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Vor allem junge Erwachsene fühlen sich einsam

Sie haben nicht immer jemanden, um etwa über Ärger im Beruf oder anderweitigen Stress zu sprechen. Sie fühlen sich oft im Stich gelassen, allgemein leer, vermissen eine richtig gute Freundin oder einen Freund: Etwa jeder fünfte junge Erwachsene in Deutschland fühlt sich sehr einsam.
Dies gab das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) in Wiesbaden bekannt. Die Daten stammen aus dem familiendemografischen Panel Freda aus dem Winter 2024/25.
Gut zu wissen: Einsam oder allein?
Ob man sich einsam oder allein fühlt, hängt sehr davon ab, wie die gegenwärtige Situation subjektiv wahrgenommen wird. Nur wer wenige Freunde oder generell wenig soziale Kontakte hat, muss sich nicht einsam fühlen. Manche Menschen genießen es auch, allein zu sein. Umgekehrt kennen viele das Gefühl von Einsamkeit in Gegenwart anderer Menschen.
Entscheidender ist vermutlich die Qualität der sozialen Beziehungen. Wenn diese nicht den persönlichen Wünschen oder Bedürfnissen entsprechen, kann Einsamkeit entstehen.
Ein Drittel aller Erwachsener zwischen 21 und 54 Jahren fühlt sich einsam
Auch mehrere Jahre nach der Corona-Pandemie hat sich der Anteil der stark einsamen Menschen unter den 21- bis 30-Jährigen mit rund 21 Prozent kaum verringert. Unter den 31- bis 54-Jährigen liege dieser Wert mit 14 Prozent deutlich niedriger.
Insgesamt berichtet rund ein Drittel (34 Prozent) aller befragten Erwachsenen im Alter von 21 bis 54 Jahren, sich zumindest teilweise einsam zu fühlen. Davon sind 16 Prozent stark und 18 Prozent moderat betroffen.
Frauen gaben in allen Befragungen seit dem Jahr 2022 etwas häufiger an, sich einsam zu fühlen als Männer. Zum jüngsten Zeitpunkt im Winter 2024/25 berichteten 36 Prozent der Frauen und 32 Prozent der Männer von Einsamkeit.
Nur wenige sprechen über ihre Einsamkeit
Aber nicht jeder, der sich manchmal einsam fühle, müsse das auch als Warnzeichen für eine Depression werten. Wenn Einsamkeit phasenweise auftrete, gehöre es zum Menschsein dazu.
Doch dies scheint in der Gesellschaft noch nicht gänzlich angekommen zu sein, denn noch immer wird Einsamkeit häufig tabuisiert – vor allem bei Älteren. Am ehesten sprechen noch die unter 40-Jährigen mit anderen darüber.
Mögliche Gründe für das Schweigen könnten etwa sein, nicht das Bedürfnis zu haben, mit jemandem darüber zu sprechen, niemanden mit der Einsamkeit belasten zu wollen oder auch der Annahme zu sein, dass ein Austausch nicht helfen kann.
Einsamkeit bleibt auch nach Pandemie bestehen
„Das Einsamkeitsempfinden hat sich seit der Corona-Pandemie kaum zurückgebildet“, erklärte BiB-Expertin Sabine Diabaté. „Damit bestätigt sich, dass Einsamkeit unter jungen Erwachsenen kein kurzfristiges Phänomen während und nach der Pandemiezeit ist, sondern besonders für die Generation Z zu einer anhaltenden psychosozialen Belastung zu werden scheint.“ Zur Generation Z werden die etwa zwischen 1995 und 2010 Geborenen gezählt.
Mögliche Gründe für Einsamkeit bei jungen Erwachsenen
Als Gründe für die höhere Betroffenheit jüngerer Erwachsener nennt das BiB unter anderem, dass sich viele Menschen generell in einer Phase der Orientierung und des Übergangs befänden, was die Anfälligkeit für Einsamkeit erhöhen könne.
Prekäre Lebensverhältnisse und soziale Unsicherheit erhöhten ebenfalls das Risiko für Einsamkeit. Insbesondere junge Erwachsene erlebten durch multiple Krisen unsichere Zukunftsperspektiven.
Wenig offizielle Angebote gegen Einsamkeit
Einsamkeit in ihren verschiedenen Formen und mögliche Gegenmaßnahmen seien in Deutschland relativ wenig erforscht. Einsamkeit wird auch nicht von allen Menschen als Problem empfunden.
Genaue Kriterien, ab wann ein Mensch chronisch einsam ist, fehlten bisher – genau wie Angebote, die explizit gegen Einsamkeit helfen sollen. Andere Länder, wie etwa Großbritannien, seien da schon weiter. Quelle: dpa / mia