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Pregabalin vs. Gabapentin: Pregabalin fördert Risiko für Herzinsuffizienz

EKG, darauf liegt ein Braunglasgefäß mit weißen tabletten, die herauskullern
Vor allem bei älteren Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren kann die Einnahme von Pregabalin das Risiko für eine Herzinsuffizienz erhöhen. | Bild: sudok1 / AdobeStock

Sowohl Pregabalin als auch Gabapentin binden an α2δ-Untereinheiten von neuronalen spannungsgesteuerten Calciumkanälen und verringern infolgedessen die Freisetzung von erregenden Neurotransmittern. Vermutlich trägt das zu ihrer schmerzreduzierenden und antikonvulsiven Wirkung bei. 

Beide Substanzen werden allerdings mit möglichen kardiovaskulären Nebenwirkungen wie peripheren Ödemen und Herzinsuffizienz assoziiert. Zusammenhängen könnte das damit, dass die Wirkstoffe auch an Calciumkanälen in Arterien und ventrikulären Kardiomyozyten (Herzmuskelzellen) binden. Pregabalin weist dabei eine höhere Bindungsaffinität auf. Deshalb könnte das Risiko für eine Herzinsuffizienz verglichen mit einer Gabapentin-Anwendung höher sein.

Studie: Pregabalin und Gabapentin im Vergleich

In einer retrospektiven KohortenstudieJAMA Network: "Initiation of Pregabalin vs Gabapentin and Development of Heart Failure", Stand: 08/2025  aus den USA gingen Wissenschaftler dem nun nach. Für ihre Analyse verwendeten sie Daten von über 246.000 Medicare-Versicherten ohne Herzinsuffizienz in der Vorgeschichte (Zeitraum von 2015 bis 2018). Sie fokussierten sich auf eine Population mit Probanden im Alter von 65 bis 89 Jahren, die aufgrund ihres Alters ein vergleichsweise hohes Risiko für eine Herzinsuffizienz haben. 

Die Forschenden simulierten anhand der Daten eine hypothetische randomisierte klinische Studie. In dieser bekamen 18.622 Probanden erstmalig Pregabalin und 227.615 Gabapentin gegen chronische Schmerzen verordnet. Um mögliche Störfaktoren auszuschließen, führten sie eine Gewichtung anhand von 231 Kovariaten (zusätzliche Variable) durch.

Erhöhtes Risiko für Herzinsuffizienz unter Pregabalin-Einnahme

Die simulierte Nachbeobachtung erfolgte über einen Zeitraum von 114.113 Personenjahren. In diesen wurden 1.470 Patienten wegen Herzinsuffizienz in ein Krankenhaus eingeliefert oder in der Notaufnahme aufgenommen. 

Für Pregabalin-Anwendende lag die Herzinsuffizienz-Rate dabei bei 18,2 pro 1.000 Personenjahren, für Gabapentin-Anwendende hingegen nur bei 12,5 (adjustierte Hazard Ratio [aHR] = 1,48, 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] = 1,19 bis 1,77).

In weiteren Analysen werteten die Forschenden das Risiko für bestimmte Untergruppen aus, unter anderem für Patienten mit einer kardiovaskulären Vorerkrankung. Auch in dieser Untergruppe war das Risiko für eine Herzinsuffizienz unter Pregabalin (41,1 pro 1.000 Personenjahre) im Vergleich zu Gabapentin (23,3 pro 1.000 Personenjahre) erhöht (aHR = 1,85, 95 %-KI = 1,38 bis 2,47).

Die Autoren schlussfolgern aus ihren Ergebnissen, dass vor allem bei älteren Patienten kardiovaskuläre Risikofaktoren vor einer Pregabalin-Verordnung erfasst werden sollten und die Behandelten über Nutzen und Risiken der Therapie gut aufzuklären sind. Quellen:
- Park EE et al. Initiation of Pregabalin vs Gabapentin and Development of Heart Failure. JAMA Network Open 2025, doi:10.1001/jamanetworkopen.2025.24451
- Morgenson DA. Gabapentin Differs From Pregabalin in Several Key Ways. Pharmacy Times, www.pharmacytimes.com/view/how-gabapentin-differs-from-pregabalin