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DiGA bei Adipositas: Lebensstilintervention mit Evidenz

„Oviva Direkt für Adipositas“, „zanadio“ und „Oviva Direkt Bluthochdruck“ sind die Namen der drei existierenden Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA), die derzeit bei Adipositas beziehungsweise bei Bluthochdruck (und Adipositas) vom Arzt verschrieben werden können – und die im DiGA-Verzeichnis des BfArM gelistet sind.
Digitale Lebensstilintervention basierend auf der kognitiven Verhaltenstherapie ist dabei der Ansatz, den alle drei Apps verfolgen – mittlerweile auch mit wissenschaftlicher Evidenz durch Studien belegt. Was steckt hinter den Anwendungen, wie funktionieren sie und wie erfolgreich sind sie? Das wollen wir im Folgenden näher beleuchten.
DiGA bei Adipositas: Wer sind die Anbieter?
Hinter den beiden Anwendungen „Oviva Direkt für Adipositas“ und „Oviva Direkt Bluthochdruck“ steht die Oviva Gruppe, eine Aktiengesellschaft mit Hauptsitz in der Schweiz und Zweigniederlassungen in Deutschland, Großbritannien und Frankreich.
Gegründet im Jahr 2014 in der Schweiz betrachtet sich der Gesundheitsanbieter selbst als „führende virtuelle Klinik für gewichtsbedingte Erkrankungen in Europa“. Das Angebot in Deutschland konzentriert sich auf die beiden genannten DiGA.
2024 erreichte man die Marke von mehr als 800.000 behandelten Patienten in Europa und eröffnete im Vereinten Königreich und in der Schweiz „virtuelle Oviva-Kliniken“.
Hinter zanadio steht das deutsche Unternehmen Sidekick Health Germany GmbH mit Sitz in Hamburg. 2023 übernahm die isländische Sidekick Health Gruppe das im Jahr 2019 als aidhere GmbH in Hamburg gegründete Start-up. Zanadio ging 2020 als dritte DiGA überhaupt an den Start und ist bislang das einzige vermarktete Produkt des deutschen Ablegers. Eine weitere DiGA ist in der Entwicklung. Zanadio wurde bereits mehr als 50.000-mal verordnet.
Gut zu wissen: Wer bezahlt für die Verschreibung?
Alle DiGA werden bei entsprechender Indikation in der Regel von allen Krankenkassen übernommen, wenn sie vom behandelnden Arzt verschrieben werden.
Die Indikation für die Adipositas-Apps ist dabei z. B. ein BMI zwischen 30 und 40 beziehungsweise bei der Bluthochdruck-App eine diagnostizierte Hypertonie (und eventuell auch Adipositas).
Wie funktionieren die Anwendungen?
Bei allen drei DiGA handelt es sich um sogenannte „digitale Lebensstilinterventionen“. Die Smartphone-basierten Apps fußen alle auf der kognitiven Verhaltenstherapie.
Die Programme erlauben eine kontinuierliche ambulante Betreuung im Alltag und sollen insbesondere die Benutzer schulen, ihren Lebensstil so zu ändern, dass zum einen Abnehmeffekte eintreten und zum anderen nach der Anwendung kein Jo-Jo-Effekt des Wiederzunehmens eintritt.
Oviva ist als jeweils dreimonatiger Betreuungszyklus angelegt, der mit entsprechendem neuen Rezept wiederholbar ist. Dabei gibt es laut Anbieter „kein Kalorienzählen“ und „keine Verbote“. In den „Selbstlernprogrammen“ sollen neue Gewohnheiten „rund um gesunde Ernährung“ verankert werden.
Eine Dokumentation von Verhalten, Zielsetzungen sowie Lernen und Verstehen von Lerninhalten gehört mit dazu. Außerdem gibt es für die Benutzer die Möglichkeit, per Chat oder telefonisch mit Ernährungs-Coaches zu kommunizieren.
Rezepte und ein „Ernährungstracking“, bei dem die Mahlzeiten per Foto analysiert werden, ergänzen das Programm.
Die Oviva-App zum Bluthochdruck verfolgt grundsätzlich den gleichen Therapieansatz und berücksichtigt auch den Aspekt Adipositas ausdrücklich. Bei den Lerninhalten sind Konzepte wie die DASH-Ernährung (Dietary Approaches to Stop Hypertension, DASH) enthalten sowie unter anderem Bewegungstherapie und Stressmanagement.
Zanadio ist dagegen als ein auf zwölf Monate angelegtes Lern-Programm in zwölf Modulen gestaltet. Dabei sollen mit Belohnungssystem, Ranking und entsprechendem Protokollieren von Ernährung und Bewegung Verhaltensmuster erkannt und geändert werden. Auch hier ist die Interaktion mit Ernährungs-Coaches per Chat möglich und individuelle Zielsetzungen lassen sich formulieren.
Alle App-Hersteller verweisen darauf, dass ihre Therapieansätze auf den jeweiligen S3-Leitlinien beruhen.
Welt-Adipositas-Tag auf PTAheute.de
Adipositas ist eine ernstzunehmende chronische Erkrankung. Bereits im Jahr 2020 hat die Weltgesundheitsorganisation sie als eigenständige Krankheit klassifiziert, doch noch heute wird sie unterschätzt oder nur als Risikofaktor für andere Erkrankungen angesehen.
Dem soll der heutige Welt-Adipositas-Tag entgegenwirken. Institutionen wie die Deutsche Adipositas Gesellschaft rufen dazu auf, Adipositas auch gesundheitspolitisch wahrzunehmen und entsprechend zu handeln.
Auf PTAheute.de unterstützen wir den Aktionstag mit ausgewählten Beiträgen. Wir erklären, wie die BIA-Messung funktioniert und wie Apotheken dazu beraten können. Wir stellen die digitale Gesundheitsanwendungen bei Adipositas vor, die Adipositas-Patienten beim Abnehmen unterstützen können. Ein weiterer Beitrag beschäftigt sich mit der Bedeutung einer Ernährungstherapie bei Abnehmspritzen.
DiGA gegen Adipositas: Ist die Wirkung wissenschaftlich belegt?
Abnehm-Apps, -Programme, -Diäten und/oder entsprechende Nahrungsergänzungsmittel gibt es natürlich in großer Zahl. Im Unterschied dazu müssen sich DiGA wissenschaftlich evaluieren lassen und können gegebenenfalls ihre Zulassung als Medizinprodukt bei nicht erwiesenem Erfolg auch wieder verlieren.
Die beiden Adipositas-Apps Oviva und zanadio haben mittlerweile eine dauerhafte Listung im DiGA-Verzeichnis des BfArM, da es ausreichende durch Studien belegte Evidenz für ihre Wirksamkeit gibt.
So hat die App Oviva Direkt für Adipositas in der noch bis Mitte des Jahres laufenden AMODA-Studie bereits zeigen können, dass Teilnehmende nach sechs Monaten rund fünf Prozent ihres Startgewichts verloren hatten. Zwischenergebnisse wurden z. B. beim 32. European Congress on Obesity im Mai 2025 in Malaga, Spanien, vorgestellt. Oviva verweist zudem auf eine Reihe weiterer randomisierter klinischer Studien, die verschiedene Aspekte zur Evidenz der DiGA beitragen.
Zanadio kann unter anderem auf eine mit der Universität Leipzig durchgeführte und im Fachmagazin Obesity veröffentlichte Studie verweisen, nach der die Teilnehmenden im Schnitt innerhalb eines Jahres acht Prozent ihres Gewichts abgenommen hatten.
Und auch im Fall der Bluthochdruck-App belegt die HYPE-Studie eine wissenschaftlich signifikante Wirksamkeit, sodass der aktuelle Status der vorläufigen Aufnahme ins DiGA-Verzeichnis wahrscheinlich in eine dauerhafte Listung überführt werden wird.
In der randomisierten kontrollierten klinischen Studie ließ sich nach zwölf Wochen bei rund 69 Prozent der 135 Patienten (die außerdem entsprechende antihypertensive Medikation erhielten) der systolische Blutdruck dauerhaft unter 135 mmHg senken – bei der Kontrollgruppe nur mit Medikation und ohne DiGA gelang das im Vergleich nur bei 24 Prozent.
Gleichzeitig verlor mehr als die Hälfte der Studienteilnehmenden in der Interventionsgruppe in dem Zeitraum über drei Prozent des Ausgangsgewichts. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse der Studie Ende 2025 im Fachmagazin „Frontiers in Digital Health“.
Für alle drei Apps gibt es weitere zum Teil noch laufende Studien – alle App-Anbieter können aber entsprechend darauf verweisen, dass die Wirkung ihrer DiGA wissenschaftlich belegt ist. Quellen:
https://diga.bfarm.de/de/verzeichnis?type=%5B%5D
https://oviva.com/de/de/impressum/
https://oviva.com/global/de/ueber-uns/
https://rx.sidekickhealth.com/de/ueber-uns/
https://rx.sidekickhealth.com/de/pressemitteilungen/diga-hersteller-aidhere-wird-teil-von-sidekick-health/
https://www.esanum.de/fachbereichsseite-hausaerzte/feeds/hausaerzte/posts/digas-in-der-adipositastherapie-update-2025
https://start.oviva.com/
https://oviva.com/de/de/so-funktionierts/
https://de.support.oviva.com/s/article/Ich-habe-schon-viele-Ern-hrungstherapien-gemacht-die-keine-Wirkung-zeigten-Warum-sollte-dies-bei-Ihnen-anders-sein
https://zanadio.de/
https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/050-001
https://drks.de/search/de/trial/DRKS00033045
https://eco2025.org/
https://oviva.com/de/de/fachkreise/studiendaten/
https://zanadio.de/studienergebnisse/
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/oby.23744
https://drks.de/search/de/trial/DRKS00034348
https://www.frontiersin.org/journals/digital-health/articles/10.3389/fdgth.2025.1672553/full