Wie wirken Probiotika?

 

Bild: Giovanni Cancemi

Aktuell ist davon auszugehen, dass Probiotika (von außen zugeführt) nicht in der Lage sind, sich dauerhaft im Darm anzusiedeln. Das liegt z. B. daran, dass die Zusammensetzung der Darmmikrobiota sehr stabil ist und nicht kurzfristig verändert werden kann. Um zu wirken, müssen Probiotika dauerhaft zugeführt werden, mindestens so lange, wie die Störung des mikrobiellen Gleichgewichts im Darm besteht 15.

Wirkweise von Probiotika: direkt und indirekt

Lange vermutete man, dass Probiotika vor allem einen Einfluss auf die Darmmikrobiota haben und somit die Gesundheit indirekt beeinflussen.

Heute gehen Wissenschaftler jedoch davon aus, dass Probiotika direkt auf bestimmte Körperzellen im Darm wirken. Vermutet wird, dass Probiotika beispielsweise Epithelzellen, Immunzellen oder auch Nervenzellen des Darms modulieren. Möglicherweise können Probiotika auch helfen, die Wiederherstellung einer intakten Darmmikrobiota zu unterstützen, wenn das mikrobielle Gleichgewicht gestört ist – etwa durch Erkrankungen oder Medikamente.

Die molekularen Wirkungen von Probiotika sind komplex. Hinzu kommt, dass die Wirkung von Probiotikum zu Probiotikum verschieden ist. Nicht jedes Probiotikum weist alle Wirkungen auf. Medizinische und ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse von einem Probiotikum sind also nicht ohne Weiteres auf andere Probiotika übertragbar.

Grundsätzlich lassen sich drei verschiedene Wirkprinzipien unterscheiden, die jedoch nicht alle Probiotika gleichermaßen erbringen 16.

  1. Direkter Einfluss auf andere Mikroorganismen (gesunde und auch krankmachende Keime im Darm)
  2. Modulation des Immunsystems
  3. Wirkung auf mikrobielle Produkte und Nahrungsbestandteile

Manche Probiotika können mit Rezeptoren im Darm interagieren und so beispielsweise die Freisetzung von Entzündungsmediatoren verhindern. Durch die Wechselwirkung zwischen den Zellen an der Oberfläche der Darmschleimhaut und dem Probiotikum können gleichzeitig auch vermehrt entzündungshemmende Substanzen freigesetzt werden. 

Probiotika: Wirkung gegen krankmachende Keime

Probiotika sind auch in der Lage, eine Reihe von Substanzen zu produzieren und vor Ort freizusetzen. Dazu zählen z. B. organische Säuren, Wasserstoffperoxid oder (niedermolekulare) antibiotisch wirksame Substanzen. Die produzierten Säuren können eine lokale Absenkung des pH-Wertes bewirken, wodurch erwünschte Mikroorganismen einen Vorteil gegenüber unerwünschten (pathogenen) Keimen haben können. Zum anderen wirken sie sich vermutlich auf die Darmmotilität (Darmbewegung) aus.

Des Weiteren können sich Probiotika an die Darmoberfläche anheften. Dadurch konkurrieren sie mit krankmachenden Keimen und Stoffen (Pathogenen) um Bindungsplätze und verhindern deren Eindringen in die Darmzellen.

Merke:

Probiotika haben immunmodulatorische, antimikrobielle, antiinvasive und antitoxische Effekte

Probiotika: für jeden geeignet?

Die Einsatzbereiche von Probiotika (und auch Präbiotika) sind vielfältig. Sie werden bereits seit Jahrzehnten weltweit ohne ersichtliche Nebenwirkungen oder negative Folgen angewendet, weshalb sie in der Allgemeinbevölkerung generell als „sicher“, das heißt gesundheitlich unbedenklich angesehen werden 17.

Einschränkungen für den Einsatz von Probiotika

Vorsicht ist jedoch bei einigen Patientengruppen geboten, da sich hier vereinzelt nachteilige Effekte durch die Anwendung von Probiotika gezeigt haben. Dies wurde zum Beispiel bei Patienten mit akuter Bauchspeicheldrüsenentzündung beobachtet. Auch bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem sollte eine Verabreichung von Probiotika immer durch den behandelnden Arzt abgewogen und beaufsichtigt werden. Beispiele hierfür sind Patienten, die mit Immunsuppressiva ( z. B. oralen Glukokortikoiden) behandelt werden.