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Nikotinbeutel: Trend mit gesundheitlichen Risiken

Teenager schiebt sich Nikotinbeutel unter die Oberlippe
Sollten Nikotinbeutel reguliert werden? | Bild: Andrey Popov / AdobeStock

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor einem wachsenden Trend, der vor allem auf junge Leute zielt: Nikotinbeutel, die meist zwischen Oberlippe und Zahnfleisch gesteckt werden. Das Produkt mache süchtig und habe schwere gesundheitliche Folgen, mahnt sie und prangert die Marketingpraktiken der Industrie an.  

Anbieter wollten eine neue Generation von Konsumenten in die Abhängigkeit treiben, schreibt die Organisation. Weil der Zigarettenverkauf zurückgehe, weiteten multinationale Tabakkonzerne ihre Produktpalette aus, etwa auf E-Zigaretten oder Nikotinbeutel.

Nikotinbeutel: Anbieter werben mit Gefühl von Vergnügen und Zufriedenheit

Anbieter werben mit einem „Nikotin-Rausch“, der Gefühle von Vergnügen und Zufriedenheit auslösen soll. In Wirklichkeit ist Nikotin ein Nervengift aus der Tabakpflanze. Es kann inzwischen auch synthetisch hergestellt werden. Es gelangt beim Rauchen über die Lunge ins Gehirn, bei den Nikotinbeuteln über die Schleimhaut im Mund.  

Laut Deutscher Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) steigert Nikotin das Risiko für Schlaganfall und koronare Herzerkrankungen, kann die Tumorbildung fördern und steht im Verdacht, die Gefahr von Diabetes zu erhöhen.  

Nikotinbeutel nicht verkehrsfähig, aber leicht erhältlich

Die Konzerne wollten mit Werbung auf sozialen Medien und über Influencer junge Leute ködern, so die WHO. Das zeigten die Geschmacksrichtungen: Auf dem Markt sind Beutel etwa mit Gummibärchen- oder Lakritzgeschmack. 

In Deutschland ist der Verkauf von Nikotinbeuteln verboten. Sie werden aber über den Schwarzmarkt vertrieben und sind im Internet bestellbar. Die Nikotinbeutel würden als cooles Lifestyle-Produkt vermarktet oder als etwas, mit dem man heimlich, in der Schule oder vor den Eltern versteckt, Regeln brechen könne.

Nikotinbeutel steigert Gefahr von Überdosierungen

Bei starken Varianten gelangt durch die Beutel mehr Nikotin ins zentrale Nervensystem als beim Rauchen einer Zigarette – mit einer nur leicht langsameren Anflutungsgeschwindigkeit. 

Das Suchtpotenzial könnte daher vergleichbar sein. Berichte über akute Nikotinüberdosierungen per Beutel werden häufiger.

Forderung nach strengeren Regulierungen bei Nikotinbeuteln

Die WHO weist Behauptungen zurück, Nikotinbeutel könnten helfen, mit dem Rauchen aufzuhören. Häufig passiere das Gegenteil: Raucher konsumierten zusätzlich Nikotin, weil sie die Beutel dort nutzten, wo Rauchen verboten ist, ansonsten aber weiterrauchten.

Sie appelliert an die Regierungen, Nikotinbeutel stärker zu regulieren. Um den Konsum einzudämmen, brauche es eine Reihe von Maßnahmen. Dazu gehörten etwa Verbote oder strenge Beschränkungen für Aromen, Werbeverbote und Gesundheitswarnungen auf Verpackungen. Zudem sollten Kinder und Jugendliche besser über die Risiken aufgeklärt werden. Quellen:
- dpa
- Tagesschau