Teil 1: Lutscher als Arzneimittel

Zu den bekanntesten modernen Darreichungsformen zählen sicherlich die schon länger erhältlichen Lutscher. / Bild: © Fagron UK Lollibase®

Zu den bekanntesten modernen Darreichungsformen zählen sicherlich die schon länger erhältlichen Lutscher. Zur Therapie starker Tumorschmerzen existieren Fentanyl-haltige Lutscher, der Lolli besteht dabei aus einer Lutschtablette, die mit einem essbaren Klebstoff an einen Kunststoff-Stiel geklebt ist. 

Der Wirkstoff ist in verschiedenen Dosen in die Zuckermatrix der Tablette eingearbeitet. Bei Kontakt mit der Mundschleimhaut wird das lipophile Fentanyl rasch resorbiert und gelangt so in den Blut-Kreislauf. Im Rahmen der Diskussion um Arzneiformen speziell für Kinder gewinnen Lutscher gerade in letzter Zeit immer mehr an Bedeutung, mit ihnen lassen sich schließlich Arzneistoffe individuell dosieren und einfach applizieren. Zur Herstellung von Lutschern in der Rezeptur bietet der Rohstofflieferant Fagron in einigen Ländern sogar eine zuckerfreie Grundlagenmischung (Lollibase®) an. Diese ist in Deutschland allerdings momentan nicht erhältlich, eine mögliche Zusammensetzung von Lutschern könnte nach Literaturangaben aber folgendermaßen aussehen:

Zusammensetzung nach Literaturangaben

  • Wirkstoff
  • Sorbitol
  • Saccharose
  • Aspartam
  • Wasserfreie Citronensäure
  • Macrogol 3350
  • Aroma und Farbstoff bei Bedarf.

Herstellung nach dem Gießverfahren

Zur rezepturmäßigen Herstellung von Lutschern werden als spezielle Geräte Gießformen, Stiele und Folien benötigt, das Verfahren selbst erinnert dann an die Zubereitung von Suppositorien. Zunächst muss für die Gießform mit reiner Grundlage ein Kalibrierwert ermittelt werden, anschließend kann dann die eigentliche Herstellung der Lutscher beginnen. Dazu wird Sorbitol bei ungefähr 100 °C im Wasserbad geschmolzen, die Feststoffe werden gemischt, gesiebt und unter Rühren auf dem Wasserbad der geschmolzenen Grundlage zugefügt und aufgelöst. Die Lutscherformen werden mit einem pflanzlichen Öl gefettet, anschließend kann die Schmelze hineingegossen und erstarrt lassen werden.

Nur für hitzebeständige Arzneistoffe geeignet

Wie sich schon am Herstellungsverfahren erkennen lässt, ist eine rezepturmäßige Gewinnung von Lutschern nur für hitzebeständige Arzneistoffe geeignet. Zudem ist es wichtig ein geeignetes Packmittel für diese Arzneiform auszuwählen, da es bei längerer Lagerung zu einer Rekristallisation des Wirkstoffes kommen kann.

Dr. Annina Bergner
Apothekerin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de