Aktuelles
5 min merken gemerkt Artikel drucken

Depression in der Schwanger­schaft: Auswirkung aufs Baby?

schwangere Frau sitzt auf der Bettkante und fasst sich an den Kopf
Nicht selten leiden schwangere Frauen vor der Geburt unter Ängsten, Sorgen, Traurigkeit oder auch Schlafstörungen. | Bild: NDABCREATIVITY / AdobeStock

Von Freude über Sorgen bis hin zu Erschöpfung – während einer Schwangerschaft sind Stimmungshochs und -tiefs bei den werdenden Müttern ganz normal. Nehmen Ängste, Sorgen und depressive Verstimmungen in der Schwangerschaft jedoch überhand und die positiven Gefühle bleiben aus, spricht man von einer Schwangerschaftsdepression. Etwa jede fünfte schwangere Frau entwickelt vor der Entbindung Symptome einer Depression oder Angststörung.

Etwas öfter treten Sorgen und Ängste bei Frauen insbesondere nach der Entbindung auf. Dann entwickeln sie häufig den sogenannten „Babyblues“ oder leiden unter einer länger andauernden Wochenbettdepression.

Gut zu wissen: Babyblues vs. Wochenbettdepression

Laut der Deutschen Depressionshilfe erleben etwas 50–80 % aller Mütter in den ersten Tagen nach der Geburt eine kurze Phase, in der sie tieftraurig, gereizt oder gar ängstlich sind und ohne erkennbaren Grund weinen. Dieser sogenannte „Babyblues“ hält in der Regel nur kurz an und die Symptome verschwinden nach wenigen Tagen von allein. In dieser Situation hilft betroffenen Müttern vor allem viel Verständnis, Zuwendung und Unterstützung durch Partner, Familie oder medizinische Fachkräfte.

Halten die Symptome jedoch über einen längeren Zeitraum – bis zu einem Jahr nach der Entbindung – an oder sind wiederkehrend, spricht man von einer postpartalen Depression (Wochenbettdepression). Vor allem starke Erschöpfungszustände, Schuldgefühle und Versagensängste sind häufige Symptome. 

Im Unterschied zum Babyblues spricht man bei einer postpartalen Depression von einer schwereren und behandlungsbedürftigen depressiven Erkrankung. Leider wird die Erkrankung immer noch zu selten erkannt und entsprechend therapiert. Viele betroffene Frauen schweigen aus Scham und trauen sich nicht, über ihre Gefühle zu sprechen.

Wie äußert sich eine Schwangerschaftsdepression?

Depressive Symptome während einer Schwangerschaft können sich bei betroffenen Frauen in leichten Stimmungsschwankungen oder gar schwerwiegenderen depressiven Störungen widerspiegeln. Typische Symptome sind beispielsweise

  • Ängste,  
  • Sorgen,  
  • Zweifel,
  • anhaltendes Gefühl von Traurigkeit oder Niedergeschlagenheit,
  • Schlafstörungen,
  • Konzentrationsschwierigkeiten,
  • Antriebslosigkeit (keine Lust auf Aktivitäten/Hobbys/soziale Kontakte) oder auch
  • Appetitlosigkeit.

Diese Beschwerden können bei betroffenen Schwangeren zu einem hohen Leidensdruck führen. Halten die Symptome über einen längeren Zeitraum an oder sind wiederkehrend, sollten sich Betroffene Unterstützung einholen.

Gut zu wissen: Unterschied zwischen depressiver Verstimmung und Depression

Eine depressive Verstimmung lässt sich von einer Depression aufgrund der Schwere unterscheiden. Depressionen werden in leichte, mittlere und schwere Formen unterteilt. Bei einer leichten Form der Depression spricht man auch von einer depressiven Verstimmung. In der Regel hält eine depressive Verstimmung über einen kürzeren Zeitraum an. Bestehen die Symptome jedoch über eine geraume Zeit, kann sich aus einer depressiven Verstimmung auch eine länger andauernde und schwerere Form der Depression entwickeln.

Auslöser für eine Schwangerschaftsdepression

Es gibt keinen genauen Grund, warum manche Frauen an einer Schwangerschaftsdepression leiden – die Faktoren dafür können vielfältig sein. Bestand bereits vor der Schwangerschaft eine Depression oder Angststörung, kann dies ein Grund für die Depression in der Schwangerschaft sein.  

Auch fehlende Unterstützung in der Partnerschaft oder seitens der Familie sowie belastende Ereignisse in der Vergangenheit (z. B. eine Fehlgeburt) können ausschlaggebend für eine Schwangerschaftsdepression sein. Daneben können auch hormonelle Veränderungen und Stress dazu beitragen.

Wirkt sich eine Schwangerschaftsdepression aufs Baby aus?

Eine Schwangerschaftsdepression ist nicht nur für die werdende Mutter belastend. Der psychische Stress während der Schwangerschaft kann sich auch auf den Fötus auswirken. So ist das Risiko für eine Frühgeburt erhöht. Außerdem kommen Neugeborene häufiger mit einem niedrigeren Geburtsgewicht auf die Welt und die Hirnentwicklung des Babys kann beeinträchtigt sein.

Zur Erinnerung: Ab wann spricht man von Frühchen?

Eine Schwangerschaft dauert in der Regel 38 bis 42 Wochen. Säuglinge, die vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen, werden als Frühgeborene bzw. Frühchen bezeichnet. Der Großteil von ihnen wiegt bei der Geburt weniger als 2.500 Gramm.  

Frühchen können nur bedingt selbstständig atmen, trinken bzw. ihre Körpertemperatur regulieren. Daher müssen sie nach der Geburt häufig auf einer Frühgeborenenstation in einem Inkubator (Brutkasten) intensivmedizinisch versorgt werden.

Was tun gegen depressive Verstimmung in der Schwangerschaft?

Zur Behandlung einer Schwangerschaftsdepression kann vor allem ein unterstützendes Umfeld (Partner, Familie, Freunde) sehr wertvoll sein. Außerdem können sich Gespräche z. B. mit Frauen, die dieselben Gefühle erleben oder erlebt haben, positiv auf den Verlauf der Schwangerschaftsdepression auswirken. Auch kann der Austausch mit Gleichgesinnten auf Online-Plattformen oder in einer Schwangerschaftsgruppe förderlich sein.  

Des Weiteren können Achtsamkeitsübungen, Meditation, ausreichend Schlaf sowie eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu einem besseren Wohlbefinden beitragen. Regelmäßige Bewegung in der Schwangerschaft, beispielsweise Yoga oder Spaziergänge an der frischen Luft, wirken ebenso einer Depression in der Schwangerschaft entgegen.

Es gibt auch verschiedene Anlaufstellen für betroffene Frauen, bei denen sie Unterstützung und Hilfe bekommen: z. B. bei der behandelnden Hebamme, der gynäkologischen Praxis oder einem anderen Geburtshelfer. Zudem werden Schwangerschaftsberatungen angeboten, beispielsweise von der Caritas oder dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Je nach Schweregrad der Depression kann auch eine Psychotherapie ratsam sein. Quellen:
- https://www.debeka.de/ueberuns/verbrauchermeldungen/2023/sorgenvolle-schwangerschaft--depressive-verstimmung-sollte-kein-tabuthema-sein.html
- https://www.deine-gesundheitswelt.de/schwangerschaft-geburt/schwangerschaftsdepression
- https://www.frauenaerzte-im-netz.de/aktuelles/meldung/vernachlaessigte-schwangere-werden-haeufiger-depressiv-und-aengstlich/
- https://hellobetter.de/blog/depression-in-der-schwangerschaft/
- https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/depression-in-verschiedenen-facetten/in-der-schwangerschaft-und-nach-der-geburt