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E-Zigaretten: Gefahr für Herz und Gefäße bleibt bestehen

junge Frau steht am Fenster und raucht E-Zigarette
Experten warnen: E-Zigaretten schaden Herz-Kreislauf-System. | Bild: Miljan Živković / AdobeStock

Kürzlich veröffentlichte eine internationale Gruppe von Kardiologen im „European Heart Journal“ eine Abhandlung über die Gefährlichkeit nicht tabakhaltiger Darreichungsformen von Nikotin.

Der Grundgedanke: Durch den Verzicht auf die Tabakverbrennung würden zwar gewisse Gesundheitsrisiken eliminiert, aber die schädliche Wirkung von Nikotin auf Herz und Gefäße bleibe bestehen, genauso wie der Suchtfaktor.  

„Nikotin ist ein starkes Herz-Kreislauf-Toxin, das unabhängig vom Verabreichungssystem Schäden am Herzen und an den Blutgefäßen verursacht“, betonen die Autoren.

Nikotin schädigt das Herz-Kreislauf-System

Pharmakologisch ist Nikotin ein starkes Sympathomimetikum, das die Freisetzung von Katecholaminen wie Noradrenalin und Adrenalin stimuliert. In der Folge beschleunigt sich der Herzschlag, während sich gleichzeitig die Blutgefäße verengen, was zum Anstieg des Blutdrucks und des Sauerstoffbedarfs im Herzmuskel führt.

Laut Positionspapier fördert der Konsum von Nikotin somit Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und den Umbau des Herzens.  

Hinzu käme eine Schädigung der Gefäßwände, die den Blutfluss behindert: Die endotheliale Dysfunktion, eine Vorstufe der Arteriosklerose, lasse sich direkt nach dem Nikotinkonsum nachweisen – und zwar laut einer Studie auch, wenn das Nikotin als Nasenspray statt in Zigarettenform verabreicht wurde.  

Andere Studien hätten gezeigt, dass Nikotin – egal ob aus Tabak- oder E-Zigaretten – die Gefäßsteifigkeit der Aorta erhöht. Auf Dauer steige die Belastung des Herzens: Bei Nagern seien bereits Umbildungen und Vernarbungen des Herzens nachgewiesen worden.

Außerdem habe Nikotin eine starke prothrombotische Wirkung, was im Fall eines koronaren Ereignisses die Bildung eines tödlichen Thrombus begünstige.

Für die Autoren des Positionspapiers gibt es aus kardiologischer Sicht kein nikotinhaltiges Produkt, das sicher für das Herz oder die Blutgefäße wäre. 

Suchtfaktor und Gefahren durch Passivrauchen

Die Mediziner weisen außerdem darauf hin, dass Nikotin auch in E-Zigaretten süchtig mache, diese Form des Rauchens also kein Mittel zur Gefahrenminderung oder Suchprävention sei.  

Viele Jugendliche würden über die E-Zigaretten an das Tabakrauchen herangeführt. Schon heute sei der duale Konsum die Norm und nicht die Ausnahme.

Außerdem bestünden auch hier Gefahren durch Passivrauchen: Bei Personen, die sich in der Nähe von Vapern aufhielten, sei bereits ein nikotinbedingter verringerter Arteriendurchfluss (endotheliale Dysfunktion) nachgewiesen worden.  

Forscher fordern mehr Verbote in Bezug auf E-Zigaretten

Auf Basis dieser Argumente fordern die Autoren des Positionspapiers verschiedene Maßnahmen:

  • Verbot von Aromen für E-Zigaretten
  • Verbot von Werbung in sozialen Medien und durch Influencer  
  • Ausdehnung der Nichtrauchergesetzgebung auf alle Nikotinprodukte, zum Beispiel Schockbilder und -aussagen auf Verpackungen von E-Zigaretten und Liquids
  • strenge Kontrollen für den Online-Verkauf  

Quellen:
https://www.aerzteblatt.de/news/kardiologen-auch-e-zigaretten-schadigen-herz-und-gefasse-58299bc5-b2b9-4a13-aacc-e109d4c89475
https://academic.oup.com/eurheartj/advance-article/doi/10.1093/eurheartj/ehaf1010/8377624?login=false#google_vignette
https://www.nhs.uk/better-health/quit-smoking/ready-to-quit-smoking/vaping-to-quit-smoking/
 

Kritik von Suchtforschern am Positionspapier

Britische Suchtexperten sehen das Positionspapier äußerst kritisch, da es mögliche Vorteile von E-Zigaretten außer Acht lasse oder marginalisiere.  

So ist der Psychologe Peter Hajek von der Queen Mary University of London überzeugt, dass Nikotin „ohne alles andere, was das Verbrennen von Tabak mit sich bringt“, auch für Herz und Blutgefäße nur einen kleinen Bruchteil der Risiken darstelle.

Außerdem sei das Tabakrauchen mit vielen anderen Gesundheitsproblemen wie Krebserkrankungen verbunden, die sich durch E-Zigaretten vermeiden ließen.

Die Psychologin Jasmine Khouja von der Universität Bath warf den Autoren vor, durch ihre „gefährlichen Aussagen“ Menschen zu ermutigen, weiter zu rauchen, statt auf weniger schädliche Produkte wie Nikotinpflaster oder E-Zigaretten umzusteigen.  

Beide Suchtexperten sehen in Vapes eine Möglichkeit, Raucher zum Tabakstopp zu motivieren. Der britische National Health Service hat hierzu sogar die Kampagne „Vaping to quit smoking“ gestartet.