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HPV-Impfung: Warum Jungs genauso profitieren wie Mädchen

Junge erhält Impfung von Ärztin
Auch Jungen sollten frühzeitig gegen HPV geimpft werden. | Bild: Pixel-Shot / AdobeStock

Humane Papillomviren, kurz HPV, sind weltweit verbreitet. Über 200 Virustypen sind bekannt. Einige verursachen harmlose Hautwarzen, andere können Krebs auslösen. 

HPV wird durch direkten Haut- und Schleimhautkontakt übertragen. Die Ansteckung erfolgt meist bei engem intimem Kontakt wie Petting oder Geschlechtsverkehr. 

HPV: Wie wird es übertragen?

Eine Infektion ist bereits beim ersten sexuellen Kontakt möglich. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Vaginal-, Anal- oder Oralsex handelt. Kondome senken das Risiko, bieten jedoch keinen vollständigen Schutz. Das Virus kann auch über Hautbereiche übertragen werden, die nicht vom Kondom bedeckt sind.

Über kleinste, oft nicht sichtbare Verletzungen dringen die Viren in die Zellen von Haut oder Schleimhaut ein. In vielen Fällen heilt die Infektion innerhalb von ein bis zwei Jahren spontan aus. 

Bleibt sie bestehen, kann es Jahre später zu Zellveränderungen kommen, aus denen sich Krebs entwickeln kann. Eine Übertragung ohne Schleimhautkontakt gilt nach heutigem Stand als unwahrscheinlich. Eine Ansteckung bei der Geburt von der Mutter auf das Kind ist möglich, aber selten.

Welche Erkrankungen stehen mit HPV in Zusammenhang?

Bestimmte Hochrisikovirustypen, insbesondere HPV 16 und 18, sind für einen großen Teil der HPV-bedingten Krebserkrankungen verantwortlich. Dazu gehören Gebärmutterhalskrebs, Analkrebs, Peniskrebs sowie Tumoren im Mund- und Rachenraum. 

Niedrigrisikovirustypen wie HPV 6 und 11 verursachen Genitalwarzen. Diese sind gutartig, aber für Betroffene oft belastend und können eine längere Therapie erfordern. 

Wichtig für die Beratung in der Apotheke: Das gesetzliche Krebsfrüherkennungsprogramm in Deutschland umfasst nur das Screening auf Gebärmutterhalskrebs. Für andere HPV-bedingte Tumoren existiert kein standardisiertes Vorsorgeprogramm.

Gut zu wissen: Pap-Test und HPV-Test

Der Pap-Test ist eine zytologische Untersuchung, bei der Zellen vom Gebärmutterhals entnommen und im Labor unter dem Mikroskop beurteilt werden. Ziel ist es, Zellveränderungen frühzeitig zu erkennen. 

Frauen zwischen 20 und 34 Jahren haben einmal jährlich Anspruch auf diese Vorsorgeuntersuchung. Ein auffälliger Befund bedeutet nicht automatisch Krebs, sondern erfordert eine weitere Abklärung.

Der HPV-Test weist das Erbgut bestimmter Hochrisiko-HPV-Typen nach. Er zeigt, ob eine Infektion vorliegt, kann jedoch keine Zellveränderungen beurteilen. Frauen ab 35 Jahren erhalten alle drei Jahre eine Kombinationsuntersuchung aus Pap-Test und HPV-Test. 

Diese sogenannte Co-Testung wird von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Für andere HPV-bedingte Krebsarten gibt es kein routinemäßiges Screening.

Ist HPV wirklich nur ein „Mädchenthema“?

HPV wurde lange vor allem mit Gebärmutterhalskrebs in Verbindung gebracht. Dadurch entstand der Eindruck, die Impfung betreffe nur Mädchen. Das ist fachlich jedoch nicht korrekt. 

HPV betrifft alle Geschlechter. Auch Jungen können sich infizieren und im weiteren Verlauf HPV-bedingte Krebserkrankungen entwickeln. Zudem können sie das Virus weitergeben. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die HPV-Impfung deshalb seit 2018 ausdrücklich auch für Jungen

Der Impfschutz soll nicht von der Impfquote bei Mädchen abhängen. Besonders Jungen und Männer mit gleichgeschlechtlichen Kontakten profitieren von einem eigenen Impfschutz. Die HPV-Impfung ist somit individuelle Krebsprävention und gleichzeitig ein Beitrag zum Gemeinschaftsschutz.

Impfempfehlung zu HPV für Kinder und Jugendliche

Die STIKO empfiehlt die HPV-Impfung für Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Die Impfung sollte möglichst vor dem ersten Sexualkontakt erfolgen. In diesem Alter ist die Immunantwort besonders stark. 

Je früher geimpft wird, desto größer ist der präventive Nutzen. Wird die Impfserie vor dem 15. Geburtstag begonnen, sind zwei Impfungen im Abstand von mindestens fünf Monaten ausreichend. 

Ab dem 15. Geburtstag sind drei Impfungen erforderlich. Das Schema erfolgt in der Regel nach 0, 2 und 6 Monaten. Nachholimpfungen werden bis zum 17. Geburtstag von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Einige Krankenkassen erstatten die Impfung auch darüber hinaus.

Welche HPV-Impfstoffe sind in Deutschland zugelassen?

Aktuell sind in Deutschland die zwei Totimpfstoffe Cervarix® und Gardasil 9® zugelassen und von der STIKO empfohlen.

Cervarix® ist ein bivalenter Impfstoff und schützt vor den Hochrisikovirustypen 16 und 18. Gardasil 9® ist ein neunvalenter Impfstoff, schützt also neben HPV 16 und 18 auch vor weiteren Hochrisikotypen sowie vor den Typen 6 und 11, die Genitalwarzen verursachen. Dadurch wird ein breiteres Spektrum HPV-assoziierter Erkrankungen abgedeckt.

Beide Impfstoffe sind Totimpfstoffe. Das heißt, sie enthalten virusähnliche Partikel, jedoch kein vermehrungsfähiges Virus. Eine HPV-Infektion kann durch die Impfung nicht ausgelöst werden.

In der Praxis wird überwiegend Gardasil 9® eingesetzt, da der Schutzumfang größer ist.

HPV-Impfstoffe: Verträglichkeit und Sicherheit bei Kindern

Die HPV-Impfstoffe gelten als gut verträglich. Häufig treten lokale Reaktionen wie Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle auf. Auch leichte Temperaturerhöhung, Kopfschmerzen oder Müdigkeit können vorkommen. 

Bei Jugendlichen werden gelegentlich Kreislaufreaktionen wie Schwindel beobachtet. Diese sind meist stressbedingt. Die Impfung sollte daher nicht im Stehen erfolgen. 

Nicht geimpft werden sollte bei bekannter schwerer Allergie gegen einen Impfstoffbestandteil. Bei schweren fieberhaften Infekten sollte die Impfung verschoben werden.

In der Apotheke Prävention aktiv begleiten

Die HPV-Impfung ist nicht nur ein ärztliches Thema, sondern auch ein wichtiges Beratungsthema in der Apotheke. Eltern haben häufig Fragen zur Notwendigkeit, zum richtigen Zeitpunkt oder zur Verträglichkeit der Impfung. 

Jugendliche sind oft unsicher oder schämen sich, über das Thema zu sprechen. Hier kann die Apotheke niedrigschwellig informieren. Eine sachliche Erklärung zur Verbreitung von HPV, zur frühen Impfempfehlung und zur Bedeutung für Jungen und Mädchen schafft Klarheit. 

Ein Blick in den Impfpass, ein Hinweis auf die STIKO-Empfehlung oder die Erinnerung an eine unvollständige Impfserie kann einen entscheidenden Beitrag zur Krebsprävention leisten.

HPV-Prävention beginnt früh. Die Apotheke vor Ort kann Familien auf diesem Weg kompetent begleiten und sich als verlässlicher Ansprechpartner für moderne Vorsorgemedizin positionieren. Quellen:
https://www.patienteninfo-service.de/a-z-liste/c/cervarix-injektionssuspension-in-einer-fertigspritze/
https://www.patienteninfo-service.de/a-z-liste/g/gardasilR-9-injektionssuspension-in-einer-fertigspritze/
https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/HPV/FAQ-Liste_HPV-Impfung-Durchfuehrung.html
https://www.entschiedengegenkrebs.de/vorbeugen/
 

Der Welt-HPV-Tag auf PTAheute.de

Eine Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV) bleibt meist unbemerkt, da sie weder Schmerzen noch Symptome verursacht – bis sich erst Jahrzehnte später krankhafte Zellveränderungen zeigen können. HPV gilt als Auslöser verschiedener Krebsarten, dazu zählen Gebärmutterhalskrebs sowie Tumoren im Mund- und Rachenraum, im Analbereich oder an den Genitalien.

Laut Schätzungen des Robert Koch-Instituts erkranken jährlich mehr als 10.000 Menschen an Krebs infolge einer HPV-Infektion. Ein wirksamer Schutz ist eine Impfung gegen HPV im Kindes- und Jugendalter.

Am heutigen Welt-HPV-Tag rücken verschiedene Institutionen die Bedeutung der Impfung und die Folgen einer HPV-Infektion in den Fokus. Auf PTAheute.de unterstützen wir dies mit ausgesuchten Beiträgen.

In einem ausführlichen Artikel stellen wir Ihnen eine neue Studie zur Wirksamkeit der HPV-Impfung vor. Außerdem erklären wir, warum neben Mädchen auch Jungs gegen HPV geimpft werden sollten. Und in einem Rezepturbeitrag erfahren Sie, welche Rolle Vaginalzäpfchen mit Vitamin D3 bei HPV spielen. /vs