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Clusterkopfschmerz: Was hinter der Erkrankung steckt

Männer sind häufiger von Clusterkopfschmerzen betroffen als Frauen. | Bild: Graphicroyalty / Adobe Stock

Wie ein glühendes Messer, das ins Auge gestochen wird. So beschreiben Betroffene die Schmerzen während einer Clusterkopfschmerz-Attacke. Eine solche Attacke tritt einseitig auf, häufig mehrmals am Tag und dauert unbehandelt zwischen 15 Minuten und drei Stunden. Auf der betroffenen Seite kommt es häufig begleitend zu Augenrötung, Tränenfluss, hängendem Augenlid und einseitigem Laufen der Nase. 

Clusterkopfschmerzen treten typischerweise in Episoden auf

Clusterkopfschmerzen erscheinen meist gehäuft – sozusagen in Clustern – während episodischer Phasen. Der Name der Erkrankung – Cluster steht im Englischen für Ballung – gibt auch einen Hinweis darauf, dass die Schmerzen in Episoden auftreten, mit symptomfreien Zeiten zwischendurch. 

Eine solche Episode dauert in der Regel vier bis zwölf Wochen. Während dieser Zeit können täglich bis zu acht Attacken auftreten – häufig in der Nacht circa ein bis zwei Stunden nach dem Einschlafen. Danach schließt sich eine meist einige Monate anhaltende symptomfreie Phase an.

Bei vielen Patienten treten Clusterkopfschmerzen gehäuft im Frühjahr und Herbst auf.

Schmerzintensität bei Clusterkopfschmerzen extrem hoch

Bei Kopfschmerzerkrankungen wird zwischen primären und sekundären Formen unterschieden. Bei sekundären Kopfschmerzen ist der Schmerz die Folge einer anderen Erkrankung, etwa einer Hirnblutung. Bei primären Kopfschmerzerkrankungen hingegen ist der Kopfschmerz selbst die Erkrankung. Dazu zählen unter anderem Spannungskopfschmerzen, Migräne und Clusterkopfschmerzen.

Clusterkopfschmerzen sind zwar selten, können Betroffene aber besonders stark belasten. „Die Schmerzintensität ist extrem“, erläutert die Neurologin und Schmerztherapeutin Gudrun Goßrau. Untersuchungen zufolge werden die Schmerzen teilweise als stärker beschrieben als die Schmerzen bei einer Geburt oder einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung. 

Während etwa zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung von Migräne betroffen sind, liegt die Prävalenz von Clusterkopfschmerzen deutlich niedriger – bei etwa 0,1 bis 0,2 Prozent.

Männer sind häufiger von Clusterkopfschmerzen betroffen 

Clusterkopfschmerzen sind eine relativ seltene Kopfschmerzform. Sie werden den sogenannten trigemino-autonomen Kopfschmerzen zugerechnet. Man geht davon aus, dass etwa einer von 1.000 Menschen daran leidet. 

Von Clusterkopfschmerz sind Männer dreimal häufiger betroffen als Frauen, vor allem im Alter zwischen 30 und 50 Jahren. Bei Migräne ist es genau umgekehrt. Manche Menschen leiden sogar unter beidem. Bei kleinen Kindern tritt die Erkrankung so gut wie nie auf, bei Jugendlichen sehr selten.

Ursachen für Clusterkopfschmerz bislang nicht geklärt

Die genauen Ursachen des Clusterkopfschmerzes sind bislang nicht vollständig geklärt. Eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Schmerzattacken spielt jedoch der Hypothalamus. Die Struktur im Zwischenhirn ist an der Regulation zahlreicher Körperfunktionen beteiligt und steht mit verschiedenen Hirnregionen in Verbindung. 

Auch bestimmte Neurotransmitter sind an der Entstehung der Attacken beteiligt, ähnlich wie bei der Migräne.

Darüber hinaus können bestimmte Faktoren die Schmerzattacken auslösen. Zu den möglichen Triggern zählen insbesondere 

  • Alkohol,
  • Nikotin,
  • Stress,
  • Aufenthalte in großer Höhe,
  • Blendlicht, Flackerlicht sowie
  • nitroglyzerinhaltige Medikamente.

Betroffene können davon profitieren, individuelle Auslöser zu erkennen und möglichst zu vermeiden.

Gut zu wissen: Schmerztagebuch führen

Ein Kopfschmerztagebuch kann dabei helfen, Symptome und mögliche Auslöser besser einzuordnen und den Verlauf der Attacken zu dokumentieren. Notiert werden können unter anderem Zeitpunkt, Dauer und Stärke der Schmerzen sowie mögliche Trigger. Die Aufzeichnungen können zudem eine wertvolle Grundlage für das Gespräch mit dem Arzt sein.

Therapie bei Clusterkopfschmerzen

Clusterkopfschmerzen gelten bislang als nicht heilbar. Mit einer geeigneten Therapie lassen sich die Schmerzattacken jedoch gezielt behandeln. Für die Akuttherapie stehen unter anderem Triptane zur Verfügung. Besonders schnell wirkt Sumatriptan bei subkutaner Anwendung: Die Injektion kann eine Clusterkopfschmerzattacke innerhalb kurzer Zeit lindern.

Analgetika wie Ibuprofen oder Paracetamol, die häufig bei anderen Kopfschmerzarten zum Einsatz kommen, sind häufig nicht effektiv.

Eine weitere Option ist die Therapie mit hochdosiertem Sauerstoff, die bei vielen Menschen mit Clusterkopfschmerzen wirksam und zugleich nebenwirkungsarm ist. Dabei wird zu Beginn einer Attacke medizinischer Sauerstoff aus einer Druckflasche über eine Atemmaske inhaliert. Empfohlen wird eine Sauerstoffflussrate von acht bis zwölf Litern pro Minute. Bei vielen Betroffenen lassen die Schmerzen innerhalb von etwa 15 Minuten deutlich nach oder verschwinden vollständig.

Eine Behandlungsalternative beim chronischen Clusterkopfschmerz ist die Elektrostimulation (Okzipitalnerven-Stimulation). 

Clusterkopfschmerzen: Hilfe und Unterstützung für Betroffene

Clusterkopfschmerzen können den Alltag und die Lebensqualität Betroffener erheblich beeinträchtigen. Die wiederkehrenden, sehr starken Schmerzattacken können die Arbeitsfähigkeit einschränken und Betroffene auch psychisch belasten. Häufig leiden darunter zudem soziale Kontakte und die Teilhabe am täglichen Leben.

Unterstützung können Selbsthilfegruppen, psychotherapeutische Angebote und Beratungsstellen bieten. Anlaufstellen sind beispielsweise der Bundesverband der Clusterkopfschmerz-Selbsthilfe-Gruppen (CSG) e. V. und die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Quellen:
- dpa
- DocCheck
 

Clusterkopfschmerzen in Kürze

  • Heftigste, Minuten bis Stunden dauernde Kopf- und Gesichtsschmerzattacken; treten in Anhäufungen (sogenannten Clustern) bis zu achtmal täglich auf.
  • Attacken einseitig; Schmerz am intensivsten in der Augenregion
  • Schmerzsymptomatik häufig begleitet von Augenrötung, Tränenfluss, hängendem Augenlid, Nasenlaufen
  • Episodische Phasen meist gefolgt von mehrmonatigen symptomfreien Phasen.
  • Überwiegend Männer betroffen
  • Akuttherapie mit Triptanen und Sauerstoff