. Sie hat das Ziel, die Einnahme von Akutmedikamenten zu reduzieren. Meist lassen die Kopfschmerzen auf diese Weise relativ schnell nach.
  • 2. Stufe: Medikamentöse Prophylaxe
    Reicht Stufe 1 alleine nicht aus, um das Auftreten von Kopfschmerzen zu verhindern, können verschiedene Wirkstoffe vorbeugend helfen. In der Entwöhnung von Schmerzmitteln hat sich hier z. B. Amitriptylin als hilfreich erwiesen, in der Entwöhnung von Migränemitteln zusätzlich z. B. Topiramat und Onabotulinumtoxin A.
  • 3. Stufe:  Medikamentenpause
    Führen Stufe 1 und 2 nicht dauerhaft zu einem zufriedenstellenden Erfolg, so muss ein komplettes Absetzen der Medikamente erfolgen. Dieser Entzug kann ambulant oder auch stationär stattfinden. Zudem muss eine leitliniengerechte Behandlung des ursprünglichen Kopfschmerzes angestrebt werden.

Fokus auf die Prävention

Um zu vermeiden, dass eine Entwöhnung überhaupt nötig wird, muss verstärkt Aufklärungsarbeit betrieben werden. Noch ist vielen nicht klar, dass eine zu häufige Einnahme von Schmerzmitteln dazu führen kann, dass chronische Schmerzen entstehen. Die Tatsache, dass Ibuprofen, Paracetamol usw. ohne Rezept erhältlich sind, erweckt nach wie vor den Eindruck, als wären diese Wirkstoffe harmlos.

Wer zu häufigen Kopfschmerzen neigt, sollte sich nach erfolgter ärztlicher Abklärung der Symptome mit Methoden befassen, die das Auftreten von Kopfschmerzen verhindern können. Dazu gehören regelmäßige Entspannungsübungen und Ausdauersport sowie verschiedene Maßnahmen zur Stressreduktion.