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Auf zur Gartenarbeit – aber nicht ohne Tetanus-Impfschutz!

Bild: coco - Fotolia.com

Tetanus – eine dramatische Erkrankung

Im Frühjahr vergangenen Jahres kam es in Bayern zu einem tragischen Tetanus-Fall: Eine 82-jährige Frau zog sich bei der Gartenarbeit eine tiefe Schnittwunde zu. Die Wunde wurde in der Krankenhaus-Ambulanz versorgt. Eine Überprüfung des Tetanus-Impfschutzes fand dabei offenbar nicht statt. In den folgenden Tagen entwickelte die Rentnerin eine zunehmende Schmerzsymptomatik mit Gesichtsmuskelverzerrungen, Kiefersperre, Trink- und Schluckstörungen. Nach fünf Tagen suchte sie daher erneut das örtliche Krankenhaus auf. Sie wurde stationär aufgenommen. Verdachtsdiagnose: Tetanus. Man verabreichte der Patientin sowohl eine aktive als auch eine passive Immunisierung. Zusätzlich erhielt sie noch Antibiotika. Dennoch verschlimmerte sich der Zustand der 82-Jährigen – mit Blutvergiftung, Herzrhythmusstörungen, Leber- und Nierenversagen. Knapp vier Wochen nach ihrer Verletzung starb die Frau an den Folgen einer Infektion mit dem bakteriellen Tetanuserreger Clostridium tetani.

Impflücken bei Älteren

Auch wenn solche fatalen Ereignisse selten vorkommen, ist der Einzelfall doch stets dramatisch. Circa zehn bis 15 Personen erkranken in Deutschland jährlich an Tetanus (Wundstarrkrampf). Bis zu 20 Prozent dieser Fälle verlaufen tödlich. Vor allem bei älteren Personen bestehen in Deutschland beträchtliche Impflücken. Bevölkerungsstudien ergaben, dass rund ein Drittel der über 60-Jährigen nicht ausreichend gegen Tetanus geschützt ist. Das heißt sie hatten in den vorangegangenen zehn Jahren keine Tetanus-Impfung erhalten.

Auffrischimpfungen alle zehn Jahre

Tetanus kann effektiv durch die Impfprophylaxe verhindert werden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Grundimmunisierung (bestehend aus vier Impfdosen) in den ersten 14 Lebensmonaten sowie zwei Auffrischimpfungen im Kindes- und Jugendalter. Im Erwachsenenalter sollte alle zehn Jahre eine Auffrischimpfung erfolgen. (Nach Möglichkeit wird dabei ein Kombinationsimpfstoff mit zusätzlicher Diphtherie- und eventuell Pertussis- und Polio-Komponente verwendet.) Für den Fall einer Verletzung besteht zudem die Möglichkeit einer postexpositionellen Immunprophylaxe. Hierbei können gleichzeitig eine Impfung sowie zusätzlich eine passive Immunisierung mit Tetanus-Immunglobulin erfolgen.

Erreger lauert überall

Mit Clostridium tetani kann man fast überall in Kontakt kommen. Insbesondere kommen diese Bakterien im Erdreich vor. Sie sind resistent gegen Hitze und Desinfektionsmittel. Voraussetzung für eine Infektion ist eine Verletzung der Haut. Dafür können aber schon Bagatellverletzungen ausreichen, beispielsweise wenn man sich die Haut mit einem Holzsplitter leicht verletzt. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel drei Tage bis drei Wochen.

Gefährliches Toxin

Auslöser für die Tetanus-Symptomatik ist das von Clostridium tetani produzierte Nervengift Tetanospasmin. Es bindet an Neuronen und wandert entlang der Nervenbahnen mit einer Geschwindigkeit von etwa 5 mm pro Stunde bis zum Zentralnervensystem. Dort blockiert das Toxin die hemmenden Einflüsse auf motorische Nerven, so dass diese nun überreagieren. Dies verursacht die qualvollen Muskelkrämpfe. Quellen: Robert Koch-Institut; Deutsches Grünes Kreuz