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Toxine in Pflanzendrinks: neue Bewertung zu gesundheitlichen Risiken

dunkelhaariger Junge trinkt in der Küche stehend ein Glas Milch
Mykotoxine und Pflanzentoxine in Pflanzendrinks sind für Kinder meist ungefährlich. | Bild: fizkes / AdobeStock

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat 162 handelsübliche Hafer-, Mandel- und Sojadrinks im Labor auf Schimmelpilzgifte (Mykotoxine) und Pflanzentoxine untersucht. 

Mykotoxine gehören zu den natürlichen Toxinen. Ihr Vorkommen ist in Lebens- und Futtermitteln nicht erwünscht, jedoch nicht komplett vermeidbar. Getreide, Nüsse und Mandeln können während des Anbaus, der Lagerung oder der Weiterverarbeitung von Schimmelpilzen befallen werden. Diese können nachfolgend auch in verarbeitete Produkte wie Hafer-, Soja- oder Mandeldrinks übergehen.

Da laut BfR Kinder in der Regel im Verhältnis zum Körpergewicht größere Mengen an Lebensmitteln aufnehmen als Erwachsene, wurden anschließend die gesundheitlichen Auswirkungen auf Kinder im Alter von sechs Monaten bis unter sechs Jahren ermittelt. 

In einer aktuellen Stellungnahme ordnet das BfR seine Ergebnisse ein.

Aflatoxine in Mandeldrinks nachgewiesen

Untersucht wurde der Gehalt von Mykotoxinen wie Aflatoxin B1, Ochratoxin A, Deoxynivalenol sowie T-2- und HT-2-Toxin (T2/HT2). 

In 31 von 39 untersuchten Mandeldrinks wurde Aflatoxin B1 nachgewiesen. Bei langfristiger Aufnahme kann dieses Toxin Schäden an Leber und Nieren erzeugen. Außerdem könne es durch Erbgutveränderungen Krebs erzeugen, weshalb sich keine sichere untere Wirkschwelle ableiten lasse, teilt das BfR mit. Es stuft die Wahrscheinlichkeit für gesundheitliche Beeinträchtigungen bei Kindern als „mittel“ ein. 

Weitere Toxine in Mandel- und Sojadrinks gefunden

Außerdem konnten Spuren von Ochratoxin A in der Mehrzahl der Mandel- und Sojadrinks nachgewiesen werden. Dieses Toxin kann nieren- und leberschädigend sein. Aufgrund seiner krebserzeugenden Wirkung bei Versuchstieren gilt es für den Menschen als möglicherweise krebserzeugend.

Da die festgestellten Konzentrationen in den Pflanzendrinks jedoch sehr niedrig waren, stuft das BfR den Verzehr durch Kinder bis sechs Jahre als „wenig bedenklich“ ein.

Ähnlich sieht es bei Haferdrinks aus, zumindest in Bezug auf den nachgewiesenen Gehalt von Deoxynivalenol. Dieses Toxin beeinträchtigt langfristig in niedriger Dosierung die Entwicklung von Kindern und löst in hohen Dosen Magen-Darm-Beschwerden (Erbrechen, Durchfall) sowie Kopfschmerzen und Fieber aus.

In 67 von 86 Proben von Haferdrinks hat das BfR Deoxynivalenol nachgewiesen. Es stuft gesundheitliche Beeinträchtigungen aufgrund der ermittelten Gehalte als „unwahrscheinlich“ ein.

Haferdrinks nicht die einzige Quelle für T2/HT2-Toxine

T-2- und HT-2-Toxine (T2/HT2) wurden dagegen in allen Haferdrink-Proben festgestellt. Stellen Haferdrinks die alleinige Quelle von T2/HT2 dar, so besteht aus Sicht des BfR kaum ein Risiko für gesundheitliche Beeinträchtigungen für Kinder zwischen sechs Monaten und unter sechs Jahren.

Diese Toxine können jedoch auch in anderen Lebensmitteln, insbesondere Haferprodukten, vorhanden sein. T2/HT2 wirken hämatotoxisch und myelotoxisch und stören die Blutbildung. Wenn Pflanzendrinks als Alternative zu Kuhmilch verzehrt werden, ist es realistisch, dass Kinder z. B. Haferflocken mit Hafermilch essen. Dadurch würden sowohl die Gesamtexposition gegenüber T2/HT2 als auch die Eintrittswahrscheinlichkeit für gesundheitliche Beeinträchtigungen erhöht, so das BfR.

Pflanzentoxine in Pflanzendrinks kein Gesundheitsrisiko

Das Institut hatte neben Schimmelpilzgiften auch Pflanzentoxine bestimmt. Für Tropanalkaloide fanden die Fachleute keine Hinweise auf Risiken – mit Ausnahme eines Sojadrink-Produkts: Darin wurden Atropin und Scopolamin wiederholt in so hohen Gehalten gemessen, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen in Betracht gezogen werden müssten.

Für andere Pflanzentoxine wurden keine gesundheitlich bedenklichen Gehalte ermittelt. Pflanzentoxine sind Giftstoffe, die Pflanzen z. B. zur Abwehr von Fressfeinden nutzen.

Abwechslung auch bei Pflanzendrinks empfehlenswert

Für die Bewertung, ob die ermittelten Gehalte an Mykotoxinen und Pflanzengiftstoffen für Kinder zwischen sechs Monaten und unter sechs Jahren gesundheitlich bedenklich sein können, ist das Bundesinstitut für Risikobewertung stets davon ausgegangen, dass Pflanzendrinks vor allem als Alternative zu Kuhmilch verzehrt werden. 

Demnach wurden den Berechnungen Daten zum Kuhmilch-Verzehr zugrunde gelegt. Allerdings beruhen die Berechnungen auch auf der Annahme, dass nur eine Art von Pflanzendrinks verwendet wird. Dadurch könnte die Aufnahme von bestimmten Mykotoxinen und Pflanzentoxinen überschätzt werden, räumt das BfR in seiner Stellungnahme ein. 

Andererseits könnte jedoch auch unterschätzt werden, dass die unerwünschten Stoffe auch in anderen Lebensmitteln vorhanden sein können. Mykotoxine können z. B. auch in Getreide, Obst, Gemüse, Nüssen, Schalenfrüchten, Kakao, Kaffee oder Gewürzen vorkommen.

Und so schließt das BfR seine Stellungnahme mit einer Empfehlung für eine vielfältige und abwechslungsreiche Ernährung, die unterschiedliche Lebensmittelgruppen mit einbezieht. Das sorge nicht nur für eine ausgewogene Nährstoffzufuhr, sondern würde gleichzeitig die Aufnahme unerwünschter Stoffe niedrig halten. Quellen:
https://www.bfr.bund.de/stellungnahme/mykotoxine-in-soja-mandel-oder-haferdrinks-bfr-aktualisiert-die-bewertung-gesundheitlicher-risiken-von-pflanzendrinks-anhand-neu-erhobener-daten/
dpa