Neandertaler-Gen macht schmerzempfindlicher

Menschen mit einer Neandertaler-Genvariante haben eine niedrigere Schmerzschwelle.
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Erbgut vom Neandertaler findet sich zu etwa zwei bis vier Prozent noch bei heute lebenden Menschen. Eines dieser Urmenschen-Gene codiert für einen speziellen Natrium-Ionenkanal. Wer diese Neandertaler-Genvariante in sich trägt, ist offenbar schmerzempfindlicher als andere Menschen.

Circa 500.000 Jahre lang entwickelten sich die Neandertaler getrennt von den Vorfahren des heutigen Homo sapiens. Vor ungefähr 40.000 Jahren starben die Neandertaler dann aus. Doch kurz zuvor vermischten sie sich noch mit dem modernen Menschen. Deshalb ist noch in uns heutigen Menschen Neandertaler-Genom zu finden. Der Forschung gelingt es zunehmend, die physiologischen Auswirkungen von Urmenschen-Erbgut aufzuzeigen. Das ist jetzt auch bei der Neandertaler-Genvariante für einen spannungsgesteuerten Natrium-Ionenkanal gelungen. Diese Genvariante tragen einige heutige Menschen in sich. Sie haben eine niedrigere Schmerzschwelle.

Natrium-Ionenkanal leichter aktiviert

Insbesondere Menschen aus Mittel- und Südamerika, aber auch Europa, haben die Neandertaler-Genvariante des für die Schmerzübertragung relevanten Natrium-Ionenkanals geerbt. Der Natrium-Ionenkanal erlaubt die Passage von Natriumionen durch die Membran von Nervenzellen, wenn Membranpotentialänderungen auftreten. Die Besonderheit beim Neandertaler-Ionenkanal: Dieses Protein weist gegenüber dem gängigen Ionenkanal-Protein drei bestimmte Aminosäure-Substitutionen auf. Aufgrund dieser Abweichung wird der Natrium-Ionenkanal leichter aktiviert. Dadurch sinkt die Schwelle zur Auslösung von Aktionspotentialen und es kommt leichter zur Schmerzauslösung. Eine neue Studie zeigt, dass Menschen mit der Neandertaler-Genvariante für den Ionenkanal tatsächlich mehr Schmerzen empfinden als andere Menschen.

Quelle: Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie