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Was ist eigentlich Botulismus?

Der Giftstoff Botulinumtoxin entsteht als Stoffwechselprodukt des Bakteriums Clostridium botulinum, das der belgische Mediziner und Bakteriologe Emile von Ermengem 1896 in Schinkenresten nachgewiesen hat.
Eine Vergiftung mit Botulinumtoxin kann neben Fleisch und Wurst auch durch verdorbenen Fisch und unsachgemäß konserviertes Gemüse hervorgerufen werden.
Wie wird Botulismus ausgelöst?
Das in der Natur weit verbreitete, extrem widerstandsfähige Bakterium Clostridium botulinum und seine Sporen können im Boden lange überdauern. Beim Austreiben, das wie bei allen Clostridien unter Luftabschluss geschieht, setzen die Sporen Botulinumtoxine – es gibt die Typen A bis G – frei, die verschieden giftig sind.
Für den Menschen sind die Typen A, B, E und F toxisch und für Rinder, die zweite erkrankungsgefährdete Spezies, die Typen C und D sowie seltener der Typ B, der bevorzugt in fehlgegorenen Silagen vorkommt.
Clostridium botulinum vermehrt sich rasch in Tierkadavern und selten auch in ungenügend erhitzten Konserven mit eiweißhaltigem Gemüse wie Hülsenfrüchten. In der Lebensmittelherstellung verhindern Pökeln und (sachgemäße) Hitzesterilisation das Wachstum des Bakteriums.
Gut zu wissen: Wurst als Namensgeber
Botulismus kommt vom Lateinischen „botulus“ für „Wurst“ und bezeichnet damit eine der Hauptursachen für eine Vergiftung mit Botulinumtoxin. Dementsprechend wird der Botulismus auch Wurst- oder Fleischvergiftung genannt.
Wie äußert sich Botulismus?
Wer sich durch den Verzehr verdorbener Lebensmittel mit Clostridium botulinum vergiftet, zeigt in der Regel nach 12 bis 36 Stunden, gelegentlich auch erst nach einigen Tagen, Symptome, die auf die Blockade der Signalübertragung zwischen Nerven und Muskeln zurückgehen:
- Frühe, unspezifische Symptome sind: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Schwindel.
- Durch eine für diese Vergiftung typische Lähmung der Augenmuskeln sieht der Patient verschwommen oder doppelt, die Pupillen sind geweitet und die Augen fallen ungewollt zu.
- Oft kommt es zu Mundtrockenheit und Durst, Sprech- und Schluckstörungen.
- In schweren Fällen breitet sich die Lähmung auf die Muskulatur der inneren Organe aus, bis hin zur Herz- und Atemmuskulatur, was zum Tod durch Ersticken oder Herzstillstand führen kann.
- Als weitere Symptome können Schwäche der Rumpfmuskulatur, niedriger Puls und Blutdruck, Verstopfung und Harnverhalt sowie stark verminderte Schweißproduktion auftreten.
Da viele dieser Symptome scheinbar keinen Zusammenhang aufweisen und Botulismus selten ist, fällt die Diagnose oft schwer.
Gut zu wissen: Andere Formen des Botulismus
Im Gegensatz zum Lebensmittelbotulismus, also der Vergiftung mit Botulinumtoxin, handelt es sich beim seltenen viszeralen Botulismus oder Säuglingsbotulismus um eine typische Infektion, die meist während des ersten Lebensjahres auftritt.
Dabei werden Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum über die Nahrung aufgenommen und keimen im Dünndarm, weil sie aufgrund fehlender Magensäure nicht unschädlich gemacht wurden. Die Symptome sind dieselben wie bei einer Botulinumtoxin-Vergiftung.
Da die Sporen vor allem in Honig nachgewiesen wurden, ist dieser für Babys während des ersten Lebensjahres tabu.
Beim Wundbotulismus dringen die Sporen des Bakteriums über die verletzte Haut in den Körper ein und keimen dort.
Wie wird Botulismus behandelt?
Beim Verdacht auf Botulismus ist eine sofortige intensivmedizinische Überwachung mit Stützung der Vitalfunktionen und maschineller Beatmung angezeigt.
Wie bei anderen Vergiftungen versuchen Ärzte, das noch nicht resorbierte Gift aus dem Verdauungstrakt zu entfernen, die Symptome zu lindern und Gegengifte gegen die frei im Blut zirkulierenden Toxine zu verabreichen.
Die Einführung eines Gegengiftes reduzierte die Sterblichkeit bei Botulismus von über 90 Prozent auf 10 bis 15 Prozent. Die Lähmungserscheinungen der Muskulatur verschwinden jedoch oft erst nach Monaten.
Die Krankheit ist relativ selten: 2021 wurden in Deutschland sechs Fälle gemeldet, 2022 nur einer, 2023 gab es 37 Infektionen und 2024 neun. Im Juni 2024 kam es zu einem Ausbruch von Botulismus in Russland mit 139 Fällen.
Wie kann man Lebensmittelbotulismus vorbeugen?
Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt grundsätzlich, bei selbst eingekochtem Gemüse oder Fleisch nach ein bis zwei Tagen Lagerung bei Zimmertemperatur eine erneute Erhitzung auf 100 Grad Kerntemperatur.
So sollen mittlerweile aus Sporen ausgekeimte Bakterien und die von ihnen gebildeten Toxine unschädlich gemacht werden. Vorbeugend können Lebensmittel auch durch Säuern, Salzen, Pökeln oder Sterilisieren bei mindestens 121 Grad sowie durch Lagern bei Temperaturen bis maximal fünf Grad vor der Entstehung des Gifts geschützt werden.
Botulismus ist meldepflichtig. Dadurch können möglicherweise fehlerhaft hergestellte und kontaminierte Lebensmittel rechtzeitig aus dem Verkehr gezogen werden. Quelle: - https://flexikon.doccheck.com/de/Botulismus
- https://de.wikipedia.org/wiki/Botulismus
Botulismus in Kürze
- Botulismus ist eine lebensbedrohliche Vergiftung durch Botulinumtoxin, das unter anderem in verdorbenen Lebensmitteln als Stoffwechselprodukt des Bakteriums Clostridium botulinum entsteht.
- Konserven sind besonders anfällig für die Entstehung von Botulinumtoxin, weil die Sporen von Clostridium botulinum unter Luftabschluss keimen.
- Botulismus kommt vom Lateinischen „botulus“ für „Wurst“.
- Es treten zahlreiche Symptome von Übelkeit und Durchfall über Lähmung der Augenmuskulatur bis hin zu Atemnot und Herzstillstand auf.
- Therapiert wird mit intensivmedizinischer Überwachung, Gabe von Gegengift und Linderung der Symptome, zum Beispiel durch maschinelle Beatmung bei Atemlähmung.
- Im Gegensatz zum Lebensmittelbotulismus handelt es sich beim Säuglings- und beim Wundbotulismus nicht um Vergiftungen, sondern um Infektionen.
- Einem Lebensmittelbotulismus kann man durch ausreichendes Erhitzen von selbst eingekochten Lebensmitteln sowie durch Säuern, Salzen, Pökeln und Sterilisieren vorbeugen. Säuglingsbotulismus wird durch Verzicht auf Honig während des ersten Lebensjahrs unwahrscheinlich.