Veränderung der roten Blutkörperchen schützt vor Malaria

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Forscher der Universität Oxford haben herausgefunden, dass eine bestimmte Gen-Variation zweier Rezeptoren auf der Zellmembran von roten Blutkörperchen das Risiko einer schweren Malaria-Erkrankung um 40 Prozent reduziert.

Malaria gehört zu den bekanntesten Tropenkrankheiten. Jahr für Jahr werden weltweit mehr als 200 Millionen Menschen mit Malaria infiziert, mehrere Hunderttausend von ihnen sterben an den Folgen der Infektion. Hauptverbreitungsgebiete sind Afrika, Asien und Südamerika. Hervorgerufen wird die Erkrankung durch einzellige Parasiten, sogenannte Plasmodien. Diese leben im Darm der Anopheles-Mücke. Beim Stich einer infizierten weiblichen Mücke gelangen die Plasmodien über den Mückenspeichel in das menschliche Blut. Gelegentlich treten auch Infektionen durch Blutübertragungen (Bluttransfusionen oder verschmutzte Kanülen) oder die Ansteckung eines Ungeborenen durch die Mutter auf.

Vermehrung in Mensch und Mücke

Der Lebenszyklus der Malaria-Erreger ist kompliziert: In Mücke und Mensch nehmen sie verschiedene Formen und Entwicklungsstadien ein. Damit die Parasiten den Menschen infizieren können, muss die Anopheles-Mücke selbst vorher infiziert worden sein. Dies geschieht durch einen Stich bei einem bereits infizierten Menschen. Vom Darm der Mücke wandern die Erreger über mehrere Zwischenstufen in deren Speicheldrüsen. Sticht sie einen Menschen, überträgt die Mücke den Erreger mit ihrem Speichel in dessen Blut. Im Menschen dringen die Erreger in die Zellen der Leber ein, vermehren sich dort und gelangen beim Platzen der Leberzellen nach etwa sieben Tagen massenhaft ins Blut. Anschließend befallen sie die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), vermehren sich dort und werden beim Platzen der Erythrozyten erneut in großen Mengen ins Blut freigegeben, wo sie weitere Blutzellen befallen. Als direkte Folge treten in unterschiedlichen Abständen Fieberschübe auf.

Grippeähnliche Krankheitssymptome

An Malaria erkrankte Personen weisen in der Regel grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auf. Für eine genaue Diagnose muss eine Blutuntersuchung durchgeführt werden, da der Erreger hierdurch nachgewiesen werden kann. Tritt unklares Fieber während oder nach einem Aufenthalt in einem malariagefährdeten Gebiet auf, sollte man zur Abklärung unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Typische Symptome einer Malaria-Erkrankung sind:

  • unterschiedliche Fieberschübe
  • Kopfschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Schüttelfrost
  • Schwäche
  • Übelkeit
  • Gliederschmerzen
  • Schwindel

 

Malaria tropica ist lebensgefährlich

Grundsätzlich werden drei Formen und eine Sonderform von Malaria unterschieden, die durch fünf verschiedene Erregerarten hervorgerufen werden:

  • Malaria tropica (auch Falciparum-Malaria) ist die häufigste und gefährlichste Art von Malaria. Unbehandelt können über 20 Prozent der Erkrankten versterben. Hervorgerufen wird sie durch das Plasmodium falciparum. Neben grippeähnlichen Symptomen kann es in schweren Fällen zu Bewusstseinsstörungen bis hin zum Bewusstseinsverlust oder Krampfanfällen sowie zu Komplikationen wie ausgeprägter Blutarmut oder Nierenversagen mit Todesfolge kommen. 
  • Malaria tertiana ist ebenso weit verbreitet wie die Malaria tropica, verläuft jedoch wesentlich milder und in der Regel ohne schwerwiegende Komplikationen. Sie kann durch zwei verschiedene Erreger ausgelöst werden: Plasmodium vivax und Plasmodium ovale. Benannt wurde diese Art der Malaria nach der Häufigkeit der Fieberschübe. Diese treten nämlich alle 48 Stunden, also an den Tagen 1, 3 usw, auf.
  • Malaria quartana ist die seltenste Malariaform. Ihr Erreger ist Plasmodium malariae. Fieberschübe können alle 72 Stunden (an den Tagen 1, 4 usw.) auftreten.
  • Als fünfter Erreger ist Plasmodium knowlesi bekannt, der eine Sonderform von Malaria in Südostasien auslöst.

 

 

Schutz durch Genveränderung

Wie Wissenschaftler der Universität Oxford nun herausgefunden haben, erkranken Menschen, die eine Veränderung zweier Rezeptoren, nämlich der Glycophorin-Rezeptoren GYPA und GYPB, auf der Zellmembran der Erythrozyten aufweisen, zu 40 Prozent weniger an einer schweren Malaria tropica. Diese Rezeptoren nutzt der Parasit Plasmodium falciparum, um in die Blutzellen einzudringen. Durch die Genveränderung kann der Erreger nicht an die Erythrozyten andocken. Somit werden das Eindringen und die Vermehrung des Parasiten verhindert. Eine solche Genvariante, die dem Träger einen Selektionsvorteil in der Evolution verschafft, wurde bisher nur in Ostafrika gefunden. Aus diesem Grund wird angenommen, dass sie noch relativ neu ist.

Martina Schiffter-Weinle
Apothekerin, Redakteurin
onlineredaktion@ptaheute.de