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Diabetes: schlechtere Versor­gung für psychisch Erkrankte

Nahaufnahme von zwei Händen bei der Blutzuckermessung
Psychisch Kranke mit Diabetes werden deutlich schlechter versorgt als Diabetiker ohne psychische Erkrankung. | Bild: zakalinka / AdobeStock

Ein internationales Forscherteam um Dr. med. Elias Wagner vom Universitätsklinikum Augsburg hat Daten aus 49 internationalen Studien analysiert, die mehr als 5,5 Millionen Menschen mit Diabetes (überwiegend Typ 2), darunter knapp 840.000 mit einer diagnostizierten psychischen Erkrankung, umfassten.

Das systematische Review offenbarte deutliche Versorgungsunterschiede, die laut Studienautoren bei psychisch Erkrankten mit Diabetes gravierende Folgen für die Lebenserwartung haben könnten.

Psychisch Erkrankten drohen schwerere Folgen von Diabetes

Die groß angelegte Überblicksarbeit offenbarte diverse Nachteile für Diabetes-Patienten mit psychischen Erkrankungen gegenüber psychisch gesunden Menschen:

So ist die Wahrscheinlichkeit für psychisch Erkrankte, überhaupt eine leitliniengemäße Überwachung und Versorgung zu erhalten, um 19 Prozent geringer als bei psychisch Gesunden.

Auch das grundlegende Diabetesmanagement und die Prävention typischer Folgeschäden fiel deutlich schlechter aus: Messungen des HbA1c-Werts (glykiertes Hämoglobin) fanden um 19 Prozent seltener statt, Netzhautuntersuchungen um 23 Prozent, Kontrollen des Fettstoffwechsels und der Nieren um 17 beziehungsweise 22 Prozent und Fußuntersuchungen um 15 Prozent.  

Und sogar in der medikamentösen Therapie zeigten sich deutliche Unterschiede. So erfolgte diese bei Diabetikern mit psychischer Erkrankung weniger differenziert: Sie erhielten um 52 Prozent häufiger Insulin als psychisch Gesunde, hatten aber eine um 74 Prozent geringere Chance auf eine Therapie mit GLP-1-Rezeptoragonisten.  

Ungleichheiten in der Diabetes-Versorgung beseitigen

Die Unterversorgung mit GLP-1-Rezeptoragonisten ist laut Studienautoren ein entscheidendes Manko. Schließlich könnten solche Antidiabetika bei Typ-2-Diabetes nicht nur den Blutzucker senken, sondern auch das Herz-Kreislauf-Risiko reduzieren, das bei Menschen mit psychischen Erkrankungen ohnehin erhöht sei.

„Unsere Ergebnisse zeigen anhaltende Lücken in der Diabetesversorgung von Menschen mit psychischen Störungen auf. Deswegen sind gezielte Maßnahmen zur Beseitigung dieser Ungleichheiten erforderlich“, fordert Wagner.  

Welche Maßnahmen im Einzelnen geeignet seien, die Versorgungsqualität zu verbessern, müssten weitere Studien zeigen. Quellen:
https://www.aerzteblatt.de/news/menschen-mit-psychischen-erkrankungen-erhalten-schlechtere-diabetesversorgung-ddb87771-933e-4098-b580-4d2f6c3a6b44
https://linkinghub.elsevier.com/retrieve/pii/S2215036625003323
https://flexikon.doccheck.com/de/GLP-1-Rezeptoragonist
 

Gut zu wissen: Einschränkungen der Aussagekraft

Die Studienautoren nennen einige methodische Schwierigkeiten, die die Aussagekraft ihrer Analyse beeinflussen. Hier drei wichtige Limitierungen:

Inhomogenität: Die Studien stammen aus verschiedenen Ländern, in denen unterschiedliche Leitlinien zur Diagnose und Behandlung existieren.  

Größe der Einzelstudien: Manche Studien waren zu klein, um für spezielle Voraussetzungen wie die Art der psychischen Erkrankung oder die jeweilige Diabetesbehandlung ausreichende Fallzahlen zu beinhalten.

Fokus auf reicheren Ländern: Die Kontinente Afrika, Asien und Südamerika sind in der Analyse stark unterrepräsentiert, sodass sich kein globales Fazit ziehen lässt.