Nagelpilz
Nagelpilz ist nicht nur ein optisches Problem – er kann sich ausbreiten und zu Folgeerkrankungen führen. Zudem ist er ansteckend und heilt nicht von selbst. In unserem Themenspezial „Wissen am HV: Nagelpilz“ erfahren Sie alles über die Ursachen, die Behandlung und die Vorbeugung von Nagelpilzerkrankungen.
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Infektionsmagnet: Nagelpilz bei Diabetikern

junge Frau sitzt auf einem Bett und hält linken Fuß in beiden Händen
Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko für Nagel- und Fußpilz. | Bild: Di_Ilikaeva / AdobeStock

Nagelpilz, in der Fachsprache als Onychomykose bezeichnet, ist weit mehr als nur ein kosmetisches Ärgernis. 

Während in der Gesamtbevölkerung etwa jeder Sechste betroffen ist, tragen Diabetiker ein doppelt so hohes Risiko, das mit zunehmendem Alter noch weiter steigt. Die Infektion breitet sich oft auf Haut und Zehen aus: Fast jeder vierte Diabetiker kämpft auch mit Fußpilz

Warum Diabetiker häufiger von Nagelpilz betroffen sind

Bei Diabetes verlaufen Pilzinfektionen deutlich komplexer als bei gesunden Menschen. Meist besiedeln Fadenpilze den Nagel, doch auch Hefen oder Schimmelpilze treten auf. Häufig auftretende Mischinfektionen untereinander erschweren die Behandlung zusätzlich.

Pilze finden bei Diabetikern ideale Bedingungen vor: Zuckerreiche Gewebe bilden den perfekten Nährboden. Gleichzeitig setzt Zucker die körpereigene Abwehr schachmatt:

  • Fehlende Erkennung: Der hohe Zuckerspiegel verzuckert Eiweiße und Fette dauerhaft, was als Advanced Glycation Endproducts (AGEs) bezeichnet wird. Sie „verkleben“ die Rezeptoren der Immunzellen, die Pilzsporen dann nicht mehr als schädlich erkennen.
  • Zellmobilität: Bei Diabetes fehlt den Abwehrzellen der nötige Treibstoff, da sie durch mangelndes Insulin weniger Zucker aufnehmen können. Der Energiemangel und versteifende AGEs machen die Zellen unbeweglicher.

Die langfristige Überzuckerung schädigt Kapillaren (Mikroangiopathie) und drosselt so die Durchblutung am Nagelbett. Dadurch wird das Gewebe schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, was Immunzellen ausbremst und Wunden langsamer heilen lässt.

Geschädigte Gefäße unterversorgen die Nervenfasern, während Zucker-Abbauprodukte die Nervenhülle direkt angreifen. Diese Schäden (Neuropathie) betäuben das Gefühl in den Füßen. Schmerz oder Druck bleibt oft unbemerkt, sodass sich Infektionen ungehindert ausbreiten und Betroffene erst spät ärztliche Hilfe suchen.

Pilze können sich unbehandelt auf das Nagelbett und die Wurzel ausbreiten, was den Nagel dick und brüchig macht. Der Druck auf die verdickten Nägel im Schuh, Blasen oder Hauteinrisse führen zu schlecht heilenden Wunden.

Gut zu wissen: Warnsignale beachten

Dunkel verfärbte, verdickte, brüchige Nägel oder eine abgelöste Nagelplatte signalisieren den Pilzbefall. Rötung, Schwellung, Überwärmung und nässende Stellen deuten auf eine lokale Entzündung hin. Treten Fieber, Frösteln oder geschwollene Lymphknoten auf, kämpft das Immunsystem auf Hochtouren gegen die Infektion.

Diabetes: Warum ein kleiner Pilz den ganzen Fuß bedrohen kann

Verletzungen dienen als Eintrittspforte für Pilze und Bakterien. Schwere Folgen, wie Sekundärinfektionen, führen oft zu Krankenhausaufenthalten und erhöhter Sterblichkeit.

Bei einer Wundrose, einer bakteriellen Infektion der Haut, entsteht eine schmerzhafte, flammende Rötung, die oft mit Fieber und Schüttelfrost einhergeht. Ohne schnelle Behandlung können die Bakterien eine lebensbedrohliche Blutvergiftung auslösen.  

Ein diabetisches Fußgeschwür ist eine schlecht heilende, tiefe Wunde. Die Entzündung erhöht den Sauerstoff- und Nährstoffbedarf des Gewebes. Gleichzeitig quetscht die Entzündungsschwellung jedoch die bereits geschädigten Gefäße. Lange unterversorgtes Gewebe stirbt im Extremfall ab: Schwarze, verhärtete Hautareale sind die Folge.

Die Infektion kann bis in den Knochen vordringen, wodurch auch das Knochengewebe abstirbt. Um die Ausbreitung der Infektion im Körper zu stoppen, ist in einigen Fällen sogar eine Amputation von Zehen oder dem Fuß notwendig.  

Nagelpilz: Therapie bei Diabetikern ist Geduldsprobe

Bei Diabetikern mit Nagelveränderungen gilt: Frühzeitig zum Arzt schicken, statt selbst zu experimentieren. 

Nagelpilz verlangt eine oft monatelange, konsequente Therapie. Bei leichtem Befall dringen wasserlösliche antimykotische Lacke tief in den Nagel ein, ohne dass ein verletzungsanfälliges Anfeilen nötig ist. 

Schwere Infektionen erfordern mitunter eine Tabletteneinnahme. Dabei müssen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sorgfältig geprüft werden.

Rückfall bei Nagelpilz sehr häufig

Nagelpilz ist hartnäckig: Über die Hälfte aller Patienten erleidet einen Rückfall. Die Hygiene, Schulung und Blutzuckereinstellung für Diabetiker ist damit umso wichtiger:  

  • Kontrolle: Regelmäßig Füße und Nägel auf Risse oder Verfärbungen prüfen.
  • Hygiene: Füße täglich kurz und lauwarm waschen, Zehenzwischenräume sorgfältig trocknen. Socken täglich wechseln und Schuhe desinfizieren.  
  • Podologie: Medizinische Fußpflege vermeidet Verletzungen beim Nagelschneiden.
  • Blutzucker: Ein stabiler Spiegel verbessert das Immunsystem und die Heilung.
  • Textilien: Waschen bei 60 °C tötet Erreger ab und verhindert Reinfektionen.

Quellen:

https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5017097/
https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/pdf/10.1055/s-0042-119925.pdf
https://www.mdpi.com/2075-1729/15/8/1285
https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09546634.2025.2572645
https://www.springermedizin.de/terbinafin/onychomykose/vorsicht-nagelpilz-ist-bei-diabetes-auch-ein-fussfresser/16882512
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11043773/
 

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