Superfoods

Ein genialer Marketing-Trick verzaubert das menschliche Gehirn: Während „gesundes Gemüse“ oder „Vollkorn“ eher abschreckend und lustfeindlich klingen, lässt der Begriff „Superfood“ die Herzen höher schlagen. „Superfoods“ gelten als hip und cool. Selbsternannte Ernährungsfachleute versprechen die Lösung aller Gesundheitsprobleme, Gewichtsabnahme meist inbegriffen. Was steckt hinter den als Superfoods gepriesenen Produkten? In dieser Serie wollen wir die am meisten beworbenen und beliebtesten „Superfoods“ unter die Lupe nehmen.
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Granatapfel – gesund oder nur exotisch?

Ein aufgeschnittener Granatapfel mit sichtbaren Granatapfelkernen und einer nicht aufgeschnittenen Granatapfelfrucht
Zwischen Granatapfelsaft und Arzneimitteln kann es zu Wechselwirkungen kommen. | Bild: lisa870 / AdobeStock

Säuerlich-fruchtig und mit knackigem Biss geben Granatapfelkerne einem Salat, Müsli oder Fleischgericht eine exotisch-schmackhafte Note. Gleichzeitig setzen sie mit ihrer dunkelroten Farbe dekorative Akzente. 

Abgesehen von Gaumenfreuden und Optik hat sich der Granatapfel den Ruf eines fast märchenhaften Superfoods erworben. Der Markt hält eine breite Palette an Nahrungsergänzungsmitteln bereit, die Inhaltsstoffe aus dem Granatapfel enthalten und um die Gunst der Verbraucher werben.

Wie ist der Hype um den Granatapfel und seine angeblichen Wirkungen zu erklären, und ist dieser begründet?

Granatapfel: Scheinfrucht mit essbaren Samen

Der Granatapfel (Punica granatum) ist eine der beiden Pflanzenarten aus der Gattung der Granatäpfel (Punica) innerhalb der Familie der Weiderichgewächse (Lythraceae).

Er war ursprünglich im heutigen Iran, Armenien und in Nordindien heimisch und wird dieser Tage im gesamten west- und mittelasiatischen Raum sowie in den Mittelmeerländern, vor allem der Türkei, angebaut.  

Der sommergrüne kleine Baum wird auch als Strauch kultiviert. Die attraktive rote Blüte entwickelt sich selbst- und fremdbestäubt zum Granatapfel, der botanisch eine Scheinfrucht darstellt. Diese besteht aus der rötlichen Schale, dem helleren bis weißen Fruchtfleisch und den fleischig ummantelten Samenkernen.  

Während Schale und Fruchtfleisch bitter und ungenießbar sind, schmecken die Kerne aromatisch süß-sauer. Für die Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln werden die Kerne ausgepresst und der Saft konzentriert, fermentiert oder auch gefriergetrocknet.

Inhaltsstoffe des Granatapfels

100 g des essbaren Anteils am Granatapfel enthalten rund 19 g Kohlenhydrate, davon ca. 14 g Zucker, und etwa 4 g Ballaststoffe. Der Protein- und Fettanteil liegt bei 1,7 bzw. 1,2 g, der Rest ist Wasser.

Der Zucker besteht jeweils ungefähr zur Hälfte aus Fructose und Glucose. Mit 74 kcal pro 100 g liegen Granatapfelkerne gleichauf mit dem Energiegehalt von Feigen, sie gehören also zu den süßen und energiereichen Obstsorten.

Was die Mikronährstoffe betrifft, so enthalten Granatapfelkerne Kalium, Calcium, Eisen, Magnesium, Vitamin B6 und Vitamin C, alles in relativ kleinen Mengen. Mit nur 7 mg Vitamin C pro 100 g bietet das Obst nur ein Siebtel des Vitamin-C-Gehalts von Orangen und Zitronen (je 50 mg).

Allerdings weist der Granatapfel einen hohen Anteil von sekundären Pflanzenfarbstoffen auf, insbesondere ein breites Gemisch an Polyphenolen mit antioxidativer Wirkung, darunter Anthocyane, Ellagsäure und Punicalagin.

Erhoffte und tatsächliche Wirkungen des Granatapfels

Dieses antioxidativ wirkende Gemisch an Farb- und Gerbstoffen soll das Risiko für verschiedene Krebsarten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle reduzieren, Prostataprobleme verhindern, Hormone regulieren, die Gehirnfunktion stärken, Gelenke stabilisieren, das Immunsystem positiv beeinflussen, Alzheimer verhindern und die sexuelle Gesundheit von Männern erhalten.  

Zu diesem Zweck werden – zumeist im Internet – Direktsäfte, Extrakte, Pulver, Kapseln angeboten, und auch Kosmetika mit Granatapfelkomponenten sind im Handel.

Bei den deutschen Verbraucherzentralen fällt die Bewertung von Granatapfel-Produkten jedoch nüchterner aus. Auf www.verbraucherzentrale.de schreiben sie aktuell: 

„Eindeutige wissenschaftliche Belege, die für Empfehlungen ausreichen, gibt es (…) nicht. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die wissenschaftliche Studienlage (…) überprüft. Danach haben weder extrahierte Inhaltsstoffe noch der Saft eine positive Wirkung auf Herz-Kreislauf-Gesundheit, Blut-Cholesterin oder Blutzucker.

Aussagen zu glatterer, weicherer Haut und dem Verschwinden von Fältchen konnten nicht belegt werden und sind verboten. Nachweise zu positiven Auswirkungen auf die Potenz und die Beweglichkeit der Spermien sowie für die antioxidative Wirkung liegen ebenfalls nicht vor. (…) Neuere Studien deuten jedoch darauf hin, dass ein erhöhter Blutdruck durch das regelmäßige Trinken von Granatapfelsaft etwas sinken könnte.

Laut Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (dkfz) liegen nicht genügend Daten aus klinischen Studien mit Krebserkrankten vor, um sichere Aussagen zu Granatapfel treffen zu können. In der derzeit gültigen S3-Leitlinie „Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen“ wird für Männer mit Prostatakrebs daher weder eine Empfehlung für noch gegen eine Einnahme von Granatapfelsaft-Extrakt ausgesprochen.“

Wann man auf Granatapfel verzichten sollte

Zwischen Granatapfelsaft und Arzneimitteln kann es – wie bei Grapefruitsaft – zu Wechselwirkungen kommen. So werden zum Beispiel Sildenafil (Viagra) und Blutgerinnungshemmer (Phenprocoumon, Warfarin) durch Enzymhemmung langsamer abgebaut, was zu unerwünschten Wirkungen führen kann.

Diabetes-Patienten sollten sich zudem bewusst sein, dass Granatapfelsaft sehr viel Zucker enthält, und diesen deshalb nur sparsam trinken – zumal die Verbraucherzentralen über hochgradige Verfälschungen von Granatapfelsaft berichten: Zur Streckung bestimmter Säfte werden Trauben, Kirschen und Äpfel eingesetzt; Farbstoffe, Zucker und Säuren korrigieren den Geschmack.  

Verbraucher sollten deshalb die Zutatenliste lesen und darauf achten, wie hoch der Anteil an Granatapfel in einem Produkt tatsächlich ist. Ist dieser nicht verzeichnet, wird die Frucht nur in sehr geringen Mengen als Geschmacksgeber verwendet.

Ebenfalls für Diabetiker wichtig: Nahrungsergänzungsmittel müssen keine Angaben zum Zucker- oder Kaloriengehalt machen. Vor allem in Pulvern können größere Mengen Zucker enthalten sein.

Ist Granatapfel wichtig für die Ernährung?

Aus den Fakten rund um den Granatapfel ergibt sich: Die Frucht ist aus ernährungstechnischer Sicht wertvoll, aber kein Wundermittel. Sie punktet vor allem als Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung.

Aus gesundheitlichen Gründen muss man jedoch weder Granatäpfel noch Granatapfel-Produkte kaufen. Denn sekundäre Pflanzenstoffe mit antioxidativer Wirkung sind auch im heimischen Obst und Gemüse ausreichend vorhanden. Quellen (Autor ak):
- https://www.oekotest.de/essen-trinken/Wie-gesund-ist-der-Granatapfel-wirklich-v2_15813_1.html
- https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/granatapfel-die-gesunde-superfrucht-6080
- https://de.wikipedia.org/wiki/Granatapfel
 

Der Granatapfel auf einen Blick:

  • Granatapfelkerne enthalten – wie auch viele andere Früchte und Gemüse – antioxidativ wirksame Polyphenole.
  • Der Vitamin-C-Gehalt beträgt mit 7 mg pro 100 g Samen nur einen Bruchteil dessen von Orangen oder Zitronen.
  • Granatapfel wird als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Direktsäften, Extrakten, Pulvern und Kapseln angeboten.
  • Die vielfältigen Gesundheitswirkungen, die dem Granatapfel zugeschrieben werden, sind wissenschaftlich nicht bewiesen.
  • Der Gebrauch von Granatapfel-Produkten gilt für gesunde Menschen als unbedenklich, Diabetiker und Patienten, die bestimmte Medikamente nehmen, sollten jedoch vorsichtig sein.
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