Erkältung im Griff – dank hochdosiertem Zink?

Bild: Rido/stock.adobe.com

Kaum sinken die Temperaturen, kommen schon die ersten Erkältungsgeplagten in die Apotheke. Meist mit dem Wunsch, schnell wieder gesund zu werden und der Frage, was unterstützend dabei helfen kann. Ist die Einnahme von Zink eine Möglichkeit, grippale Infekte schneller wieder loszuwerden?

Zink zählt zu den essenziellen (lebensnotwendigen) Spurenelementen und ist Cofaktor zahlreicher Körperenzyme. Es ist unter anderem beteiligt an Zellwachstum, Insulinspeicherung, Wundheilung und einem intakten Immunsystem. Letzteres basiert vermutlich einerseits auf der verbesserten Reifung der T-Lymphozyten (Immunzellen) und andererseits auf einer Steigerung der T-Lymphozytenanzahl. Es verwundert daher nicht, dass ein Zinkmangel unter anderem auch mit einer erhöhten Infektanfälligkeit einhergeht.

Zink im Kampf gegen Rhinoviren

Darüber hinaus soll Zink in der Lage sein, die Rezeptoren von Rhinoviren – die Hauptverantwortlichen eines grippalen Infekts - zu blockieren und so das Anhaften der Viren an Schleimhautzellen in z. B. Mund und Nase zu verhindern. Haben sich Rhinoviren bereits im Körper ausgebreitet, hilft Zink die Vermehrung einzudämmen. All diese Funktionen sind gute Hinweise darauf, dass Zink bei Erkältungen wirksam sein kann.

Laut Studien effektiv ab 75 mg

In einer Metanalyse (so bezeichnet man eine Studie, die mehrere Einzelstudien zusammenfasst) des renommierten Cochrane-Instituts wurde untersucht, ob die orale Einnahme von Zink – über den täglichen Bedarf von 7 bis 10 mg hinaus – Auswirkungen auf den Verlauf einer Erkältung hat. Dazu wurden insgesamt 1.781 Patienten im Alter von 1 bis 65 Jahren in die Metanalyse einbezogen. Es zeigte sich, dass Zink die Dauer der Erkältungssymptome verringern kann, wenn die Einnahme innerhalb von 24 Stunden nach Auftreten der ersten Erkältungssymptome erfolgt und täglich mindestens 75 mg eingenommen werden. Zudem ist dieser Effekt dosisabhängig, d. h. mit höheren Zinkdosen konnte die Erkältungsdauer noch weiter reduziert werden. In einer weiteren Metaanalyse wurde ebenfalls belegt, dass Zink die Symptomstärke reduziert und so zu einem milderen Krankheitsverlauf führt.

Was ist zu beachten?

Trotz der dosisabhängigen Effekte, dürfen die Nebenwirkungen von hochdosiertem Zink keinesfalls aus den Augen verloren werden. Dazu zählen neben einem schlechten Geschmack auch Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. Um die auftretende Übelkeit zu verhindern, kann Zink in Ausnahmefällen zu den Mahlzeiten eingenommen werden. Die gleichzeitige Einnahme mit pflanzlichen Nahrungsmitteln (z. B. Getreideprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse) sollte jedoch vermieden werden, da diese die Resorption beeinträchtigen können. Außerdem gibt es Anhaltspunkte dafür, dass Kaffee die Resorption von Zink beeinträchtigt.

Neben diesen sicherlich erwähnenswerten Wechselwirkungen, zeigt Zink als zweiwertiges Kation auch Interaktionen mit Tetracyclinen und Chinolonen (Antibiotika), Schilddrüsenhormonen, Bisphosphonaten (Osteoporose-Therapeutika), D-Penicillamin (Antirheumatikum) und EDTA (Antidot). Kinder und Jugendliche sollten bis zum vollendeten 17. Lebensjahr keine zinkhaltigen Supplemente zu sich nehmen. Stillende und Schwangere sollten eine Zink-Supplementation immer mit Ihrem Arzt abklären.

Auch wenn mit höheren Zinkdosen die Erkältungsdauer in Studien weiter gesenkt werden konnte, sollte – einer Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zufolge - die tägliche Dosis von 25 mg auf längere Zeit nicht überschritten werden.

Tagesdosis wird durch normale Mischkost erreicht

Um den täglichen Zinkbedarf von 7 bis 10 mg zu decken, eignen sich Rind-und Schweinefleisch ebenso wie Eier, Milch und Käse. Aber auch Vegetarier können einen Zinkmangel mit Hilfe von Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten vermeiden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) führt als Beispiel zur Bedarfsdeckung folgende Speisen auf: Zwei Scheiben Vollkornbrot mit Käse und fünf Esslöffel Haferflocken bzw. 150 g Rindfleisch und ein Glas (Kuh-)Milch.

Zink zur Unterstützung der Behandlung von grippalen Infekten

Zur Behandlung von Zinkmangelzuständen bzw. zur Unterstützung der Behandlung von grippalen Infekten stehen in der Apotheke zahlreiche Arzneimittel zur Supplementation zur Verfügung (z. B. Zinkorot® 25 Tabletten, Zinkorotat-POS® 40 mg, Curazink® 15 mg Hartkapseln, Unizink® 50 Tabletten u.v.m.).

Um eine Unterdosierung zu vermeiden, sollten Sie bei der Auswahl jedoch auf die enthaltene Menge an reinem Zink-Ion achten. Wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im März dieses Jahres anmerkte, bezieht sich die Produktbezeichnung einiger Hersteller auf das enthaltene Salz und nicht etwa auf das Ion. So enthalten z. B. Zinkorotat-POS® 40 mg lediglich 6,3 mg reines Zink und Unizink® 50 Tabletten ausschließlich 10 mg Zink-Ion. Dies kann für Laien außerordentlich irreführend sein.

Das Wichtigste in Kürze

Durch die Einnahme von Zink kann die Erkältungsdauer verkürzt und die Symptomausprägung abgeschwächt werden. Um von diesen positiven Effekten zu profitieren, sollte die Einnahme schon bei den ersten Erkältungssymptomen – z. B. beim ersten „Kratzen im Hals“ – erfolgen und auf ausreichend hohe Dosierungen (mindestens 25 mg/Tag) geachtet werden.