Achtung, Verwechslungsgefahr!

Bärlauch-Saison: So bleibt die Sammelleidenschaft ungetrübt

Leidenschaftliche Sammler zieht es nun wieder in die Wälder. Denn die Bärlauch-Saison hat begonnen. Doch kaum erscheinen die ersten zarten, knoblauchartig duftenden Blätter am Waldboden, werden auch schon wieder warnende Stimmen laut: Es besteht Verwechslungsgefahr – und zwar mit gleich mehreren giftigen Kandidaten.

Bild: © Cora Müller - Fotolia.com

Ob als Beigabe im Salat, kleingeschnitten in Suppen, Soßen und Kräuterquarks oder italienisch angehaucht als Pesto – das frische Frühlingskraut aus der freien Natur erfreut sich großer Beliebtheit. Die Blätter des Bärlauchs (Allium ursinum) sind nicht nur würzig wohlschmeckend, sondern gelten obendrein als gesund, insbesondere wegen ihrer schwefelhaltigen Inhaltsstoffe. Bärlauchkraut soll beispielsweise die Magen-Darm-Funktion unterstützen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen. Ein weiterer Vorzug dieses Lauchgewächses: Im Gegensatz zu seinem „Geschmacksbruder“, dem Knoblauch, hinterlässt es nach dem Verzehr keinen Mund- und Körpergeruch.

Ein Duft liegt in der Luft

Der Bärlauch wächst in krautreichen, schattigen Laubwäldern, wo der Boden nährstoffreich und feucht ist. Das sind vor allem Wälder in Schluchten und Bachtälern oder Auwälder von Flüssen. Oft bildet die Pflanze ausgedehnte Bestände. Die kräftig grünen Blätter bedecken dann im Frühjahr den ganzen Boden. Im Mai/Juni blüht der Bärlauch mit weißen, sternförmigen Blüten, die zusammen einen hübschen doldigen Blütenstand bilden. Dann verströmt Allium ursinum weithin seinen unverkennbaren Lauchgeruch. Bereits Ende Juni beenden die 20 bis 50 Zentimeter hohen Pflanzen ihren jährlichen Zyklus mit der Samenreife und ziehen ihre Blätter ein.

Bekannte Verwechslungsgefahr: Maiglöckchenblätter

Für Sammler ist die Bärlauch-Saison also recht kurz. Doch sammeln sollte nur, wer den Bärlauch zweifelsfrei identifizieren kann. Immer wieder kommt es zu fatalen Verwechslungen, vor allem mit den Blättern des Maiglöckchens (Convallaria majalis), die herzwirksame Glykoside enthalten. Die Maiglöckchenblätter sind ganz ähnlich geformt, haben ebenfalls parallel verlaufende Blattnerven, erscheinen ungefähr zur selben Zeit und kommen unglücklicherweise bisweilen an denselben Standorten vor wie der Bärlauch. Im Gegensatz zu den Bärlauchblättern riechen Maiglöckchenblätter beim Zerreiben nicht nach Knoblauch. Allerdings ist es mit diesem Unterscheidungsmerkmal so eine Sache. Denn hat man erst mal einige Bärlauchblätter gepflückt, haftet deren Geruch unweigerlich an den Fingern. Das kann die Nase gefährlich in die Irre führen. Besser also, man kennt die äußerlichen Unterscheidungsmerkmale: Beim Bärlauch wachsen die Blätter einzeln direkt aus dem Stängel; sie besitzen keine Blattscheide. Zwar sind auch die Maiglöckchenblätter gestielt, doch sie sitzen im Allgemeinen paarweise am gleichen Stängel. Außerdem besitzen sie eine lange Blattscheide, die den Stängel umfasst. Im jungen Stadium sind die Blätter von Convallaria majalis zudem seitlich eingerollt.

Verwechslungsgefahr: Bärlauch (unten), Maiglöckchen (Mitte) und Herbstzeitlose (oben).

Im Frühjahr gefährlich: Herbstzeitlose

Verwechslungsgefahr besteht noch mit einer weiteren Pflanze, an die im Frühjahr selten gedacht wird: die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale). Im Gegensatz zu ihren Blüten erscheinen ihre langen, schmalen Laubblätter im Frühjahr, zusammen mit der Fruchtkapsel. Die Colchicin-haltigen Herbstzeitlosenblätter sind geruchlos, fest, etwas fleischig und zeigen keinen Stiel. Sie umfassen einander an der Basis und bilden so gleichsam einen Trichter, ähnlich wie Tulpen. Auch die Herbstzeitlose liebt feuchte Standorte, wenn auch in der Regel eher Wiesen als Wälder. Im Gegensatz zu Bärlauch und Maiglöckchen tritt sie meist als „Einzelgänger“ auf.

Giftiger Untermieter: Aronstab

Die Blätter des Aronstabs (Arum maculatum) enthalten cyanogene Glykoside und entwickeln sich ebenfalls um diese Jahreszeit auf dem Waldboden. Eigentlich sind sie nicht so leicht mit Allium-ursinum-Blättern zu verwechseln, denn sie sind pfeilförmig und haben keine parallel verlaufenden Blattnerven. Doch manchmal wachsen einzelne Exemplare von Arum maculatum im Bärlauch-Bestand, so dass unbeabsichtigt junge Aronstabblättchen in die Bärlauchsammlung wandern könnten.

Zecken lauern

Neben diesen botanischen Gefahren sollten sich Bärlauchsammler auch Risiken aus der Tierwelt bewusst sein: Jetzt im Frühjahr sind die Zecken wieder aktiv. Die kleinen Blutsauger lauern möglicherweise auch im Bärlauchbestand. Selbst wenn die Gefahr als recht gering eingestuft wird, existiert ein weiteres Risiko: Auf den Bärlauchblättern könnten Eier des Fuchsbandwurms haften.

Nicht übertreiben!

Neben all diesen persönlichen Risiken sollten Bärlauchsammler auch die Belange der Natur nicht aus dem Auge verlieren: Immer nur so viel sammeln, wie man auch verbraucht. In Naturschutzgebieten dürfen prinzipiell keine Pflanzen entnommen werden. Als Alternative bietet sich übrigens an, den Bärlauch im eigenen Garten zu ziehen. Dann ist auch die Verwechslungsgefahr gering.

Quellen: Wink/van Wyk/Wink: Handbuch der giftigen und psychoaktiven Pflanzen, WVG 2008; Frohne/Pfänder: Giftpflanzen, WVG 2004; Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka, WVG 2009; NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.