Zuckersüßes Beratungswissen
Traubenzucker, Fruchtzucker, Milchzucker, Birkenzucker – wer regelmäßig einen Blick auf die Zutatenliste von Lebensmitteln wirft, merkt schnell, dass es viele Möglichkeiten gibt, Speisen zu versüßen. Wie sich die verschiedenen Zucker- und Süßstoffarten unterscheiden und welche Vor- und Nachteile sie jeweils haben, erfahren Sie in dieser Serie. 
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Erythrit – keine Kalorien, also auch keine Nachteile?

Silberlöffel voll Zucker über einer Tasse Tee
Erythrit ist ein beliebter Zuckerersatz, da er kaum Kalorien enthält. | Bild: Andreas / AdobeStock

Erythrit gehört wie beispielsweise Sorbit, Xylit und Mannit von seiner chemischen Struktur her zu den Zuckeralkoholen. Man kann durchaus von einem Naturstoff sprechen.

Denn Erythrit wird nicht nur als Zuckeraustauschstoff von der Lebensmittelindustrie verwendet, sondern kommt – in geringen Mengen – auch in einigen Obstsorten vor, zum Beispiel in Birnen, Weintrauben, Melonen und Pflaumen, aber auch in fermentierten Lebensmitteln wie Sojasoße, Bier und Käse.

Erythrit ist nicht „naturrein“

Für den Einsatz von Erythrit als Süßungsmittel greift man jedoch nicht auf diese natürlichen Quellen zurück: Für die Lebensmittelindustrie am kostengünstigsten und damit gebräuchlichsten ist es, Erythrit aus stärkehaltigen Pflanzen, in der Regel Mais, zu gewinnen.

In diesem industriellen Prozess wird Stärke enzymatisch in Saccharose und Glucose aufgespalten und dann mithilfe von Mikroorganismen (Pilze, Hefen) in Erythrit umgewandelt.  

Im Supermarktregal stößt man auf Erythrit-Produkte mit der Aufschrift: „Ursprungsmaterial Mais aus der EU, ohne Gentechnik“ – eine Art von Vertrauenswerbung. 

Bei der Weiterverarbeitung des Ursprungsmaterials ist jedoch davon auszugehen, dass dies heutzutage mit gentechnisch veränderten Organismen erfolgt, die in der Regel nicht kennzeichnungspflichtig sind.

Erythrit zum Gebrauch in der Küche

Erythrit besticht vor allem durch seine geschmacklichen und physikalischen Eigenschaften. Es schmeckt mild süß ohne ausgeprägten Eigengeschmack, wie ihn manch anderer Zuckeraustauschstoff aufweist. 

Die Substanz liegt, ähnlich wie normaler Haushaltszucker (Saccharose), als gut rieselndes weißes Pulver oder auch in Kristallform vor. Sie ist im Gegensatz zu Saccharose jedoch nicht hygroskopisch, nimmt also keine Feuchtigkeit aus der Umgebung auf und bildet deshalb keine Klumpen. Dennoch löst sich Erythrit in Wasser (was die Verarbeitung erleichtert), allerdings weniger gut als Zucker. 

Im Vergleich zum Haushaltszucker liegt seine Süßkraft bei 50 bis 70 Prozent, sodass keine Unmengen nötig sind, um dieselbe Süße zu erreichen. Der Energiegehalt beträgt nur 20 Kilokalorien pro 100 g und damit einen Bruchteil von Saccharose.  

Erythrit ist hitzestabil und eignet sich auch zum Backen. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass durch die schlechtere Löslichkeit Kristalle im Teig zurückbleiben können. Besser ist es daher, zum Backen eine Pulvervariante zu wählen oder einen Mix mit dem Zuckeraustauschstoff Xylit.

Erythrit ist kalorienarm und zahnfreundlich

Im menschlichen Körper verhält Erythrit sich freundlich. Mit nur 20 Kalorien pro 100 g ist es extrem kalorienarm, womit es unter allen Zuckeralkoholen eine Sonderstellung einnimmt. Zum Vergleich: Sorbit, Xylit, Maltit & Co. haben ca. 240 Kalorien, Haushaltszucker gut 400 Kalorien pro 100 g, also mehr als das 20-Fache.

Die Mundbakterien können Erythrit nicht zerlegen und es entstehen keine kariesfördernden Säuren. Das schont die Zähne und soll, ähnlich wie Xylit, bei längerer Anwendung sogar zahnpflegend wirken. 

Allerdings soll das Mundgefühl beim Verzehr von Erythrit etwas gewöhnungsbedürftig sein, ein leicht kühlender Effekt wird beschrieben.

Abführende Wirkung von Erythrit ab 70 g pro Tag

Die Resorption von Erythrit erfolgt zu 90 Prozent im Dünndarm, es wird unverändert und, ohne dass der Blutzuckerspiegel ansteigt, über die Nieren ausgeschieden. Nur sehr geringe Mengen gelangen in den Dickdarm, wo es infolge der bakteriellen Zersetzung vor allem bei empfindlichen Personen zu schmerzenden Blähungen kommen kann. 

Im Vergleich zu den anderen Zuckeralkoholen wie Sorbit, Xylit oder Maltit wird Erythrit jedoch in der Regel sehr gut vertragen, selbst wenn größere Mengen verzehrt werden. Erst ab einer Dosis von 70 g pro Tag kann es zu Durchfällen kommen. Im Vergleich: Mannit und Isomalt wirken meist schon ab 10 g pro Tag abführend.

Dennoch gilt auch für Erythrit ebenso wie für die anderen Zuckeralkohole: Beträgt der Erythrit-Anteil in einem Lebensmittel mehr als zehn Prozent, muss das Produkt den Hinweis tragen: „Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken.“

Erythrit-Vielfalt zu hohen Preisen

Erythrit kommt unter verschiedenen Namen in den Handel. In Deutschland wird es zum Beispiel vertrieben als Sera, Serapur, Sukrin, Erylite, SweetCare Natursüße, Erythrol, Neue Süße, Sucolin, Xucker Light, sweetERY, Eryfly, Wiezucker Diät. 

Man findet es im Supermarktregal beim Zucker und anderen Süßungsmitteln und erhält es darüber hinaus in Reformhäusern, Drogeriemärkten und auch in Internet-Shops. 

Erythrit ist nicht gerade kostengünstig: Je nach Vertriebsweg und Produkt variieren die Preise. Im Schnitt muss der Verbraucher aber etwa mit dem Zehnfachen im Vergleich zu Haushaltszucker rechnen. Man sollte sich also überlegen, wie viel einem das Kaloriensparen wert ist.

Erythrit in Bioqualität

Während die Süßungsmittel Stevia und Xylit nicht in Bioprodukten eingesetzt werden dürfen, hat Erythrit diesen Sprung geschafft: Die EU-Kommission hat den Zuckeraustauschstoff im Biobereich ausdrücklich erlaubt. Voraussetzung ist die Verwendung von Biomais aus ökologischem Landbau als Ausgangsmaterial.  

Manche Ökoverbände lehnen jedoch Süßungsmittel aus Überzeugung ab. Sie halten die künstliche Süßkraft, die erst durch einen industriellen Umbau von Stärke mithilfe von Mikroorganismen erzeugt wird, für unnatürlich und für unvereinbar mit dem Anspruch an ein naturreines Produkt.

Neue Leichtigkeit mit Erythrit?

Als „kalorienfreie Alternative für Gesundheitsbewusste“, als Mittel für „nachhaltiges Wohlbefinden“, für das „der Körper dankt“, wird Erythrit in der Werbung beschrieben. 

Wer sich ernsthaft mit gesunder Ernährung auseinandersetzt, erkennt schnell: Gesundheitsbewusstsein misst sich nicht daran, Zucker durch Zuckeraustauschstoffe zu ersetzen, sondern seine Ernährung insgesamt auf „weniger süß“ umzustellen. 

Aus gesundheitlichen Gründen ist Erythrit deshalb für so gut wie niemanden erforderlich, auch nicht für Diabetiker. 

Zwei „Health Claims“ für Erythrit

Gesundheitsbezogene Werbeaussagen wie „gesünder als Zucker“ oder „pflegt die Zähne“ sind auf Produkten, die Erythrit enthalten, nicht erlaubt. Grundsätzlich sind Aussagen, die sich auf die Gesundheit beziehen, auf Lebensmitteln nur erlaubt, wenn sie der „Health-Claim-Verordnung“ der EU entsprechen. 

So sollen Verbraucher in der gesamten EU vor irreführenden und wissenschaftlich nicht belegten Aussagen geschützt werden. Für Erythrit gibt es zwei „Health Claims“, die ausdrücklich erlaubt sind:

  • „Der Verzehr von Lebensmitteln/Getränken, die anstelle von Zucker Erythrit enthalten, trägt zur Erhaltung der Zahnmineralisierung bei.“
  • „Der Verzehr von Lebensmitteln/Getränken, die anstelle von Zucker Erythrit enthalten, bewirkt, dass der Blutzuckerspiegel nach ihrem Verzehr weniger stark ansteigt als beim Verzehr von zuckerhaltigen Lebensmitteln/Getränken.“

Auf einen Blick:

  • Erythrit ist mit nur 20 Kalorien pro 100 g sehr kalorienarm.
  • Es hat eine milde Süße, die 50 bis 70 Prozent der Süßkraft von normalem Haushaltszucker aufweist.
  • 90 Prozent des verzehrten Erythrits nimmt der Körper über den Dünndarm auf, weshalb der Blutzuckerspiegel nicht ansteigt.
  • Empfindliche Menschen können mit Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall reagieren. Deshalb müssen Produkte, die mehr als zehn Prozent Erythrit enthalten, den Hinweis tragen: „Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken.“
  • Auch wenn es sogar Erythrit in Bioqualität gibt: Eine wirklich gesunde Alternative zum derzeit zu hohen Zuckerkonsum ist nur die Umstellung der gesamten Ernährung auf „weniger süß“.
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