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Zunehmende Resistenzen: EMA prüft Fosfomycin

Die zunehmenden Resistenzen unter Fosfomycin beunruhigen die Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA und geben Anlass zu einem aktuell laufenden Nutzen-Risiko-Bewertungsverfahren. | Bild: Aristo Pharma GmbH

Es ist eine feine Sache, fraglos: Mit einer einzigen Dosis sind meist relativ rasch die Beschwerden verschwunden. Probleme hinsichtlich der Therapietreue dürften bei einer Einmalgabe wohl auch keine Rolle spielen. Es geht um Fosfomycin (Monuril® und Generika). Das Antibiotikum ist unter anderem als orales Granulat in Deutschland zur Behandlung von unkomplizierten Harnwegsinfektionen der Frau zugelassen. Der Vorteil ist zum einen die einmalige Applikation: Frauen, die an unkomplizierten Harnwegsinfektionen leiden, lösen 3000 mg Fosfomycin in einem Glas Wasser auf, trinken dies und die Antibiose ist beendet. Zumindest die Einnahme für die Patientin. 

Der weitere Vorteil von Fosfomycin fußt auf seinem speziellen Wirkmechanismus: Fosfomycin greift in einen der ersten Schritte der Zellwandsynthese der Bakterien ein und hemmt diese, so dass die Bakterien keine funktionsfähige Zellwand mehr ausbilden können. Die Folge: Das Bakterium stirbt ab. Fosfomycin wirkt folglich bakterizid (bakterienabtötend).

Einmalgabe Fosfomycin könnte Resistenzen verschärfen

Dieser spezifische Wirkansatz wird nicht zuletzt dafür verantwortlich gemacht, dass Fosfomycin bislang zumindest hinsichtlich der Resistenzsituation als gut eingestuft wurde. Nun gibt es allerdings Daten, die fürchten lassen, dass sich dies langsam ändert – und vielleicht nicht zuletzt auch die bequeme Einmalgabe des Antibiotikums ihren Anteil dazu beitragen könnte. Im Sommer veröffentlichten Wissenschaftler eine Untersuchung in der medizinischen Fachzeitschrift JAMA (Journal of the American Medical Association). Sie fanden – neben den Ergebnissen, dass bei Harnwegsinfektionen fünf Tage einer Nitrofurantoin-Gabe die Bakterien stärker reduziert als eine einmailge Gabe Fosfomycin 3000 mg –, dass der zunehmende Einsatz von Fosfomycin oral die Resistenzlage verschärft. So erhöhte sich zwischen 1997 und 2009 das Nichtansprechen auf Fosfomycin in Spanien von 4 Prozent auf 11 Prozent, der Einsatz von Fosfomycin wuchs in diesem Zeitraum um 340 Prozent.

Fosfomycin als Infusion – Reserve bei schweren Infektionen

Das große Problem, das dahinter steckt: Fosfomycin wird mitnichten nur bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen eingesetzt. Das Antibiotikum gilt als Reserve und ist eine wertvolle Alternative zu Penicillinen und Cephalosporinen – sei es aufgrund von Unverträglichkeiten oder wenn die Wirksamkeit von Penicillinen oder Cephalosporinen aufgrund des Infektionsortes nicht ausreicht. Denn: Fosfomycin ist knochengängig. Dies ist insbesondere bei einer Streptokokken-Osteomyelitis (Entzündung des Knochenmarks aufgrund einer Infektion mit Streptokokken) von entscheidender Bedeutung.  In diesem Fall wird Fosfomycin nicht als gelöstes Granulat getrunken, sondern parenteral als Infusion verabreicht. Daneben dient Fosfomycin auch als Kombinationspartner bei multiresistenten Keimen (beispielsweise Pseudomonas, in Kombination mit Meropenem oder Levofloxacin) und wird auch bei Patienten mit Cystischer Fibrose (Mukoviszidose) eingesetzt. 

Die Sorge ist nun, dass durch den zunehmenden Einsatz des oralen Antibiotikums und die Verschärfung der Resistenzsituation, Fosfomycin auch bei diesen schwerwiegenden Infektionen nicht mehr wirken könnte. In Deutschland ist Fosfomycin in parenteraler Form in unterschiedlichen Stärken als Infectofos® 2 g/3 g/ 5g/ 8g verfügbar.

EMA bewertet Fosfomycin hinsichtlich Dosierung und Resistenzen neu

Das scheint nun auch der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA zunehmend Bauchschmerzen zu bereiten. Sie will Fosfomyicin hinsichtlich der Resistenzsituation nun neu bewerten. Die EMA startete am 7. Dezember 2018 – auf Antrag des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – ein Nutzen-Risiko-Bewertungsverfahren zu dem antibiotischen Wirkstoff und wird die Indikationen und Dosierungen von fosfomycinhaltigen Arzneimitteln, die sicherheitsrelevanten Informationen unter zur Hilfenahme der aktuellen wissenschaftlichen Daten neu bewerten und sodann entscheiden, ob die Zulassungen fosfomycinhaltiger Arzneimittel angepasst werden müssen.

Fosfomycin nicht überall gleich eingesetzt

Innerhalb der EU ist die Gabe von Fosfomycin nicht einheitlich. So gibt es in einigen EU-Ländern Fosfomycin nicht nur als orale Darreichungsform und als Infusion, sondern auch als Injektion in den Muskel (i.m.). Zugelassen ist es hier zur antibiotischen Vorbeugung und Behandlung von Infektionen der Harnwege und Fortpflanzungsorgane.

Wie geht es weiter mit Fosfomycin?

Zuständig für die Neubewertung von Fosfomycin ist der Humanarzneimittelausschuss CHMP bei der EMA. Nachdem dieser Stellung bezogen hat, wird dessen Empfehlung der Europäischen Kommission vorgelegt. Diese entscheidet abschließend und rechtsverbindlich, ob die Zulassungen fosfomycinhaltiger Arzneimittel in der EU angepasst werden müssen.