Erythrit – der Zucker „light“

Zuckersüßes Beratungswissen – Teil 8

Erythrit gehört zu den Zuckeralkoholen und ist ein kalorienarmes Süßugsmittel.

Unter den als Süßungsmittel zugelassenen Zuckeralkoholen nimmt Erythrit eine Sonderstellung ein: Als einziges Mitglied der „Zuckeralkohol-Familie“ ist Erythrit äußerst kalorienarm und zusätzlich besonders gut verträglich. Die Werbung spricht von einer „naturreinen, kalorienfreien und leichten Alternative zum ungesunden Haushaltszucker“. Wie viel Leichtigkeit bietet Erythrit tatsächlich?

Erythrit gehört wie Sorbit, Xylit und Mannit von seiner chemischen Struktur her zu den Zuckeralkoholen. Es handelt sich um die reduzierte Form der Weinsäure und man kann durchaus von einem Naturstoff sprechen. Denn Erythrit kommt in geringen Mengen in einigen Obstsorten vor, zum Beispiel in Birnen, Weintrauben, Melonen und Pflaumen, aber auch in fermentierten Lebensmitteln wie Sojasoße, Bier und Käse.

Alles andere als „naturrein“

Für den Einsatz von Erythrit als Süßungsmittel greift man jedoch nicht auf diese natürlichen Quellen zurück. Für die Lebensmittelindustrie am kostengünstigsten und damit gebräuchlichsten ist es, Erythrit aus stärkehaltigen Pflanzen, in der Regel Mais, zu gewinnen. Stärke wird enzymatisch in Saccharose und Glucose aufgespalten und dann mit Hilfe gentechnisch veränderter Mikroorganismen (Pilze, Hefen) in Erythrit umgewandelt. Das Ergebnis dieses industriellen Prozesses lässt sich wohl kaum noch als „naturrein“ bezeichnen. Im Supermarktregal stößt man auf Erythrit-Produkte mit der Aufschrift: „Ursprungsmaterial Mais aus der EU, ohne Gentechnik“ – eine Art von Vertrauenswerbung. Trotz allem ist davon auszugehen, dass die Stärkeverzuckerung heutzutage immer mit gentechnisch veränderten Organismen erfolgt, die in der Regel nicht kennzeichnungspflichtig sind.

Milde Süße für die Küche

Erythrit besticht durch seine Eigenschaften. Es schmeckt mild süß ohne ausgeprägten Eigengeschmack. Die Substanz liegt, ähnlich wie normaler Zucker, als gut rieselndes weißes Pulver oder auch in Kristallform vor. Im Vergleich zum Haushaltszucker liegt seine Süßkraft bei rund 70 Prozent. Das ist bei seiner Verwendung als Zuckeraustauschstoff zu bedenken und entsprechend auszugleichen. Erythrit löst sich in Wasser, allerdings weniger gut als Zucker. Es ist hitzestabil und eignet sich auch zum Backen. Bei Verwendung in Backrezepturen ist darauf zu achten, dass durch die schlechtere Löslichkeit Kristalle im Teig zurückbleiben können. Besser ist es daher, zum Backen eine Pulver-Variante zu wählen oder einen Erythrit-Xylit-Mix.

Kalorienarm und zahnfreundlich

Im menschlichen Körper verhält Erythrit sich freundlich: Mit nur 20 Kalorien pro 100 Gramm ist es extrem kalorienarm. Damit nimmt es unter allen Zuckeralkoholen eine Sonderstellung ein. Zum Vergleich: Sorbit, Xylit, Maltit & Co. haben ca. 240 Kalorien, Haushaltszucker ca. 400 Kalorien pro 100 Gramm.
Die Mundbakterien können Erythrit nicht zerlegen und es entstehen keine kariesfördernden Säuren. Das schont die Zähne und soll, ähnlich wie Xylit, bei längerer Anwendung sogar zahnpflegend wirken. Allerdings soll das Mundgefühl bei Verzehr von Erythrit etwas gewöhnungsbedürftig sein, ein leicht kühlender Effekt wird beschrieben.

Abführende Wirkung erst ab 70 Gramm/Tag

Die Resorption von Erythrit erfolgt zu 90 Prozent im Dünndarm, es wird unverändert und, ohne dass der Blutzuckerspiegel ansteigt, über die Nieren ausgeschieden. Nur sehr geringe Mengen gelangen in den Dickdarm, wo es infolge der bakteriellen Zersetzung vor allem bei empfindlichen Personen zu schmerzenden Blähungen kommen kann. Im Vergleich zu den anderen Zuckeralkoholen (Sorbit, Xylit, Maltit usw.) wird Erythrit jedoch in der Regel sehr gut vertragen, selbst wenn größere Mengen verzehrt werden. Erst ab einer Dosis von 70 Gramm pro Tag kann es zu Durchfällen kommen. Im Vergleich: Mannit und Isomalt wirken meist schon ab 10 Gramm pro Tag abführend.

Dennoch gilt auch für Erythrit ebenso wie für die anderen Zuckeralkohole: Beträgt der Erythrit-Anteil in einem Lebensmittel mehr als 10 Prozent, muss das Produkt den Hinweis tragen: „Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken.“

Vielfalt zu hohen Preisen

Erythrit kommt unter verschiedenen Namen in den Handel. In Deutschland wird es zum Beispiel vertrieben als Sera, Serapur, Sukrin, Erylite, SweetCare Natursüße, Erythrol, Neue Süße, Sucolin, Xucker Light, sweetERY, Eryfly, Wiezucker Diät. Man findet es im Supermarktregal bei Zucker und anderen Süßungsmitteln, in Reformhäusern, Drogeriemärkten und auch in Internet-Shops.
Erythrit ist nicht gerade kostengünstig. Je nach Vertriebsweg und Produkt variieren die Preise, im Schnitt muss man mit ca. 1 Euro pro 100 g Erythrit rechnen. Für 1 Euro bekommt man im Supermarkt 1 Kilogramm Haushaltszucker. Man sollte sich also überlegen, wie viel einem das Kaloriensparen wert ist.

Erythrit in Bioqualität

Während die Süßungsmittel Stevia und Xylit nicht in Bioqualität verfügbar sind und daher nicht in Bioprodukten eingesetzt werden dürfen, hat Erythrit diesen Sprung geschafft. Die EU-Kommission hat Erythrit als Zusatzstoff im Biobereich ausdrücklich erlaubt. Voraussetzung ist die Verwendung von Bio-Mais aus ökologischem Landbau als Ausgangsmaterial. Manche Ökoverbände lehnen jedoch Süßungsmittel aus Überzeugung ab. Sie halten die künstliche Süßkraft, die erst durch einen industriellen Umbau von Stärke mit Hilfe von Mikroorganismen erzeugt wird, für unnatürlich und für unvereinbar mit dem Anspruch an ein naturreines Produkt.

Neue Leichtigkeit?

Als „tolle, kalorienfreie Alternative für Gesundheitsbewusste“, als Mittel für „nachhaltiges Wohlbefinden“, für das „der Körper dankt“, wird Erythrit in der Werbung beschrieben. Wer sich ernsthaft mit gesunder Ernährung auseinandersetzt, erkennt schnell: Gesundheitsbewusstsein misst sich nicht daran, Zucker durch Zuckeraustauschstoffe zu ersetzen, sondern seine Ernährung insgesamt auf „weniger süß“ umzustellen. Erythrit ist aus gesundheitlichen Gründen für so gut wie niemanden erforderlich, auch nicht für Diabetiker. Man kann sich die hohen Preise sparen.

Zwei „Health Claims“ für Erythrit

Gesundheitsbezogene Werbeaussagen wie „gesünder als Zucker“ oder „pflegt die Zähne“ sind auf Produkten, die Erythrit enthalten, nicht erlaubt. Grundsätzlich sind Aussagen, die sich auf die Gesundheit beziehen, auf Lebensmitteln nur erlaubt, wenn sie der „Health-Claim-Verordnung“ der EU entsprechen. So sollen Verbraucher in der gesamten EU vor irreführenden und wissenschaftlich nicht belegten Aussagen geschützt werden. Für Erythrit gibt es zwei „Health Claims“, die ausdrücklich erlaubt sind:

  • „Der Verzehr von Lebensmitteln/Getränken, die anstelle von Zucker Erythrit enthalten, trägt zur Erhaltung der Zahnmineralisierung bei“ und
  • „Der Verzehr von Lebensmitteln/Getränken, die anstelle von Zucker Erythrit enthalten, bewirkt, dass der Blutzuckerspiegel nach ihrem Verzehr weniger stark ansteigt als beim Verzehr von zuckerhaltigen Lebensmitteln/Getränken.“

Kuriose Nebenrolle

Erschrecken Sie nicht, wenn Sie im Internet einen Hinweis auf Erythrit als „tödlichen Süßstoff“ finden. Die Panik-Meldung hat folgenden Hintergrund: Ein Schüler fand beim Experimentieren zufällig heraus, dass Fruchtfliegen sich begeistert an Erythrit-haltigen Lösungen laben, danach aber umgehend sterben. Die Schlussfolgerung daraus: Erythrit eignet sich als wirksames Insektizid! Tödlich für Insekten, für den Menschen völlig ungefährlich.

Auf einen Blick:

  • Erythrit ist mit nur 20 Kalorien pro 100 Gramm sehr kalorienarm.
  • Es hat eine milde Süße, die ungefähr 70 Prozent der Süßkraft von normalem Haushaltszucker aufweist.
  • 90 Prozent des verzehrten Erythrits nimmt der Körper über den Dünndarm auf. Der Blutzuckerspiegel steigt nicht an, der Stoff wird mit dem Urin unverändert ausgeschieden. 10 Prozent gelangen in den Dickdarm. Empfindliche Menschen reagieren mit Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall. Wichtig daher der Warnhinweis für Produkte, die mehr als 10 Prozent Erythrit enthalten:  „Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken.“
  • Auch wenn es sogar Erythrit in Bioqualität gibt: eine wirklich gesunde Alternative zum derzeit zu hohen Zuckerkonsum ist nur die Umstellung der gesamten Ernährung auf „weniger süß“.

Weitere Teile der Serie „Zuckersüßes Beratungswissen“ finden Sie hier!