In der Apotheke werden PTA mit den unterschiedlichsten Themen konfrontiert. Lesen Sie hier die tagesaktuellen News aus den Bereichen Pharmazie, Forschung, Ernährung, Gesundheit und vielem mehr. Bleiben Sie informiert, um Ihre Kunden stets kompetent zu beraten.
Was ist eigentlich das Beckenvenensyndrom?

Eine häufige, aber oft übersehene Ursache für chronisch wiederkehrende Unterleibsschmerzen ist das Beckenvenensyndrom – vor allem, wenn Betroffene bereits Kinder geboren haben und andere Erkrankungen wie Endometriose ausgeschlossen wurden.
Häufig ist die sogenannte Ovarialvene betroffen, die das Blut aus den Eierstöcken ableitet und sich im Verlauf einer oder mehrerer Schwangerschaften manchmal dauerhaft erweitert.
In der Folge schließen die zugehörigen Venenklappen nicht mehr zuverlässig. Folglich fließt das Blut nicht vollständig in Richtung Herz ab, sondern staut sich teilweise bis in die Beckenvenen zurück. Deshalb wird das Beckenvenensyndrom auch Beckenvenenstauungssyndrom genannt.
Vor allem im Stehen oder unter körperlicher Belastung kann der Blutrückfluss Schmerzen verursachen, indem die unter Druck stehenden Beckenvenen umliegende Nerven reizen.
Betroffene des Beckenvenensyndroms
Bei rund einem Drittel der Frauen, die über chronische Schmerzen im Becken berichten, liegt ein Beckenvenensyndrom vor.
Betroffen sind vor allem Mehrfachgebärende vor der Menopause, denn während einer Schwangerschaft steigt das Blutvolumen im Körper deutlich an, und die Beckenvenen erweitern sich unter der Belastung. Vor allem gegen Ende der Schwangerschaft kann der Druck durch Gebärmutter und Kind so stark zunehmen, dass eine Rückbildung der erweiterten Vene nicht mehr möglich ist.
In der Schwangerschaft gelten Krampfadern der Beckenvenen als Normalbefund, bei Mehrfachgebärenden sind sie sogar typisch. Das Beckenvenensyndrom kann aber auch Teil einer generellen Venenschwäche sein und damit unabhängig von der Schwangerschaft auftreten.
Mögliche Risikofaktoren sind Bindegewebsschwäche, familiäre Vorbelastung oder anatomische Anomalien wie Gefäßfehlbildungen oder ein Hochdruck in der zur Leber führenden Pfortader. Da sich die Beschwerden nach der Menopause zurückbilden, wird außerdem eine hormonelle Komponente vermutet.
Symptome des Beckenvenensyndroms
Das Beckenvenensyndrom bleibt oft symptomlos. Wenn sich jedoch Beschwerden zeigen, sind es ein- oder beidseitige Unterleibsschmerzen, die über Monate oder Jahre bestehen und meist im Tagesverlauf zunehmen.
Sie werden stärker, wenn sich der Druck im Unterleib erhöht, was zum Beispiel beim Gehen, langen Stehen oder Heben der Fall ist. Darüber hinaus verschlimmern häufig Geschlechtsverkehr und Menstruation die Schmerzen.
Weitere mögliche Symptome sind:
- Druck- oder Schweregefühl im Becken
- aufgeblähter Bauch oder vergrößerter Bauchumfang
- Rückenschmerzen
- Schmerzen in den Beinen
- Krampfadern im Intimbereich
- häufiger Harndrang oder leichte Blasenschwäche
- vaginaler Ausfluss
Die Vielgestaltigkeit der Symptome und deren individuelle Kombination trägt dazu bei, dass das Beckenvenensyndrom oft nicht oder erst verzögert erkannt wird, was bei Betroffenen zu steigender Verzweiflung führen kann.
Therapie des Beckenvenensyndroms
Das Beckenvenensyndrom ist in der Regel nicht lebensbedrohlich. Die Therapie zielt deshalb darauf ab, Schmerzen zu lindern und damit den Patientinnen Lebensqualität zurückzugeben.
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) oder wahlweise hormonell wirkende Arzneimittel wie orale Kontrazeptiva, Gestagene oder das Testosteronderivat Danazol können die Symptome lindern, jedoch nicht die venöse Stauung beheben.
Bei starken Beschwerden schafft häufig ein chirurgischer Eingriff Abhilfe: Die betroffenen Venen werden verödet oder unterbunden, um den krankhaften Rückfluss des Blutes zu unterbrechen. Der venöse Abfluss erfolgt danach problemlos über gesunde Umgehungswege.
Es handelt sich um einen risikoarmen Routineeingriff, der nur eine kurze stationäre Beobachtung erfordert. Er kann jedoch nicht immer sämtliche Beschwerden beheben. Quellen:
- PM Helios Kliniken
- https://flexikon.doccheck.com/de/Beckenvenenstauungssyndrom
- https://de.wikipedia.org/wiki/Beckenvenensyndrom
Das Beckenvenensyndrom auf einen Blick:
- Krankheitsbild: durch erweiterte Venen im Beckenbereich verursachte Unterleibsschmerzen
- Betroffene: meist Mehrfachgebärende vor der Menopause
- Symptome: oft symptomlos; sonst langanhaltende Unterleibsschmerzen, häufig kombiniert mit Schmerzen in Rücken oder Beinen, aufgeblähtem Bauch oder Krampfadern im Intimbereich
- Therapie: Schmerzmittel und hormonell wirkende Medikamente zur Schmerzlinderung; chirurgisches Veröden oder Unterbinden der betroffenen Venen