Hepatitis-Screening beschlossen

Für Mitte des Jahres ist eine Erweiterung des Gesundheits-Check-up beschlossen worden: Dann soll auch auf Heptatits B und C getestet werden.
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Die Folgen einer chronischen Infektion mit Hepatitis B oder C sind gravierend. Frühzeitig erkannt, können diese Viruserkrankungen jedoch gut therapiert werden. Ein Test auf Hepatitis B und C soll deshalb in den allgemeinen Gesundheits-Check-up aufgenommen werden.

Die Viruserkrankungen Hepatitis B und Hepatitis C nehmen unbehandelt einen chronischen Verlauf und greifen vor allem die Leber an. Dort entwickelt sich zunächst eine Entzündung. Langfristig kann daraus eine Leberzirrhose entstehen. Sie geht mit einem fortschreitenden Verlust der Leberfunktion einher und ist ein Risikofaktor für Leberzellkrebs.

Riskante Dunkelziffer

In Deutschland leben schätzungsweise 400.000 Menschen, die chronisch mit Hepatitis-B-Viren (HBV) oder Hepatitis-C-Viren (HBC) infiziert sind. Mehr als 50 Prozent der Betroffenen wissen jedoch nichts von ihrer Infektion, da diese lange Zeit symptomlos verlaufen kann. Die unerkannt Infizierten werden nicht behandelt und ergreifen auch keine Vorsichtsmaßnahmen gegen die Weitergabe der Viren.

Einmaliger Test beim Gesundheits-Check-up

Um die Zahl der nicht erkannten Hepatitis-Infektionen zu senken und die Ausbreitung der Viren zu bremsen, hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) vor kurzem eine Erweiterung des Gesundheits-Check-up beschlossen: Innerhalb der allgemeinen Gesundheitsuntersuchung (früher als „Check-up 35“ bezeichnet) soll künftig der Test auf Hepatitis B und C zur Verfügung stehen. Gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren können ihn dann einmalig in Anspruch nehmen. Mit diesem Screening sollen bislang unentdeckte Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Virusinfektionen erkannt werden. Mit dem Inkrafttreten des Beschlusses wird ungefähr zur Jahresmitte 2021 gerechnet.

Hepatitis B

Beim Screening auf eine Hepatitis-B-Infektion wird die Blutprobe zunächst auf das Hepatitis-B-Virus-Oberflächenantigen untersucht. Bei positivem Befund wird dieselbe Blutprobe auf HBV-DNA zum Nachweis einer aktiven Infektion getestet. Diese kann mit einer antiviralen Therapie behandelt werden, wodurch meist eine Viruskontrolle erreicht wird.
Wer gegen Hepatitis B geimpft ist, benötigt das HBV-Screening nicht. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Hepatitis-B-Impfung seit 1995 für Säuglinge und Kinder, seit 2013 auch für Menschen, die ein geschwächtes Immunsystem haben oder besonders exponiert sind.

Hepatitis C

Beim Screening auf Hepatitis C wird zunächst nach HCV-Antikörpern gesucht und bei positivem Befund in derselben Blutprobe auf Virus-RNA getestet. Ist diese nachweisbar, soll direkt mit einer antiviralen Therapie begonnen werden. Hepatitis C ist meist heilbar. Eine Schutzimpfung gibt es bisher nicht.

Vermeidbare Gefahr: nichtalkoholische Fettleber

Nicht nur Virushepatitiden gefährden die Leber. In zunehmendem Maße bedroht ein anderes Phänomen die Lebergesundheit: die nichtalkoholische Fettleber (NAFL). Sie ist oft das Resultat aus Übergewicht oder Adipositas. Laut deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) sind in der Gruppe der 18- bis 65-jährigen Männer fast 60 Prozent übergewichtig. Bei den gleichaltrigen Frauen sind rund 37 Prozent betroffen. Ab 65 Jahren sind auch bei den Frauen die Normalgewichtigen in der Unterzahl.

Quellen: Deutsche Leberstiftung; Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA); Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM)