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West-Nil-Virus: Deutlicher Anstieg der Fälle in Italien

Der Nil mit Schiffen in Ägypten
Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen sind typische Symptome des West-Nil-Virus. | Bild: Mohamed / AdobeStock

Immer mehr Krankheitserreger, die eigentlich in den Tropen oder Subtropen beheimatet sind, etablieren sich auch in unseren Gefilden. Einer von ihnen ist das West-Nil-Virus. Es stammt aus Afrika, ist aber längst in verschiedenen Regionen der Welt heimisch geworden. Beim Menschen kann es das West-Nil-Fieber verursachen.

In erster Linie befällt das West-Nil-Virus Vögel. Zwischen ihnen wird es durch Stechmücken übertragen. Mücken, die sich an Vögeln infiziert haben, können das Virus aber auch auf Säugetiere und ebenso auf den Menschen übertragen – am häufigsten zwischen Juli und September.

Kürzlich meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einem Anstieg der Fälle von West-Nil-Fieber in Südeuropa, vor allem in Griechenland. Nun schnellen die Zahlen in Italien in die Höhe.

Steigende Infektionsfälle mit dem West-Nil-Virus

Für das laufende Jahr erfasste die europäische Gesundheitsbehörde (ECDC) in Italien bis Mitte Juli 46 Erkrankungen. Die WHO hatte jüngst in dem Land von 21 bestätigten Fällen berichtet. Die ECDC nennt nun höhere Zahlen, auch für andere Länder.

Demnach wurden der Behörde für Europa 81 Erkrankungen gemeldet, bei denen sich die Menschen lokal infiziert hatten – sich also nicht auf Reisen angesteckt hatten. Neben den 46 Fällen in Italien gab es 21 Fälle in Griechenland, 5 in Nordmazedonien, weitere 5 in Rumänien, 3 in Spanien und 1 in Frankreich.

Im Sommer steigt die Zahl der Erkrankungen an West-Nil-Fieber erfahrungsgemäß deutlich an. In Italien sind insgesamt 20 Regionen betroffen, auch die Großstädte Mailand und Rom mit Umgebung.

Die meisten Menschen bemerken die Ansteckung dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge nicht. Forscher gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. In Deutschland wurden im laufenden Jahr nach RKI-Angaben zwei Fälle registriert. Beide Infektionen wurden dem Institut zufolge jedoch von Auslandsreisen mit nach Hause gebracht.

Seit 2019 müssen WNV-Infektionen laut Infektionsschutzgesetz gemeldet werden. 

West-Nil-Fieber: Grippeähnliche Erkrankung

Nur etwa 20 Prozent der Infizierten entwickeln – nach einer 2- bis 14-tägigen Inkubationszeit – erkennbare Krankheitssymptome. Meist handelt es sich dabei um eine abrupt beginnende grippeähnliche Symptomatik (West-Nil-Fieber). Sie umfasst Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Rückenschmerzen, Abgeschlagenheit, Lymphknotenschwellungen und eventuell Hautausschlag.

In der Regel heilt die Erkrankung nach einigen Tagen komplikationslos aus. Circa jeder 100. Patient erkrankt jedoch schwer an einer neuroinvasiven Form des West-Nil-Fiebers. Typisch hierfür sind Hirnhaut- und Gehirnentzündung. 

Sie können mit mentalen Veränderungen, Muskelschwäche und Lähmungen verbunden sein und Spätfolgen wie dauerhafte Schwäche, Gedächtnisverlust oder Verwirrtheit nach sich ziehen. Insbesondere ältere oder vorerkrankte und immungeschwächte Personen können an einer neuroinvasiven West-Nil-Erkrankung auch sterben.

Das West-Nil-Fieber lässt sich nur symptomatisch behandeln. Eine spezifische Therapie existiert nicht. Auch gibt es bisher keinen Impfstoff.

West-Nil-Virus: Infektionsschutz durch Mückenschutz

Als Hauptüberträger des West-Nil-Virus fungiert bei uns die überall verbreitete Gemeine Stechmücke (Culex pipiens). Der beste Schutz vor einer Infektion ist daher eine effektive Mückenabwehr

Insbesondere Risikopersonen sollten also Repellents verwenden, lange Hosen und langärmelige Kleidung tragen und eventuell Insektengitter an den Fenstern anbringen. Mögliche Mückenbrutplätze im Wohnumfeld wie wassergefüllte Eimer oder Pflanzschalen gilt es zu beseitigen.

Weitere Ausbreitung des West-Nil-Virus zu befürchten

Experten rechnen damit, dass sich das West-Nil-Virus in Deutschland weiter ausbreitet und mehr Infektionsfälle auftreten. Wärmere und längere Sommer könnten die Übertragungssaison verlängern. 

Infektionssaison ist bei uns vor allem der Spätsommer und bei anhaltend warmem Wetter auch der Frühherbst. In Südeuropa beobachtet man Übertragungen häufig bis in den November. Quellen:
- Robert Koch-Institut (RKI)
- European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC)
- Südtirol News
 

West-Nil-Virus in Kürze

  • Tropenvirus, ursprünglich aus Afrika stammend; in Süd- und Südosteuropa seit Längerem etabliert; seit einigen Jahren Nachweise auch in Deutschland
  • Wird von Steckmücken hauptsächlich zwischen Vögeln übertragen; kann bei Stich aber auch Säugetiere einschließlich Menschen infizieren.
  • Circa 80 Prozent der Infektionen symptomlos; in 20 Prozent grippeartiges Krankheitsbild, heilt meist folgenlos aus; in seltenen Fällen gefährliche neuroinvasive Verlaufsform mit möglicherweise bleibenden Schäden oder Tod.
  • Keine spezifische Behandlungsmöglichkeit, kein Impfschutz verfügbar
  • Prävention durch adäquaten Mückenschutz