Aktuelles
4 min merken gemerkt Artikel drucken

Forsa-Umfrage der AOK Baden-Württemberg : Gut jeder Dritte hat chronische Schmerzen

Chronische Schmerzen sollten nicht ignoriert, sondern gemeinsam mit einem Schmerzspezialisten in Angriff genommen werden. So können Einschränkungen im Alltag und Berufsleben vermindert werden. | Bild: Yakobchuk Olena / AdobeStock

Im Auftrag der AOK Baden-Württemberg führte die Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen (Forsa) im Zeitraum vom 28. Juni bis 5. Juli 2021 im Südwesten Deutschlands eine Befragung unter 1.510 Personen durch. Das Ergebnis: In Baden-Württemberg hat gut jeder Dritte chronische Schmerzen. Nahezu jeder zweite Befragte, der an chronischen Schmerzen leidet, fühlt sich dadurch nicht nur im Arbeitsalltag stark beeinträchtigt: „Chronische Schmerzen behindern oft auch Freizeitaktivitäten wie Freunde zu treffen oder Hobbys nachzugehen. Menschen mit chronischen Schmerzen fühlen sich von ihren Schmerzen zeitweise überwältigt und ziehen sich zurück“, so Dr. Gudula Kirtschig, Ärztin bei der AOK Baden-Württemberg. Laut Forsa sagen 63 Prozent derjenigen, die selbst unter chronischen Schmerzen leiden, dass sie negative Auswirkungen auf die Freizeitgestaltung spüren. 57 Prozent nehmen negative Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden wahr, 53 Prozent auf den Schlaf und 51 Prozent auf die generelle Gesundheit.

Was versteht man unter chronischem Schmerz?

Als chronische Schmerzen werden Schmerzen bezeichnet, die seit mindestens drei bis sechs Monaten bestehen und fast immer vorhanden sind oder häufig wiederkehren. Der Schmerz ist dabei das vorherrschende Leitsymptom und beeinträchtigt den Patienten in mehrerlei Hinsicht: Beweglichkeitsverlust und damit verbundene Funktionseinschränkung sowie eine negative Veränderung der Stimmung und des Denkens sorgen für körperliche, kognitive und soziale Einschränkung.

Im Unterschied zu akuten Schmerzen sind chronische Schmerzen kein sinnvolles Alarmsignal mehr, das auf eine Verletzung oder Erkrankung des Körpers hindeutet. Stattdessen stellt das chronische Schmerzsyndrom eine eigenständige Schmerzkrankheit dar, die meist keine klar erkennbare Ursache mehr hat. Chronische Schmerzen werden oft von weiteren Beschwerden begleitet, zum Beispiel von Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, gesteigerter Reizbarkeit und depressiven Verstimmungen.

Aktiv gegen chronische Schmerzen

Chronische Schmerzen sind schwer therapierbar. Nur in seltenen Fällen verschwinden sie wieder vollständig. Umso wichtiger ist es für Betroffene, geeignete Maßnahmen zu kennen, um den Schmerz möglichst gering zu halten und ein gutes Leben mit den Schmerzen zu ermöglichen. Dazu sagt Dr. Kirtschig: „Bei chronischen Schmerzen empfiehlt es sich, körperlich aktiv zu bleiben und sich regelmäßig zu bewegen. Durch Bewegung werden körpereigene Stoffe freigesetzt, die eine schmerzlindernde Wirkung haben. Außerdem regt Bewegung die Durchblutung und den Stoffwechsel an und sorgt dafür, dass Knochen und Knorpel ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden.“ Auch eine ausgewogene Mischkost kann dazu beitragen, den Schmerz positiv zu beeinflussen. So gaben 38 Prozent der Befragten an, sich möglichst gesund zu ernähren.

Viele Krankenkassen bieten selbst spezielle Gesundheitskurse an oder übernehmen die Kosten für entsprechende Veranstaltungen von Sportvereinen oder weiteren Anbietern. Interessierte Versicherte können sich bei ihrer Krankenkasse nach den jeweiligen Möglichkeiten erkundigen.

Ein Indianer kennt keinen Schmerz?

Die Angst vor möglichen Nebenwirkungen bringt viele Patienten dazu, verordnete Schmerzmittel nicht oder in zu niedriger Dosierung einzunehmen. Bei starken Schmerzen ist Zähnezusammenbeissen jedoch kontraproduktiv. Neben der Ausbildung eines chronischen Schmerzsyndroms besteht auch die Gefahr von Folgebeschwerden aufgrund von schmerzbedingten Schonhaltungen.

Kein Fall für die Selbstmedikation

Länger anhaltende Schmerzen sind kein Fall für die Selbstmedikation. Kunden, die im Beratungsgespräch von starken oder anhaltenden Schmerzen berichten, sollten ermutigt werden, einen auf Schmerztherapie spezialisierten Arzt aufzusuchen. Dieser kann mit ihnen ein geeignetes Therapieschema erstellen und dabei gegebenenfalls begleitende Maßnahmen wie zum Beispiel Physiotherapie oder psychologische Begleitung mit einbeziehen.