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Gefährliche Schadstoffe in Spielzeug

Vater und Kleinkind packen vorm Weihnachtsbaum Geschenke aus
Altes wie neues Spielzeug kann mit Schadstoffen belastet sein. | Bild: Krakenimages.com / AdobeStock

Die Wunschlisten von Kindern sind mitunter sehr lang und gerne würden Eltern diese erfüllen. Um den Geldbeutel zu schonen, werden Rabatte genutzt und auch auf gebrauchte Produkte zurückgegriffen. 

Allerdings empfehlen Experten nun mit Blick auf das Weihnachtsfest, auf hochwertige, geprüfte Produkte zu achten. 

Bei Ware aus zweiter Hand sollte bedacht werden, dass diese noch aus einer Zeit stammen kann, in der für bestimmte Chemikalien noch andere Grenzwerte galten.

Billigartikel häufig mit Schadstoffen belastet

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) warnt, dass Babys und Kleinkinder gerne Sachen in den Mund nehmen. Dadurch könnten sie jedoch gefährliche Schadstoffe aufnehmen. „Viele beliebte Produkte – von Plastikspielzeug über Kuscheltiere bis zu elektronischen Geräten – können Stoffe enthalten, die das Hormonsystem beeinflussen“, erklärt die DGE. 

Das Angebot an Billigartikeln, die ohne strenge Kontrollen in den Handel gelangten, steige. „Europäische und internationale Recherchen zeigen, dass Produkte immer wieder wegen zu hoher Schadstoffgehalte zurückgerufen werden.“

Spielzeug: Warnung vor hormonaktiven Substanzen

Insbesondere hormonaktive Substanzen wie Phthalate, Bisphenole, bromierte Flammschutzmittel, PFAS, Schwermetalle und Pestizid-Rückstände können Wachstum, Stoffwechsel, Entwicklung und Fruchtbarkeit beeinflussen, warnt die DGE. 

Mögliche Quellen gebe es im Kinderalltag viele: Spielzeug aus Kunststoff, Babyartikel, Schaumstoffwaren wie Spielmatten oder Sitzwürfel, elektronisches Spielzeug, Kleidung, Decken und andere textile Produkte zum Beispiel. Vor allem preiswerte Produkte aus dem Internet fallen wiederholt durch hohe Schadstoffgehalte auf.

Bei weichen Kunststoffen ist Vorsicht geboten

Aber auch bei älteren Spielsachen wurden Phthalate gefunden. Die Verbraucherzentrale NRW rät daher bei älteren Spielsachen aus weichem Kunststoff von einem Gebrauchtkauf ab: „(...) aus einem einfachen Grund: Das Verbot bestimmter hormonell schädigender Phthalate in Spielzeug trat in der EU erst 2005 in Kraft.“

Weil Eltern immer wieder in der Verbraucherzentrale nachgefragt hatten, ob sie ihre alten Puppen weitergeben könnten, wurde bei den Herstellern nachgefragt. Diese hätten bestätigt, „dass sie damals die heute verbotenen Weichmacher eingesetzt hatten, weil es eben noch erlaubt und das Wissen über deren Risiko noch nicht so weit war“. 

Gelbe und rote Legosteine mit Cadmium belastet

Aber auch ältere Spielwaren aus hartem Kunststoff können problematisch sein: Eine Studie aus Großbritannien von 2018 zeigte, dass vor allem gelbe und rote Bausteine von Lego, die zwischen 1960 und 1981 hergestellt wurden, einen Cadmiumanteil enthielten, der die heute gültigen Grenzwerte weit überschreitet. 

Als „völlig unbedenklich“ schätzt Kerstin Effers von der Verbraucherzentrale NRW dagegen gebrauchtes Spielzeug aus unbehandeltem Massivholz ein. „Sofern es mechanisch noch intakt ist und sich keine Kleinteile lösen, kann es verschenkt werden.“ Die Angst vor Krankheitserregern sei hier unbegründet, da man solches Spielzeug reinigen und solche aus Stoff waschen könne.

Spielzeug mit allen Sinnen überprüfen

Kerstin Effers gibt einen Tipp zum Spielzeugkauf: Sowohl neues als auch Second-Hand-Spielzeug mit allen Sinnen prüfen. Das bedeutet, dass die Ware auf scharfe Kanten oder Teile, die sich lösen und verschluckt werden könnten, hin abgetastet werden sollte. 

Zudem sollte man auch auf auffällige oder unangenehme Gerüche achten. „Daneben gibt es Mängel, die nicht unbedingt ein Sicherheitsrisiko darstellen, die aber zeigen, dass keine Qualitätskontrolle stattgefunden hat“, erklärt die Chemikerin. „Wenn die Bedruckung schief ist und die Nähte krumm sind, also offensichtliche Fehler durchgehen, wird bestimmt keine Sorgfalt in das Chemikalien-Management gesteckt worden sein.“

Welche Siegel geben Sicherheit beim Spielzeugkauf?

Es gibt im Spielzeugbereich leider nur wenige Siegel, die eine echte Entscheidungshilfe bieten. Eines ist das GS-Zeichen für „Geprüfte Sicherheit“: Es garantiert unter Angabe der Prüfinstitution und Prüfnummer, dass die gesetzlichen Anforderungen in Bezug auf Sicherheit und Schadstoffe eingehalten werden. Bei Spielwaren aus Stoff könnten Textillabel wie das GOTS („Global Organic Textile Standard“) Orientierung bieten, meint Kerstin Effers.

Wenig hilfreich in Bezug auf die Sicherheit eines Spielzeugs sei hingegen das CE-Zeichen: „Das ist nur eine Selbsterklärung des Herstellers, die europäischen Gesetze einzuhalten, was dieser aber nicht durch unabhängige Drittprüfungen nachweisen muss.“ 

Bei allen Zeichen sollte immer auf das Datum der Zertifizierung geachtet werden: Denn bestimmte Phthalat-Weichmacher wurden zum Beispiel erst 2005 in der EU in Spielzeug beschränkt. 

Im Mai 2021 wurden die Grenzwerte für die Freisetzung von Aluminium und Formaldehyd verschärft und im Dezember 2022 wurden strengere Grenzwerte für die Freisetzung des krebserzeugenden Farbbausteins Anilin eingeführt. 

Alternative Geschenkidee: Erlebnisse und Erinnerungen

Am Ende bleibe es ein Dilemma, so Effers: „Einerseits empfehlen wir, Dinge lange zu nutzen, um Ressourcen zu sparen und nicht so viel Müll zu produzieren. Andererseits kann das gerade bei Spielwaren heikel sein.“

Sie empfiehlt daher, Kindern lieber besondere Ereignisse zu schenken, wie zum Beispiel einen Bastelnachmittag oder einen Besuch auf dem Ponyhof. „Meistens haben die Kinder ohnehin schon genug Spielzeug, sodass viele Eltern vermutlich dankbar sind, wenn die Verwandten die Geschenkeberge unter dem Weihnachtsbaum nicht noch größer werden lassen“, sagt sie. „Zumal solche Erlebnisse den Kindern noch viel länger in Erinnerung bleiben als die zigste Spielfigur.“ Quelle: dpa / mg