Durchfall und Erbrechen bei einem Kleinkind

Teil 2: Arzneimittel und Ernährungsempfehlungen

Foto: KatarzynaBialasiewicz - iStockphoto.com

Orale Rehydratation ist die wichtigste Empfehlung bei Durchfall und Erbrechen im Säuglings- und Kleinkindalter. Bei der Beratung sollten Sie hier allerdings vom Hausmittel Cola und Salzstangen als Ersatz von Flüssigkeit, Zucker und Salzen vehement abraten. Und auch bei Vomex®, Vomacur® oder Emesan® gibt es mittlerweile strenge Vorgaben. Für welche Kinder eignen sich Diphenhydramin und Dimenhydrinat nicht, um Übelkeit und Erbrechen zu bekämpfen? Was dürfen Durchfall-Kinder essen? Und: Bei Rotavirus-bedingten Durchfällen ist Hygiene das A und O. Nur welche Desinfektionsmittel können Sie empfehlen? Denn nicht alle machen Rotaviren den Garaus.

Keine Cola und Salzstangen bei Durchfall

In manchen Köpfen geistert noch immer die Idee, durch Durchfall und Erbrechen verloren gegangene Flüssigkeit mit Cola und Salzstangen zu ersetzen. Cola enthält Glukose, Salzstangen Natriumchlorid. Die „Zutaten“ für einen oralen Rehydratations-Cocktail wären also eigentlich vorhanden. Dennoch: Finger weg von Cola und Salzstangen. Der Grund: Die Zusammensetzung ist nicht passend. Cola enthält massiv zu viel Zucker, 110 g/L, dafür aber kaum Natrium und Kalium. Zur oralen Rehydratation gilt in der Tat die Empfehlung, diese mit fertigen Arzneimitteln wie Oralpädon oder Infectodiarrstopp LGG durchzuführen, um eine optimale Zusammensetzung von Natrium, Kalium, Glukose und Citrat sicherzustellen. Wenn Eltern ihren Kindern folglich Cola und Salzstangen verweigern – was sollen die Kinder am besten essen? Ist Nahrungsaufnahme überhaupt gut – oder überfordert diese den ohnehin strapazierten Magen-Darm-Trakt?

Was sollen Kinder bei Durchfall essen?

Die Enterozyten ernähren sich hauptsächlich über den Darm und beziehen ihre Nährstoffe weniger von „innen“, also über den Blutweg. Die durch die Infektion geschädigte Darmschleimhaut erholt sich am raschesten, wenn die Kinder möglichst früh die Ernährung wieder aufnehmen. Als Faustregel gilt: Vier bis sechs Stunden nach Beginn der oralen Rehydratation können Eltern wieder versuchen, ihren Kindern Nahrung anzubieten. Bei gestillten Säuglingen kann die Mutter das Baby zwischen den Gaben der oralen Rehydratationslösungen immer wieder anlegen. Säuglinge, die mit Säuglingsnahrung anstelle von Muttermilch ernährt werden, sollten ihre gewohnte Säuglingsmilch auch bei Durchfallerkrankungen weiter erhalten. Immer wieder taucht auch die Frage auf, ob es nicht sinnvoll sei, die Säuglingsmilch zu verdünnen. Das ist nicht erforderlich. Was allerdings günstig ist, und was PTA immer empfehlen können, dass die Eltern ihrem Kind die Nahrung in mehreren kleinen Portionen anbieten. Erhielt der Säugling schon vor der Gastroenteritis Beikost, können Eltern auch diese wieder verabreichen.

Wie sieht es bei Kleinkindern aus? Diese sollten ihre normale Kost erhalten, wobei die Eltern stärkehaltige Produkte wie Kartoffeln, Reis- und Nudelgerichte, Hafer- oder Grießbrei und Zwieback bevorzugen sollten. Die Eltern können versuchen, ihrem Kind leicht verdaubare Nährstoffe wie Bananenmus oder geriebenen Apfel anzubieten. Die Pektine aus dem Apfel „gelieren“ und binden zusätzlich Wasser, was in der traditionellen Medizin unterstützend bei Durchfall wirken soll. Auch Fett ist erlaubt, während Eltern mit stark zuckerhaltigen Speisen oder Fruchtsäften am besten zunächst Zurückhaltung üben sollten. Fazit: Nur Teepausen, Nahrungskarenz über mehr als vier bis sechs Stunden und eine fettarme Aufbaukost über mehrere Tage sind bei der Therapie akuter Durchfallerkrankungen im Säuglings- und Kleinkindalter mittlerweile überholt.

Arzneimittel bei Durchfall und Erbrechen

Neben der wichtigsten Maßnahme – der Zufuhr von Elektrolyten und Flüssigkeit – gibt es bei Magen-Darm-Erkrankungen auch Interventionsmöglichkeiten auf Arzneimittelebene. Allerdings gehören schwere Diarrhöen und anhaltendes Erbrechen bei Säuglingen und Kleinkindern in die Hand des Kinderarztes und sind weniger in der alleinigen Selbstmedikation zu behandeln. Zu groß ist die Gefahr, dass die kleinen Patienten dehydrieren und eine Therapie im Krankenhaus erforderlich wird.

Das einzige Arzneimittel, das als ergänzende Maßnahme zur oralen Rehydratation empfohlen wird, ist Tiorfan®. Der Wirkstoff Racecadotril wirkt ausschließlich im Darm und wirkt der verstärkten Sekretion bei Durchfall entgegen. Das Arzneimittel ist zugelassen zur ergänzenden Therapie bei Diarrhöen von Säuglingen ab einem Alter von drei Monaten. In den Fällen also, in denen eine orale Rehydratation nicht genügt, um die Durchfallsymptome zu kontrollieren, kann der Kinderarzt Tiorfan® verordnen. Tiorfan® gibt es als Granulat zur Herstellung einer Suspension in zwei Stärken, und zwar mit 10 mg für Säuglinge und in einer höher dosierten Variante mit 30 mg Racecadotril.

Racecadotril findet sich auch als Arzneimittel für die Selbstmedikation, allerdings nicht für Kinder: Vaprino® ist der Handelsname des OTC-Präparats. Es enthält Racecadotril in einer Stärke von 100 mg und darf in der Selbstmedikation nur Erwachsenen abgegeben werden. Für Kinder eignet sich Vaprino® nicht.

Bei Übelkeit und Erbrechen: Sollen PTA Vomex wirklich empfehlen?

Liegt nur eine einfache Gastroenteritis vor, zeigt eine antiemetische Behandlung mit Dimenhydrinat- oder Diphenhydramin-haltigen Zäpfchen oder Säften keinen Vorteil zu einer ausschließlichen Substitution von Flüssigkeit und Elektrolyten. Ohnehin sollten Sie bei der Empfehlung von Vomex®, Vomacur® und Emesan® zurückhaltend sein, vor allem bei Kindern unter drei Jahren. Erst im August dieses Jahres hat die deutsche Arzneimittelbehörde, das BfArM, die antiemetische Therapie mit Vomex®, Vomacur® & Co. eingeschränkt. Der Grund: Dimenhydrinat und Diphenhydramin können schwerwiegende Nebenwirkungen wie Krampfanfälle verursachen, die unter Umständen tödlich sein können. In Deutschland enthalten für diese Altersgruppe die Arzneimittel Vomacur® und Vomex® den Wirkstoff Dimenhydrinat als Zäpfchen und als Saft. Diphendyramin ist die wirksame Substanz in Emesan®.

Kinder unter drei Jahren sollen folglich nur unter strenger Indikation und sorgfältiger Beachtung der Dosierung Dimenhydrinat oder Diphenhydramin gegen Übelkeit bekommen. Besonders aufmerksam sollten Sie dann sein, wenn Eltern über gleichzeitiges Fieber bei ihren Kinder berichten: Kleinkinder neigen zu Fieberkrämpfen. Die gleichzeitige Gabe von krampfauslösenden Wirkstoffen wie Dimenhydrinat oder Diphenhydramin kann die Krampfanfälligkeit zusätzlich erhöhen. Als Höchstdosis dürfen Kinder bis drei Jahren maximal 5 mg pro Kilogramm Körpergewicht Dimenhydrinat pro Tag erhalten. PTA können zur sicheren Therapie mit Vomacur®, Vomex® und Emesan® beitragen und bei ihrer Arzneimittelberatung zu Übelkeit und Erbrechen bei Kleinkindern den Eltern konkrete Höchstdosierungen auf die Packungen schreiben. 

Diarrhoesan® und Kohletabletten?

Ein pektinhaltiges Arzneimittel zur Therapie von Durchfall ist Diarrhoesan®. Es eignet sich allerdings für Kinder erst ab dem zweiten Lebensjahr und ist lediglich als traditionelles Arzneimittel registriert. Die Wirksamkeit wurde bislang in klinischen Studien nicht bestätigt, sodass eine klare Empfehlung seitens Fachgesellschaften nicht vorliegt. Gleiches gilt für Kohletabletten – die Datenlage ist nicht eindeutig.

Händedesinfektion: Was wirkt gegen Rotaviren?

Hygiene ist bei Durchfallerkrankungen das A und O. Rotaviren werden durch fäkal-orale Schmierinfektionen übertragen. Und das geht relativ einfach: Bereits zehn Viren genügen, um ein Kind zu infizieren. Dass zehn Viruspartikel in der Tat wenig sind, verdeutlicht die Ausscheidungsrate bei akut Infizierten. Diese scheiden pro Gramm Stuhl bis zu 100 Milliarden Viruspartikel aus.

Das Rotavirus ist ein unbehülltes Viruspartikel. Dieses ist etwas hartnäckiger und lässt sich nicht durch „begrenzt viruzide“ Desinfektionsmittel abtöten, sondern lediglich durch „viruzid“ oder „begrenzt viruzid plus“. Die neue Kategorie „begrenzt viruzid plus“ hat das Robert-Koch-Institut im Mai 2017 eingeführt. Welche Händedesinfektionsmittel können Sie Rotavirus-Infizierten beziehungsweise deren Eltern empfehlen? „Viruzid“ wirken – unter Beachtung der jeweiligen Händedesinfektionszeit – unter anderem Alcosyn, Aseptoman viral, Softa-Man acute und Sterilium Virugard. In der Regel liegt die Einwirkdauer bei ein bis zwei Minuten. Das RKI veröffentlicht eine vollständige Liste der wirksamen Desinfektionsmaßnahmen bei unterschiedlichen Erkrankungen.

Celine Müller
Apothekerin, Redakteurin, Stuttgart
onlineredaktion@ptaheute.de