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HPV-Impfung reduziert Krebssterblichkeit drastisch

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt allen Kindern und Jugendlichen im Alter von neun bis 14 Jahren eine Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) – und zwar für Mädchen und Jungen. Aber auch über 18-Jährige können laut STIKO noch von einer HPV-Impfung profitieren.
Denn die meisten sexuell aktiven Menschen infizieren sich irgendwann mit HPV. Diese Viren können Haut- und Schleimhautzellen infizieren. In den meisten Fällen heilt eine solche Infektion zwar folgenlos von selbst aus, in einigen Fällen bleibt sie jedoch bestehen, woraus Jahre später Krebs entstehen kann.
Ein Forscherteam um Peter Sasieni von der Queen Mary University of London untersuchte nun, wie sich das Sterberisiko durch eine breit angelegte HPV-Impfung verändert.
In Bezug auf die Neuerkrankungen an Zervixkarzinomen seien bereits in mehreren Ländern deutliche Rückgänge beobachtet worden, aber es gebe bislang nur wenige Daten zu den Auswirkungen auf die Sterblichkeit.
Deshalb werteten die Forscher nationale Daten zur Zervixkarzinom-Sterblichkeit zwischen 2001 und 2024 bei Frauen im Alter von 20 bis 24, 25 bis 29 und 30 bis 34 Jahren aus.
Der Beobachtungszeitraum eignet sich gut für eine solche Untersuchung, da England 2008 ein nationales HPV-Impfprogramm für Mädchen im Alter von 12 bis 13 Jahren eingeführt und die Impfquote vor der COVID-19-Pandemie Werte von 80 bis 90 Prozent erreicht hatten.
Parallel war zwischen 2008 und 2010 eine Nachholkampagne für 14- bis 18-Jährige durchgeführt worden.
Krebssterblichkeit dank HPV-Impfung deutlich reduziert
Die Studie zeigte, dass eine hohe HPV-Impfquote mit einem deutlichen Rückgang der Sterblichkeit am Zervixkarzinom assoziiert ist.
Besonders ausgeprägt war der Effekt bei Frauen, die als 12- bis 13-Jährige im Rahmen des regulären HPV-Impfprogramms immunisiert worden waren: Zwischen 2020 und 2024 lag die Impfquote in der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen bei etwa 88 bis 90 Prozent.
In diesen fünf Jahren wurde kein einziger Todesfall durch Zervixkarzinome registriert. Zum Vergleich: Auf Grundlage der Sterberaten vor Einführung der HPV-Impfung wären in dieser Altersgruppe rechnerisch rund 23 Todesfälle zu erwarten gewesen.
Auch bei Frauen, die im Rahmen der Nachholkampagne bis zum Alter von 18 Jahren geimpft worden waren, zeigte sich ein deutlicher Rückgang: Bei den 20- bis 24-Jährigen sank die Zervixkarzinom-Sterblichkeit um 80 Prozent im Zeitraum von 2015 bis 2019 und bei den 25- bis 29-Jährigen um 69 Prozent in den Jahren von 2020 bis 2024.
Bis Ende 2024 hat die HPV-Impfung nach Berechnungen der Autorengruppe in England rund 200 Todesfälle an Gebärmutterhalskrebs verhindert.
HPV-Impfung: Risiko für Krebstod sinkt um bis zu 100 Prozent
Die Studienautoren haben die Verminderung des relativen Sterberisikos anhand eines statistischen Modells für die verschiedenen Altersgruppen geschätzt und diese Ergebnisse erhalten:
- Das Risiko sinkt um 100 Prozent in den Altersgruppen von 20 bis 24 und von 25 bis 29 Jahren.
- In der Altersgruppe der 30- bis 34-Jährigen verringert sich das Risiko um 63 Prozent.
Die geringere Schutzwirkung der Impfung in der ältesten untersuchten Gruppe führen die Wissenschaftler darauf zurück, dass viele dieser Frauen erst im Alter von 15 bis 18 Jahren geimpft wurden und daher möglicherweise bereits Kontakt mit den relevanten HPV-Typen hatten.
Screening-Programme zu HPV an Studiendaten anpassen
„Unsere Ergebnisse liefern erstmals robuste nationale Evidenz – wenn auch auf Grundlage einer Beobachtungsstudie –, dass eine hohe HPV-Impfquote mit einer erheblichen Verringerung der Sterblichkeit am Zervixkarzinom verbunden ist“, fassen die Forscher ihre Beobachtungen zusammen.
Dabei markieren die bis Ende 2024 geschätzten knapp 200 verhinderten Todesfälle nach ihrer Einschätzung wahrscheinlich erst den Anfang. Denn die geimpften Jahrgänge hätten das Alter mit dem höchsten Risiko für ein tödliches Zervixkarzinom noch nicht erreicht.
Mit zunehmendem Alter dieser Frauen könne daher auch die Zahl der durch die HPV-Impfung verhinderten Todesfälle weiter steigen. Die Früherkennung bleibe jedoch weiterhin notwendig, vor allem im Hinblick auf ungeimpfte, unvollständig geimpfte und erst in höherem Alter geimpfte Frauen.
Langfristig könnten die Daten zur reduzierten Sterblichkeit jedoch dazu beitragen, Screening-Programme stärker am individuellen Risiko auszurichten. Beispielsweise würden bei Frauen, die früh geimpft wurden, möglicherweise längere Screening-Intervalle oder weniger Untersuchungen im Laufe des Lebens ausreichen. Quellen:
https://www.tagesschau.de/wissen/gesundheit/hp-viren-impfungen-sterberisiko-100.html
https://www.aerzteblatt.de/news/hohe-hpv-impfquote-ist-mit-deutlichem-ruckgang-der-sterblichkeit-assoziiert-9904c0e7-269f-48c3-af96-18eb9e8d0a5a
Studie: https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(26)00918-9/fulltext
Gut zu wissen: HPV-Impfquote in Deutschland zu niedrig
Das HP-Virus befällt Haut und Schleimhäute, kann also auch bei Oral- und Analsex übertragen werden. Frauen sind nach Vaginalsex die Hauptleidtragenden, was die Zahl der Krebserkrankungen betrifft, doch auch Männer erkranken, zum Beispiel an Feigwarzen, Anal-, Mund- und Peniskarzinomen.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die HPV-Impfung allen Personen im Alter von 9 bis 14 Jahren, idealerweise vor den ersten sexuellen Kontakten. Die Impfung ist gut verträglich, wird von den Krankenkassen bezahlt und schützt effektiv vor den gefährlichsten HPV-Varianten.
Dennoch sind in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts nur 55 Prozent der 15-jährigen Mädchen und 36 Prozent der gleichaltrigen Jungen vollständig geimpft. Für eine Herdenimmunität seien jedoch etwa 80 Prozent nötig.