Wie Schlaf die Immunabwehr stärkt

Schlafen ist wichtig für ein intaktes Immunsystem! Wie diese These zu begründen ist, fanden deutsche Wissenschaftler jetzt heraus.
Bild: Bakulov /stock.adobe.com

Ausreichend Schlaf ist für die Funktion unseres Immunsystems wichtig. Wie dies zusammenhängt, ist allerdings noch weitgehend unklar. Nun haben Forscher eine mögliche Erklärung gefunden, über welche Mechanismen der Schlaf uns beim alltäglichen Kampf gegen Infektionen unterstützt.

Für die Immunabwehr spielen T-Zellen (= T-Lymphozyten) eine entscheidende Rolle. Damit sie ihre Funktion ausüben können, müssen T-Zellen jedoch zunächst fest an ihr Ziel, zum Beispiel eine Virus-infizierte Zelle, binden. Diese Bindungsstärke – die Adhäsionsfähigkeit – wird offenbar durch Schlaf beeinflusst. Das konnten Wissenschaftler der Universitäten Tübingen und Lübeck an Probanden zeigen.

Verminderte T-Zell-Adhäsion – schon nach drei Stunden Schlafmangel

Die Forscher führten mit den Probanden ein 24-stündiges Experiment durch: Eine Gruppe konnte nachts für acht Stunden schlafen, eine zweite Gruppe blieb über den gesamten Zeitraum wach. Während des Experiments wurden regelmäßig Blutproben entnommen. Die Analyse ergab: Bei den Probanden ohne Schlaf war die Adhäsionsfähigkeit der T-Zellen deutlich reduziert. Der Effekt ließ sich bereits nach drei Stunden ohne Schlaf feststellen.

Verantwortliche Substanzen im Blutplasma

Dass für diese Verminderung der Adhäsionsfähigkeit lösliche Substanzen im Blut verantwortlich sein müssen, zeigte ein weiterer Versuch: Die Wissenschaftler gaben reines Blutplasma der Probanden auf isolierte T-Zellen. Stammte das Plasma von den schlaflosen Probanden, dann senkte es signifikant die Adhäsionsfähigkeit der T-Zellen.

Stresshormon-verursachte Rezeptoraktivierung beeinträchtigt T-Zell-Funktion

Den genaueren Mechanismen kam das Forscherteam mit einem weiteren Experiment näher auf die Spur: Sie konnten die Unterdrückung der T-Zell-Funktion rückgängig machen, indem sie eine bestimmte Rezeptorklasse blockierten – die sogenannten Gαs-gekoppelten Rezeptoren. Über diese Rezeptoren entfalten das Stresshormon Adrenalin und der Entzündungsbotenstoff Prostaglandin E2 ihre Wirkung. Während des Schlafs sind diese Botenstoffe natürlicherweise nur in geringer Konzentration vorhanden, bei Schlafmangel aber in höherer Menge. Die Forscher schlussfolgern, dass diese Substanzen im Blut bei Schlafmangel die Gαs-gekoppelten Rezeptoren aktivieren und auf diese Weise die Adhäsion der T-Zellen beeinträchtigen. Bei ausreichend Schlaf dagegen werden weniger Rezeptoren aktiviert und die T-Zellen sind deshalb funktionsfähiger.

Quelle: Eberhard Karls Universität Tübingen