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Künftig seltener Alzheimer bei Frauen?

Seniorin mit Brille hält zwei Puzzleteile in den Händen
Eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren könnte auch gegen Alzheimer wirken. | Bild: Robert Kneschke / AdobeStock

Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass die höhere Lebenserwartung von Frauen gegenüber Männern für die bis zu zweimal so hohe Zahl an Alzheimer-Diagnosen verantwortlich ist. Denn in der für Alzheimer relevanten Altersgruppe, dem Rentenalter, sind deutlich mehr Männer als Frauen bereits verstorben.  

Es gibt in der neueren Forschung jedoch auch Hinweise auf andere Gründe für eine höhere Anzahl von Alzheimer-Erkrankungen bei Frauen – inklusive möglicher Ansätze zur Verbesserung der Situation.

Zwei von ihnen könnten in der Zukunft dafür sorgen, dass das Risiko für Alzheimer-Demenzen in der weiblichen Bevölkerung sinkt.

Hormontherapie gegen Alzheimer?

So scheint Typ 4 des oftmals für Alzheimer verantwortlichen APOE-Gens (Apolipoprotein E) das Risiko bei Frauen deutlich stärker zu erhöhen als bei Männern, was Forscher auf hormonelle Veränderungen nach der Menopause zurückführen.  

APOE4-Trägerinnen könnten daher womöglich von einer Hormontherapie als gezielter Strategie gegen Alzheimer profitieren, folgert ein Forschungsteam um Prof. Dr. Petra Stute im Fachjournal „Gynäkologische Endokrinologie“. Wichtig sei ein früher Start der Therapie, zeitnah nach der Menopause. Weitere Studien müssten diese Vermutung aber erst noch bestätigen.

Eine Hormontherapie vermindere auch die für die Wechseljahre typischen Schlafprobleme, was ebenfalls Vorteile im Kampf gegen Alzheimer böte: Denn vor allem im nächtlichen Tiefschlaf werde das Gehirn mit klarer Zerebrospinalflüssigkeit regelrecht durchgespült, was Alzheimer auslösende Abfallstoffe wie Beta-Amyloid und Tau-Proteine entferne.

Johannes Levin, Neurologe an der Ludwig-Maximilians-Universität München, warnt jedoch vor prophylaktischen Hormontherapien: Zwar wirkten sich eine frühe Menopause vor dem 45. Lebensjahr und der damit veränderte Hormonhaushalt bekanntermaßen ungünstig auf das Alzheimer-Risiko aus, der Effekt sei aber nicht groß. Eine Hormontherapie allein zum Schutz vor Alzheimer und ohne andere, akute Gründe zu beginnen, sei nicht sinnvoll.

Mehr Bildung, weniger Alzheimer?

Als eine weitere Ursache für das höhere Alzheimer-Risiko von Frauen sehen viele Wissenschaftler deren oftmals geringeren Bildungsstand.

Mehr Bildung bedeute mehr Einkommen und damit einen besseren Zugang zu hochwertiger medizinischer Versorgung, zu gesünderem Essen und einer besseren Wohnumgebung mit geringerer Luftverschmutzung.  

Heute 80-jährige Frauen hätten in ihrer Jugend auch in Deutschland weniger Bildungs- und Erwerbschancen gehabt, die sich in den jüngeren Generationen deutlich verbessert hätten.  

Die Autoren verschiedener Studien nehmen deshalb an, dass Frauen künftig im Verhältnis seltener oder später erkranken. Wie stark dieser Effekt sein wird, lasse sich aber aufgrund der vielen anderen Faktoren, die eine Alzheimer-Erkrankung beeinflussen, nur schwer einschätzen.

Menschen werden insgesamt später an Alzheimer erkranken

Manche Mediziner und Forscher gehen davon aus, dass Menschen hierzulande im Allgemeinen künftig später an Alzheimer erkranken als frühere Generationen, da sowohl Männer als auch Frauen heute tendenziell weniger rauchen und trinken und sich mehr bewegen.  

Laut Johannes Levin werden diese Effekte aber wegen der starken genetischen Komponente der Alzheimer-Krankheit im Vergleich zu anderen Demenzformen geringer ausfallen. Quellen:
https://www.augsburger-allgemeine.de/kultur/gesellschaft/frauen-erkranken-haeufiger-an-alzheimer-als-maenner-woran-liegt-das-113503895
https://www.nature.com/articles/s44400-025-00045-9
https://www.springermedizin.de/menopausale-hormontherapie/demenz/einfluss-einer-hrt-auf-die-kognition-bei-apoe4-mutations-traeger/26028478
https://www.thelancet.com/journals/lanhl/article/PIIS2666-7568(25)00122-9/fulltext
https://de.wikipedia.org/wiki/Alzheimer-Krankheit
 

Gut zu wissen: Alzheimer in Zahlen

Von den im Jahr 2023 weltweit über 55 Millionen Demenzerkrankungen gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Anteil des Alzheimer-Typs mit 60 bis 70 Prozent an.

2023 starben in Deutschland rund 10.100 Menschen an einer Alzheimer-Demenz, rund doppelt so viele wie 20 Jahre zuvor.