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Social-Media-Trend: Softdrinks mit Ballaststoffen – Wie gesund sind sie wirklich?

Gesundheits-Drinks liegen aktuell voll im Trend. Wenig Zucker und Kalorien, pflanzenbasiert und jetzt auch ballaststoffreich: Softdrinks wie pop'it, OeLemonade oder More Fizi Limo werden als „high-fibre“, also reich an Ballaststoffen, angepriesen und gliedern sich damit in die funktionellen Lebensmittel ein.
Generell ist der Gedanke gut, die Ballaststoffaufnahme durch den gezielten Zusatz in Softdrinks zu steigern, denn Ballaststoffe haben viele gesundheitsfördernde Eigenschaften.
Sie dienen als Futter für die guten Darmbakterien, regen die Verdauung an und können sogar regulierend auf Blutzucker und Cholesterin wirken. Dies hängt allerdings von der aufgenommenen täglichen Menge und der Art der Ballaststoffe ab.
Welche Ballaststoffe werden Softdrinks zugesetzt?
In den „High-Fibre“-Softdrinks werden vermehrt lösliche Ballaststoffe verarbeitet, da diese Konsistenz, Farbe und Geschmack weniger stark beeinflussen. In der OeLemonade und in Super Pop ist Tapiokadextrin enthalten, ein Stoff, der aus der tropischen Maniok-Wurzel gewonnen wird.
In den Limonaden von Poppy aus den USA ist neben Bestandteilen aus der Maniok-Wurzel auch Inulin aus der Agave enthalten. Pepsi Prebiotic Cola, einer präbiotischen Cola, sind Maisfasern zugesetzt. In pop'it wiederum ist ein Ballaststoff aus der Zichorienwurzel zu finden.
Zur Erinnerung: Was sind Ballaststoffe?
Ballaststoffe kommen natürlicherweise in vielen pflanzlichen Lebensmitteln vor. Die einzelnen Inhaltsstoffe, welche als Bakterienfutter dienen, werden als Präbiotika bezeichnet.
Ein Apfel beispielsweise enthält verschiedene präbiotische Stoffe, insbesondere Pektin und Cellulose, welche die Frucht in ihrer Gesamtheit ballaststoffreich machen.
Man unterteilt sie weiterhin in lösliche (z. B. Dextrin, Pektin, Inulin, Oligofructose) und unlösliche Ballaststoffe (z. B. Cellulosen, resistente Stärke, Lignin).
Softdrinks: Enthaltene Ballaststoffmenge überschaubar
Die präbiotischen Softdrinks werden häufig damit angepriesen, eine gewisse „Ballaststofflücke“ in der Ernährung zu schließen.
Durchschnittlich enthält eine Limonaden-Dose (ca. 330 ml) 3 bis 7 g zugesetzte Ballaststoffe. Das entspricht in etwa einer Handvoll Mandeln, einer Birne bzw. Karotte oder zwei bis drei Esslöffeln Haferflocken. In der More Fizi Limo sind 10 g Ballaststoffe pro Dose enthalten, außerdem setzt der Hersteller auf vier verschiedene Arten: Maisfasern, Tapioka, Guarbohne und Akazienfasern.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt jedoch täglich mindestens 30 g Ballaststoffe aus Vollkorngetreide, Obst oder Gemüse aufzunehmen. Natürliche Ballaststoffquellen enthalten auch Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe und Mineralien, sodass sie für den Körper einen größeren Mehrwert haben als ein hochverarbeiteter Softdrink.
Ballaststoffreiche Softdrinks: Gelegentlicher Konsum in Ordnung
Da die tägliche Ernährung aus einer vollwertigen Mischkost bestehen sollte, sind ballaststoffreiche Softdrinks nur als gelegentliche Ergänzung zu betrachten. Sie sollten nicht als Haupt-Ballaststoffquelle angesehen werden.
Außerdem enthalten Softdrinks meist weitere Zusätze wie Aromen, Zucker und/oder Zuckeraustauschstoffe oder Konservierungsmittel, weshalb sie als hochverarbeitetes Fertigprodukt einzustufen sind. Das Label „ballaststoffreich“ sorgt für ein positives Image des Getränks und ist häufig Teil eines Marketingplans.
Personen, die nur wenige Ballaststoffe im Alltag verzehren, sollten ballaststoffreiche Softdrinks nur in kleinen Mengen trinken, um Verdauungsbeschwerden wie Krämpfe, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung zu vermeiden. Ist der Körper an eine gewisse Menge gewöhnt, bleiben diese Symptome in der Regel aus.
Gut zu wissen: Sind Säfte besser als ballaststoffreiche Softdrinks?
Unverarbeitetes Obst und Gemüse ist gesund und ballaststoffreich. Da liegt die Vermutung nahe, dass auch Säfte den verarbeiteten präbiotischen Softdrinks überlegen sind. Das stimmt allerdings nicht immer.
Während ein Apfel als ganze Frucht ca. 5 g Ballaststoffe als Pektin, Cellulose und Hemicellulose sowie sekundäre Pflanzenstoffe und 15 g Zucker enthält, liegt der Ballaststoffgehalt von 330 ml naturtrübem Apfelsaft bei weniger als 1 g bei durchschnittlich 35 g Zucker. Er ist anhand des Ballaststoffgehalts den neuartigen Limonaden unterlegen und sollte nur in Maßen konsumiert werden.
Statt Softdrinks besser verschiedene Ballaststoffe konsumieren
Man sollte immer eine ausgewogene Menge an Ballaststoffen konsumieren und verschiedene Arten davon mischen. Der Körper kann diese besser verstoffwechseln und profitiert insbesondere von einem breiten Angebot. „High-Fibre“-Softdrinks, die nicht nur einen, sondern verschiedene Ballaststoffe enthalten, können in diesem Bereich punkten.
Ein gelegentlicher Konsum ist unproblematisch, jedoch sollte bei einer ballaststoffreichen Ernährung grundsätzlich eine abwechslungsreiche und vollwertige Kost bevorzugt werden, die den Hauptanteil der täglichen Nahrungsaufnahme ausmacht. Quellen:
https://www.bzfe.de/presse/pressemeldungen-archiv/funktionelle-limonaden
https://www.swr.de/leben/verbraucher/ard-marktcheck/pepsi-mit-ballaststoffen-100.html
https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2025/10/15/praebiotische-softdrinks-marketing-oder-gut-fuers-mikrobiom