Aktuelles

In der Apotheke werden PTA mit den unterschiedlichsten Themen konfrontiert. Lesen Sie hier die tagesaktuellen News aus den Bereichen Pharmazie, Forschung, Ernährung, Gesundheit und vielem mehr. Bleiben Sie informiert, um Ihre Kunden stets kompetent zu beraten.

4 min merken gemerkt Artikel drucken

Brustkrebs: Neue S3-Leitlinie Mammakarzinom

junge Krebspatienten sitzt auf Krankenhausliege, MFA zeigt ihr etwas auf einem Tablet
Die Leitlinie zu Brustkrebs wurde aktualisiert und um neue Erkenntnisse ergänzt. | Bild: Halfpoint / AdobeStock

Im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie hat eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. med. Achim Wöckel und um Prof. Dr. med. Ute-Susann Albert von der Frauenklinik am Uniklinikum Würzburg die „S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms“ aktualisiert.

Die Federführung der neuen Leitlinie übernahmen die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) sowie die Deutsche Gesellschaft für Senologie (DGS). Weitere Fachgesellschaften, Berufsverbände sowie Patientenorganisationen beteiligten sich an der Arbeit.  

In das 633 Seiten lange Papier flossen nicht nur aktuelle klinische und wissenschaftliche Entwicklungen ein, sondern es wurden auch wichtige Grundfragen neu formuliert und ergänzt. Der neue, modulare Aufbau soll für jede Phase der Erkrankung wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlungen bereitstellen.

Zur Erinnerung: Was ist eine Leitlinie?

Medizinische Leitlinien sind systematisch entwickelte Aussagen zur Unterstützung der Entscheidungsfindung von Ärzten, anderen im Gesundheitssystem tätigen Personen und Patienten. Das Ziel ist eine angemessene gesundheitsbezogene Versorgung in spezifischen klinischen Situationen.

Leitlinien werden in vier Qualitätsstufen bezüglich ihrer Entwicklungsmethodik eingeteilt:

  • S1: Die Leitlinie wurde von einer Expertengruppe im informellen Konsens erarbeitet.
  • S2k: Eine formale Konsensfindung hat stattgefunden.
  • S2e: Eine systematische Evidenz-Recherche hat stattgefunden.
  • S3: Die Leitlinie hat alle Elemente einer systematischen Entwicklung durchlaufen (verschiedene Analysen, Bewertung klinischer Studien und regelmäßige Überprüfung).

Wichtigste Änderungen in der neuen Leitlinie Mammakarzinom

Die neue „S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms“ beinhaltet unter anderem die folgenden Änderungen:

Neue Entwicklungen und Zielgruppen: Es gibt nun beispielsweise Module zur Behandlung von Brustkrebs bei Transgenderpersonen, zu den verschiedenen Arten der modernen Brustrekonstruktion wie flache Brustwandrekonstruktion (ohne Brustaufbau), implantatbasierte oder autologe (aus eigenem Gewebe) Rekonstruktion und zu seltenen Tumorformen wie dem metaplastischen Mammakarzinom oder dem Phylloidestumor.

Diagnose: Neben anderen wurden vor allem die Empfehlungen für die Gewebeuntersuchung aktualisiert. Hier sollen nun neun Parameter bestimmt werden, darunter Tumortyp gemäß aktueller WHO-Klassifikation, maximaler Tumordurchmesser, Östrogen- und Progesteronrezeptor-Status und peritumorale Gefäßinvasion (nach operativer Entfernung).

Medikamentenempfehlungen: Verschiedene Abschnitte der Leitlinie geben nun erstmals Empfehlungen zu zielgerichteten Medikamenten. So sind beispielsweise bei einem DCIS (duktales Carcinoma in situ, ein nichtinvasives Mammakarzinom) eine antihormonelle Therapie mit Tamoxifen erwähnt, und bei einem metastasierten HER2-positiven Mammakarzinom eine duale Blockade mit den monoklonalen Antikörpern Trastuzumab oder Pertuzumab und einem Taxan (zytostatisch wirkende Stoffgruppe).

Operation und Strahlentherapie: Hier ergänzte die Leitliniengruppe, welche Behandlungsschritte vor und nach der begleitenden Arzneimitteltherapie sinnvoll sind.

Präzisierungen: Für ältere Patienten sowie für die Palliativmedizin und unterstützende Therapie bei fortgeschrittener Erkrankung wurden die Empfehlungen spezifiziert.  

Begleitende Themen: Die Leitlinie berücksichtigt nun auch die psychologische Betreuung von Krebspatienten, Lebensstilfragen wie Ernährung und Bewegung sowie komplementäre Maßnahmen wie Akupunktur.

Gesundheitskompetenz: Dieser neu aufgenommene Abschnitt befasst sich mit der Frage, wie Patienten bestmöglich über ihre Krankheit und Therapie aufzuklären sind, sodass sie die Informationen in vollem Umfang verstehen und bewerten können. Die Leitlinie stellt hier unter anderem fest, dass digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) bei diesem Prozess die Beratung durch Ärzte und andere Experten sinnvoll ergänzen können.  

„Durch die neue Struktur ist die Leitlinie übersichtlicher und einfacher nutzbar. Zudem können nun einzelne Teile schneller aktualisiert werden – nach dem Prinzip einer ‚lebenden Leitlinie‘, die sich laufend weiterentwickelt“, fasst Wöckel das Ergebnis der Bemühungen zusammen. Quellen:
https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Mammakarzinom_4_0/Version_5/LL_Mammakarzinom_Langversion_5.0.pdf
https://www.aerzteblatt.de/news/umfassende-s3-leitlinie-zum-mammakarzinom-vorgelegt-7fc0993e-18cd-4fd3-8e27-41a4b83db968- https://de.wikipedia.org/wiki/Medizinische_Leitlinie