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75 Jahre Buscopan: Ein Klassiker bei Bauch­krämpfen

Packung Buscopan Dragées und Packung Buscopan Plus auf Apothekentisch
Buscopan hilft bei Bauchschmerzen und Krämpfen, die keine organischen Ursachen haben. | Bild: A. Natterman & Cie. GmbH; Schelbert; Montage: PTAheute

Seit 75 Jahren kann Buscopan in Deutschland gegen Bauchschmerzen und Bauchkrämpfe eingesetzt werden. Aus diesem Anlass rückt die Marke noch einmal den Wirkmechanismus und das breite Einsatzgebiet des Wirkstoffs in den Fokus.

1951: Geburtsstunde von Buscopan

Gegründet 1885 etablierte Boehringer Ingelheim schon in den Anfängen seiner Unternehmensgeschichte einen wichtigen Geschäftszweig, in dem es Alkaloide aus Pflanzen extrahierte und sie an Apotheken und die damals entstehende Pharmaindustrie verkaufte.

Dazu zählte auch das aus Nachtschattengewächsen gewonnene Scopolamin. Das Alkaloid wurde schon lange für seine krampflösenden Eigenschaften geschätzt. Allerdings weist Scopolamin auch einige unerwünschte Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Sehstörungen, Tachykardie und Verdauungsstörungen auf.

Mitte des 20. Jahrhunderts gelang es Forschern von Boehringer Ingelheim, den Pflanzenwirkstoff chemisch herzustellen und zu optimieren. Es entstand Butylscopolamin, was den gleichen Wirkmechanismus, aber mildere Nebenwirkungen als Scopolamin aufweist.  

Butylscopolamin: Unentbehrliches Arzneimittel

Butylscopolamin hat sich schnell zu einem etablierten und geschätzten Wirkstoff gegen Bauchschmerzen und Bauchkrämpfe etabliert. Seit 2013 steht er sogar auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation und gehört zur Ausstattung der hiesigen Rettungswagen (als Ampullen).

Bereits seit 2011 wird Butylscopolamin in der S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom zur Behandlung von Bauchschmerzen und Krämpfen empfohlen. In der aktualisierten Fassung von 2021 wurde diese Empfehlung noch einmal bestätigt.

Zur Erinnerung: Wie wirkt Butylscopolamin?

Anders als das Pflanzenalkaloid Scopolamin wirkt Butylscopolamin peripher und ist nicht ZNS-gängig. Als Parasympatolytikum bindet es an den Muskarin-Rezeptor und blockiert dadurch die Wirkung von Acetylcholin. 

Die Folge: Die Muskulatur entspannt sich (Krampflösung), Schmerzen werden gelindert und die Darmbewegungen vermindert.

Butylscopolamin in der Selbstmedikation

Butylscopolamin findet sich in den Präparaten der Marke Buscopan, die seit 2016 zu Sanofi bzw. deren Tochterfirma A. Natterman & Cie. GmbH gehört. Die Produktpalette umfasst aktuell die klassischen Buscopan Dragées, Buscopan Plus (Pink) und Buscopan Plus Zäpfchen.  

Die Dragées können bei leichten bis mäßig starken Krampfbeschwerden im Magen-Darm-Bereich sowie bei Krämpfen, verursacht durch das Reizdarmsyndrom, angewendet werden.

Erwachsenen und Kindern ab 6 Jahren wird eine Dosis von 1 bis 2 Dragées (entspricht 10 bis 20 mg Butylscopolamin) bis zu dreimal täglich empfohlen. Bessern sich die Beschwerden nicht innerhalb von 5 Tagen, ist ärztlicher Rat einzuholen.  

Der Hersteller verspricht einen Wirkeintritt innerhalb von 15 Minuten.

Buscopan Plus: Butylscopolamin und Paracetamol

In Buscopan Plus kombiniert A. Nattermann den krampflösenden Wirkstoff Butylscopolamin mit Paracetamol. Eine Tablette enthält hierbei 10 mg Butylscopolamin und 500 mg Paracetamol.

Empfohlen wird dieses Präparat zur Behandlung von stärkeren Schmerzen sowie Krämpfen und Schmerzen während der Periode.  

Gut zu wissen: Buscopan Plus in Pink

Mit Buscopan Plus in einer pinkfarbenen Umverpackung sollen weibliche Patienten gezielt auf das Anwendungsgebiet der Regelschmerzen aufmerksam gemacht werden. 

Diese Verpackung enthält nur 10 Filmtabletten, das „normale“ Buscopan Plus 20. Der Wirkstoffgehalt ist aber pro Filmtablette unverändert.

Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren können zur Behandlung 1 bis 2 Filmtabletten einnehmen. Die Tageshöchstdosis sind 6 Filmtabletten, wobei zwischen den Anwendungen mindestens 8 Stunden liegen müssen.

Buscopan Plus als Zäpfchen

Die Wirkstoffkombination aus Butylscopolamin und Paracetamol bietet Buscopan auch als Zäpfchen an. Mit dieser Darreichungsform wird der Magen-Darm-Trakt umgangen, was insbesondere bei der Behandlung von Unterleibsschmerzen von Vorteil sein kann.

In den Zäpfchen ist Paracetamol mit 800 mg etwas höher dosiert als bei den Filmtabletten. Der Wirkstoffgehalt von Butylscopolamin liegt bei weiterhin 10 mg.

Für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren wird eine Dosis von 1 Zäpfchen empfohlen. Die tägliche Maximaldosis von 3 bis 4 Zäpfchen darf nicht überschritten werden. Zwischen den Anwendungen müssen mindestens sechs Stunden liegen. Bessern sich die Beschwerden nicht innerhalb von 3 bis 4 Tagen, ist ärztlicher Rat einzuholen.

Für Kinder unter 12 Jahren sind die Buscopan Plus Zäpfchen nicht geeignet. Quellen:
Buscopan
doccheck.com
Boehringer Ingelheim