Was Apotheken für den Klimaschutz tun können

Auch in der Apotheke kann aktiv zum Klimaschutz beigetragen werden.
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Licht aus, Stecker raus, zu Fuß nach Haus – für den Umweltschutz kann jeder Einzelne etwas tun. Und auch Apotheken können als Unternehmen einiges dazu beitragen, um den CO2-Ausstoß zu senken und die Müllvermeidung voranzutreiben. Welche Maßnahmen dazu zählen und wie Sie dabei sogar Spaß haben können, verraten wir Ihnen in diesem Artikel!

Spätestens seitdem die „Fridays for Future“-Bewegung sämtliche Medien erreicht hat, ist Umweltschutz auch in der Gesundheitsbranche ein relevantes Thema. So meldet sich sicherlich bei dem einen oder anderen Apothekenmitarbeiter das schlechte Gewissen, wenn er oder sie am Tag das zehnte paar Einweghandschuhe entsorgt, stapelweise ausgedruckte Dokumentationen abheftet, die Heizung im Winter wegen der ständig offenen Tür etwas höher dreht oder am Wareneingang ein Gebirge von Verpackungsmüll und Werbeflyern anlegt. An vielen Stellen sind hier den Gesundheitsdienstleistern – aufgrund von gesetzlichen Vorgaben und Regularien – die umweltfreundlichen Hände gebunden. Doch es gibt darüber hinaus zahlreiche kreative Ideen, um auch als Apotheke etwas zum Umweltschutz beizutragen. Hier einige Anregungen.

Stecker raus

Für den normalen Apothekenbetrieb sind zahlreiche elektrische Geräte notwendig. Während Kühlschrank, Server und Reinraumlüftungsanlagen in der Regel kontinuierlich betrieben werden müssen, können Bildschirme, Kassen, Drucker und Rührgeräte bei Nicht-Verwendung abgeschaltet werden. Da viele Geräte auch dann Strom verbrauchen, wenn sie eigentlich ausgeschaltet sind, sollten am besten die Stecker gezogen oder Steckdosenleisten mit Schalter verwendet werden.

Beleuchtung modifizieren

Viele Betriebsräume, wie z. B. Lager, Toiletten oder Flur, werden nicht dauerhaft genutzt. Um diese nur bei Bedarf zu beleuchten, bietet sich die Installation von Bewegungsmeldern an. Diese verhindern z. B., dass über Nacht ein vergessenes Licht an bleibt, und reduzieren den Stromverbrauch auf das Nötigste. In Räumen mit dauerhafter Nutzung kann durch die Verwendung von LED-Lampen, nach Angaben der Verbraucherzentrale, der Stromverbrauch um ca. 84 Prozent gegenüber Glühbirnen, um knapp 77 Prozent gegenüber Halogenlampen und um etwa 20 Prozent im Vergleich zu Energiesparlampen gesenkt werden.

Auch bei der Beleuchtung außerhalb der Betriebsräume bzw. im Schaufenster lohnt es sich, einmal genauer hinzusehen. Hier kann der Stromverbrauch durch Bewegungsmelder, LED-Lampen und Zeitschaltuhren an den tatsächlichen Bedarf angepasst und so finanzielle Einsparungen realisiert werden.

Hinweis: Um noch mehr für das Klima zu tun, können die so erzielten Einsparungen des Unternehmens beispielsweise in die Umstellung auf Ökostrom investiert werden.

Papierlos faxen

Beinahe nostalgisch mutet es an und ist doch in jeder Apotheke zu finden: Das Faxgerät. Dieses „Relikt aus früheren Zeiten“ ist für den Apothekenbetrieb (z. B. für eine rasche Rezeptübermittlung vom Arzt) nach wie vor nicht wegzudenken. Doch dank Digitalisierung kann die damit einhergehende Papierflut mittlerweile eingedämmt werden: Denn heutzutage lassen sich Faxe bequem in das E-Mail-Postfach (Achtung: Datenschutz beachten!) oder einen Netzwerkordner weiterleiten und somit Papier und bares Geld sparen.

Frühjahrsputz in Onlinespeichern

Apropos E-Mail-Postfach: Wussten Sie, dass durch das Löschen von E-Mails ganz einfach CO2 eingespart werden kann? Da Mailserver für die Übermittlung und Speicherung von Nachrichten kontinuierlich Strom benötigen, kann dauerhaftes Löschen (Achtung: nicht Verschieben in den Papierkorb!) zum Klimaschutz beitragen. Laut Mailanbieter mail.de könnten durch tägliches Löschen von 11 E-Mails pro Person, jährlich rund 91.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Also vielleicht gleich mal gemeinsam das Apotheken-Postfach aufräumen!

Hinweis: Das gilt auch für alle anderen Daten (Bilder, Dokumente und Co.) in Cloudspeichern. CO2-freundlicher wäre daher die Ablage auf externen Datenträgern.

Papier wechseln und sparen

Für Dokumente, die eine Aufbewahrung in Papierform verlangen, bietet sich der doppelseitige Druck (am besten Duplex als Standardeinstellung festlegen) sowie die Verwendung von Recyclingpapier an. Denn laut Umweltbundesamt können durch die Umstellung auf Recyclingpapier etwa 50 Prozent Energie und rund 67 Prozent Wasser eingespart werden. Um bei der Papierauswahl auch wirklich umweltfreundlich zu handeln, bietet die Verbraucherzentrale eine Übersicht über empfehlenswerte Umweltsiegelfür Papierprodukte an.

Hinweis: Auch Küchenrolle, Toilettenpapier und Geschenkpapier sind als Recyclingprodukte erhältlich.

Um darüber hinaus den Papierverbrauch zu reduzieren, können beispielsweise in der Toilette kleine Stoffhandtücher oder Handtuchrollen verwendet werden. Diese sind bei regelmäßigem Wechsel hygienisch und gleichzeitig nachhaltiger als Einwegtücher.

Nur nutzen, was benötigt wird

Nicht nur in Sachen Papiermüll stehen Apotheken vor einer besonderen Herausforderung. Auch zahlreiche andere Einwegartikel haben ihren festen Platz im Arbeitsalltag. So fallen täglich Handschuhe, Schutzausrüstung, Gefäße und Verpackungsmaterialien an. Um die Auswirkungen auf die Umwelt so gering wie möglich zu halten, sollte nur benutzt werden, was unvermeidlich ist, und Wert auf eine korrekte Mülltrennung gelegt werden.

Hinweis: Mit speziellen Recyclingprojekten können Rohstoffe zurück in den Kreislauf geführt werden. Diese sind derzeit zum Beispiel für leere Stifte jeder Art, aber auch für  Einmalhandschuhe und Einmalschutzanzüge von KIMTECHTM verfügbar. Die Teilnahmebedingungen und Annahmestellen finden Sie unter www.terracycle.de .

Klimafreundliche Mobilität

Zu guter Letzt können Apotheken auch den verkehrsbedingten CO2-Ausstoß auf mehreren Wegen verringern: Sei es durch eine reduzierte Lieferfrequenz des Großhandels, die Bereitstellung von Dienstfahrrädern für die Mitarbeiter, E-Mobilität (Bikes, Roller, Autos) für den Botendienst oder die Möglichkeit auf – das für Apotheken wohl eher exotisch erscheinende – Homeoffice. Zugegebenermaßen ist Letzteres in der Apotheke nicht dauerhaft zu realisieren, doch könnten Aufgaben wie Rezeptkontrolle, Aktionsplanung, QMS (Qualitätsmanagementsystem) und Dienstplanerstellung Tätigkeiten für ein tageweises Homeoffice sein.

Hinweis: Für alle Bereiche, in denen ein klimaneutrales Handeln nicht realisierbar ist, bietet die CO2-Kompensation eine Alternative. Dabei lässt sich durch finanzielle Förderung verschiedenster Klimaprojekte die selbstverursachte CO2-Menge ausgleichen. Wie hoch die verursachte Menge konkret ist, lässt sich mit CO2-Rechnern (z. B. vom Umweltbundesamt  oder unter eingutertag.org) rasch ermitteln.

Durch Wettbewerb Spaß am Klimaschutz

Wer Maßnahmen zum Klimaschutz umsetzt, kann damit auch seine Außenwirkung positiv beeinflussen. Zum Beispiel mit dem „Klimaretter-Award“. Dieser wird zweimal jährlich von der gemeinnützigen Stiftung viamedica an die besten teilnehmenden Unternehmen des Projektes Klimaretter-Lebensretter verliehen. Das Projekt wurde speziell für die CO2-Vermeidung in der Gesundheitsbranche ins Leben gerufen. Mit Hilfe dieses Projekts können Unternehmen ihre Mitarbeiter für den Klimaschutz sensibilisieren und sich mit anderen Unternehmen der Branche hinsichtlich der CO2-Ersparnis vergleichen. Auch teilnehmende Mitarbeiter können über das Projekt auf spielerische Weise den „CO2-Wettkampf“ aufnehmen.

Nadine Y. Sprecher
Apothekerin, Redakteurin PTAheute.de
onlineredaktion@ptaheute.de