Inhaltsstoffe in kosmetischen Mitteln

Teil 2: Wachse

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Um Kosmetikprodukten die gewünschte Konsistenz zu verleihen – sie stabiler und fester zu machen –, können in der lipophilen Phase Fette eingesetzt werden, die einen höheren Schmelzpunkt aufweisen. Hier wird häufig auf natürliche, aber auch auf synthetisch hergestellte Wachse  zurückgegriffen. Wir stellen Ihnen die wichtigsten vor.

Wachse für Härte und Festigkeit

Wachse werden in kosmetischen Mitteln als Konsistenzgeber eingesetzt: als Fettkomponenten in rein lipophilen Zubereitungen oder in der lipophilen Phase einer Emulsion. Sie erhöhen die Viskosität solcher Zubereitungen und geben ihnen eine gewisse Stabilität. Je höher der Wachsanteil in der Fettphase ist, desto fester wird das Endprodukt.
Wachse können einen natürlichen Ursprung haben oder synthetisch hergestellt werden. Man unterscheidet feste und flüssige Wachse. 

Konsistenz ist temperaturabhängig

Betrachtet man den chemischen Aufbau von Wachsen, so handelt es sich um Ester (Wachsester) aus langkettigen, einwertigen Alkoholen (Fettalkoholen oder Wachsalkoholen) mit langkettigen Fettsäuren (Wachssäuren).
Physikalisch gesehen sind Wachse bei Raumtemperatur knetbar, fest bis brüchig hart, durchscheinend bis opak (lichtundurchlässig) und schmelzen bei über 40°C ohne Zersetzung. Im geschmolzenen Zustand sind sie dünnflüssig und nicht fadenziehend.

Natürliche und synthetische Wachse

Je nach Herkunft und Konsistenz kann man die Wachse in folgende Gruppen einteilen:

  1. Feste natürliche Wachse
    Natürliche Wachse können pflanzlichen oder tierischen Ursprungs sein. Pflanzliche Wachse sind Abscheidungsprodukte der Epidermis, die in die Cuticula eingelagert oder ihr aufgelagert werden. Ein solcher Wachsüberzug schützt die oberirdischen Pflanzenteile gegen Verdunstung, Benetzung mit Wasser und Befall durch Mikroorganismen. Zu den pflanzlichen Wachsen gehören z.B. Carnaubawachs und Candellilawachs.
    Tierische Wachse treten als Schutzschicht auf Haut, Pelz und Federn (Vogelfeder) und auf dem äußeren Skelett vieler Insekten auf.  Bei Insekten bilden Wachse einen Benetzungsschutz gegen Wasser; die Bienen benutzen Wachs außerdem als Baumaterial ihrer Waben. Vielen Meeresorganismen dienen Wachse als Reservestoffe oder zur Regulation des Auftriebs (z.B. Krebsen und Walen).
    Tierische Wachse sind z.B. Bienenwachs, Schellackwachs (Schellack), Walrat (Pottwale), Lanolin (Wollwachs, Wollfett) und Pelawachs (chinesisches Wachs).

    Carnaubawachs (INCI: Cera Carnauba) ist eine Absonderung der Blätter der südamerikanischen Carnaubapalme. Unter allen pflanzlichen Wachsen ist es das härteste Wachs, der Schmelzpunkt liegt bei 82 bis 86° C. Aufgrund seines hohen Schmelzpunktes wird Carnaubawachs oft in Lippenstiften, Kajal-, Brauen- und Lippenkonturstiften sowie in Mascara verwendet. Es sorgt beispielsweise bei Lippenpflegeprodukten dafür, dass die Stifte auch bei höheren Temperaturen ihre Form und Geschmeidigkeit behalten und nicht etwa schmelzen. In Hautemulsionen wirkt Carnaubawachs wasserabweisend, schützend und leicht filmbildend. Haare gewinnen durch Zugabe in Pflegeprodukten an Glanz und Griffigkeit.  

    Candellilawachs (INCI: Candellila cera) ist ein braunes, brüchiges Hartwachs, das aus den vorwiegend in Mexiko und Texas wachsenden Wolfsmilchgewächsen (Euphorbiaceae) gewonnen wird. Es ist härter als Bienenwachs, aber weicher als Carnaubawachs. Als Konsistenzgeber ist Candellilawachs in Cremes und Emulsionen, die vor allem der Hand- und Fußpflege dienen, sowie in  Haarspülungen und Lippen- und Pflegestifte enthalten.  Die Candelillapflanze steht auf der CITES-Liste der geschützten Arten. Für die artgerechte Wachsernte wird ein CITES-Zertifikat ausgestellt.

    Bienenwachs (INCI: Cera Flava [gelbes Bienenwachs], Cera Alba [weißes Bienenwachs]) stammt von Honigbienen, die es absondern, um daraus ihre typischen Bienenwaben zu bauen. Die Gewinnung des Bienenwachses erfolgt durch Einschmelzen der Waben, nachdem der Imker den Honig in Zentrifugen aus den Waben geschleudert hat. Bienenwachs besitzt einen Schmelzpunkt von
    64 - 65° C. Im naturbelassenen Zustand ist Bienenwachs gelb (cera flava), während das gebleichte Wachs weiß ist (cera alba).
    Bienenwachs gilt als gut verträgliche Fettkomponente in Kosmetikprodukten, nur vereinzelt können durch Pollenrückstände allergische Reaktionen auftreten. Es wird vorwiegend als Konsistenzgeber und schwacher Emulgator eingesetzt. Bienenwachs bildet einen zarten Schutzfilm auf der Haut, der besonders bei trockener, spröder und gereizter Haut wohltuend wirkt. Auch in der dekorativen Kosmetik wird es verwendet, um den Schmelzpunkt der Produkte zu erhöhen. Zudem findet man Bienenwachs in Haarpflegeprodukten. 

    Wollwachs (INCI: Lanolin) ist das Sekret aus den Talgdrüsen von Schafen, das bei der Wäsche von Schafwolle gewonnen wird. In Kosmetikprodukten wirkt Lanolin feuchtigkeitsspendend, weichmachend und heilend, z.B. bei Hautrissen und trockener, schuppiger Haut. Lanolin wird häufig als Emulgator eingesetzt, um die Fett- und Wasserphase eines Produkts miteinander zu verbinden. Produkte, die Lanolin enthalten, sind Wasser-in-Öl-Emulsionen und daher sehr fettreich. Die im Wollwachs enthaltenen Wollwachsalkohole können auf vorgeschädigter Haut Allergien hervorrufen. Zur Aufklärung eines Verdachts auf eine Kontaktallergie kann Lanolin routinemäßig im Epikutantest beim Hautarzt getestet werden.

  2. Feste synthetische Wachse
    Feste Wachse können auch synthetisch in einer genau definierten Zusammensetzung aus Fettsäuren und Fettalkoholen hergestellt werden. Sie werden ebenso als Konsistenzgeber eingesetzt.

    Künstliches Walrat (INCI: Cetyl Palmitate) ist synthetisch hergestellter Wachsester. Cetylpalmitat wurde als Ersatz für Walrat entwickelt, eine wachsartige Substanz aus der Stirnhöhle des Pottwals, deren Gewinnung aus Artenschutzgründen mittlerweile verboten ist. Cetylpalmitat wirkt hautpflegend, geschmeidig machend und maskierend. Neben seinen Fähigkeiten als Konsistenzgeber erhöht Cetylpalmitat auch die feuchtigkeitsbindende Wirkung von Emulsionen.

  3. Flüssige natürliche und synthetische Wachse
    Flüssige Wachse lassen sich leicht auf der Haut verteilen und ziehen schnell ein.

    Jojobaöl (INCI: Simmondsia chinensis seed oil) ist kein Öl, sondern ein Wachs, das bei Zimmertemperatur eine flüssige Konsistenz hat. Es wird aus den nussähnlichen Samen des Jojobastrauchs gewonnen, die etwa die Größe einer kleinen Olive haben. Jojobaöl wird als flüssige, pflegende Ölkomponente in verschiedenen pflegenden Kosmetika eingesetzt. Es bildet einen zarten Lipidfilm auf der Haut, ohne diese jedoch abzudichten. So schützt es die Haut langanhaltend vor Feuchtigkeitsverlust, hat also eine stark feuchtigkeitsspendende Wirkung. Zudem ist es sehr gut verträglich und zieht schnell ein. Jojobaöl kann auch künstlich hergestellt werden.

     

 

 

 

Martina Schiffter-Weinle
Apothekerin, Redakteurin
onlineredaktion@ptaheute.de