PTA Onkologie DGOP

Die PTA-Weiterqualifizierung im Bereich Zytostatika

Rezepturen zählten schon während der PTA-Ausbildung zu den Lieblingsaufgaben von Lara Klumpp. Also bildete sie sich weiter und darf heute die Zusatzbezeichnung PTA Onkologie DGOP tragen.

Foto: M. Weinbrenner

Den ganzen Tag vermummt in einem Sterillabor zu sitzen, gefilterte Luft einzuatmen und Zytostatika herzustellen – diese Vorstellung erscheint wohl den wenigsten Menschen besonders verlockend. Doch dass das aseptische Arbeiten ein attraktiver, verantwortungsvoller Arbeitsbereich für PTA sein kann, durften wir in der Offenburger Schwarzwald-Apotheke erfahren. Dort konnten wir einen Blick in die aseptische Herstellung werfen und eine PTA mit der Zusatzbezeichnung Onkologie DGOP begleiten.

Lara Klumpp ist PTA in der Schwarzwald-Apotheke im baden-württembergischen Offenburg. Schon während ihrer Ausbildung im PTA-Praktikum gehörte die Anfertigung von Rezepturarzneimitteln zu ihren Lieblingsaufgaben. Und gleich nach Abschluss ihres PTA-Praktikums bekam sie die Möglichkeit, in einem nicht ganz alltäglichen Aufgabengebiet einer PTA zu arbeiten: dem Sterillabor.

„Überhaupt nicht mit dem Arbeiten in Rezeptur und Labor zu vergleichen“

Die Arbeitsabläufe beim Zubereiten einer aseptischen Lösung sind mehr oder weniger immer gleich – ganz unabhängig davon, ob nun ein Zytostatikum, eine Schmerzlösung oder eine Lösung zur parenteralen Ernährung hergestellt wird. Trotzdem gestalten sich die Arbeitstage der PTA sehr unterschiedlich: „An Wochentagen, an denen viele Verordnungen kommen, liegt mein Schwerpunkt in der Herstellung der Zubereitungen. An Tagen, an denen nicht so viel hergestellt werden muss, bin ich aber auch gerne im Handverkauf tätig oder stelle „normale“ Rezepturen her“, so die PTA. Sie gibt zu, dass sie sich am Anfang schon sehr unsicher im Sterillabor gefühlt hat. „Die Tätigkeit dort ist überhaupt nicht mit dem Arbeiten in Rezeptur und Labor zu vergleichen.“ Aber die Kolleginnen haben sich immer intensiv um sie gekümmert und viel geholfen habe auch das Vier-Augen-Prinzip bei der Herstellung. Letztendlich ist es wie bei allen Tätigkeiten: Je öfter man es macht, umso besser geht es.

Zusammenarbeit von PTA, PKA und Apothekern gefragt

Zunächst kommt immer per Fax die Verordnung für eine Patientin oder einen Patienten. Eine Apothekerin kontrolliert die Dosierung, welche bei Zytostatika oft nach der Körperoberfläche berechnet wird. Auch die Plausibilitätsprüfung wird von einer Apothekerin durchgeführt. Währenddessen werden in der Praxis die Blutwerte des Patienten kontrolliert. Nur, wenn diese in Ordnung sind, gibt die Praxis das Okay für die Herstellung.

Ist der Anruf aus der Praxis erfolgt, stellt eine Apothekerin alles für die Herstellung bereit, schreibt eine Herstellungsanweisung, ein Etikett und richtet die Wirk- und Hilfsstoffe. Die PTA stellt dann die Lösung nach Anweisung her. Neben der herstellenden PTA sitzt im Sterillabor der Schwarzwald-Apotheke immer eine PKA, welche anreicht und die Arbeitsschritte mitkontrolliert. „Wenn beispielsweise 150 ml Kochsalzlösung in einem Beutel vorgelegt werden müssen, eine Spritze aber nur ein Volumen von 50 ml hat, muss ich dreimal 50 ml aufziehen, um 150 ml vorzulegen. Die PKA zählt dann mit, dass ich auch dreimal aufziehe. Es kann schließlich immer einmal passieren, dass man aus irgendwelchen Gründen abgelenkt wird“, erklärt Lara Klumpp.

Wenn die Zubereitung fertig ist, wird sie durch eine Schleuse an die Apothekerin übergeben. Diese vergleicht dann noch einmal die Zubereitung mit dem Protokoll, die Dosierung, prüft, ob das Infusionsbesteck korrekt und alles wirklich dicht verschlossen ist. Abschließend verpackt sie die Zubereitung in eine Transportbox und lässt sie zur jeweiligen Arztpraxis liefern. Die Apothekerinnen übernehmen auch die Beratung der Patienten, die Kommunikation mit den Praxen und die Abrechnung der Rezepte mit der VSA.

Weiterqualifizierung zur PTA Onkologie DGOP

Nach rund einem halben Jahr fühlte sich die junge PTA sicher bei der Herstellung im Sterillabor. Und als ihr ihre Chefin Dr. Marion Weyandt-Spangenberg anbot, die Zusatzqualifikation Onkologie DGOP zu erwerben, war sie sofort Feuer und Flamme.

Lara Klumpp hat sich für eine Weiterqualifizierung bei der DGOP (Deutsche Gesellschaft für Onkologische Pharmazie) entschieden. Dort lernte sie in zwei Blöcken, die jeweils an einem Wochenende stattfanden, die Grundlagen der Onkologie und in einem Praxisteil den Umgang mit CMR-Stoffen. Daneben konnte sie auch die validierte Herstellung und den Einsatz des Spillkits üben. Das gab ihr viel Sicherheit im Sterillabor, und sie lernte auch die Hintergründe der einzelnen Erkrankungen kennen und einschätzen.

Im zweiten Block ging es dann um die spezielle Ernährung bei Krebs sowie die Bearbeitung verschiedener Therapieschemata. Auch der Umgang mit Patienten und Angehörigen sowie die Ermittlung der Dosierungen gehörten zur Weiterbildung. Für die Abschlussprüfung musste sie ein Thema ausarbeiten und einem Prüfungsausschuss in einer Präsentation vorstellen. Voraussetzung für die Zulassung zur Prüfung waren etwa ein Jahr Erfahrung im Sterillabor und 100 aseptische Zubereitungen. Nach erfolgreich bestandener Prüfung trägt sie nun die Zusatzbezeichnung PTA Onkologie DGOP.

PTA Onkologie DGOP

Informationen über die Voraussetzungen und die Erlangung der Zusatzbezeichnung „PTA Onkologie DGOP“ erhalten Sie HIER!

Spezialisierung als Zugang zu verantwortungsvollen Aufgabengebieten

Die Schwarzwald-Apotheke in Offenburg ist eine Onkologie Kompetenz Apotheke (Fachapotheke für Krebspatienten), und zwar nicht zuletzt deshalb, weil die PTA und Apothekerinnen sich regelmäßig fort- und weiterbilden. Auch die Pharmazeutisch-technische Assistentin Lara Klumpp empfiehlt jeder Kollegin und jedem Kollegen, sich in dem Fachgebiet weiterzubilden, in dem sie oder er am liebsten arbeitet. So kann sich jeder ein verantwortungsvolles Aufgabengebiet in der Apotheke erarbeiten, und das gesamte Team und vor allem die Patienten profitieren von der individuellen Fachkompetenz aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Neben der DGOP bieten auch andere Institutionen wie beispielsweise die Landesapothekerkammern Kurse und Schulungen zum sterilen Arbeiten – insbesondere zur Herstellung von Zytostatika – an. Die erworbenen Qualifikationen sollten in jedem Fall kontinuierlich erweitert und regelmäßig aufgefrischt werden. Der Besuch in der Schwarzwald-Apotheke hat uns gezeigt: Arbeiten im Sterillabor ist nicht nur die Zubereitung steriler Lösungen, sondern ein attraktiver, verantwortungsvoller Arbeitsbereich für PTA!

Wir bedanken uns bei der Schwarzwald-Apotheke in Offenburg, insbesondere bei PTA Lara Klumpp, für die tolle Zusammenarbeit und das nette Interview!

Cornelia Neth
PTA, Chefredakteurin PTAheute.de, Leitung der Online-Redaktion
onlineredaktion@ptaheute.de