Pregabalin – erhöhte Wachsamkeit gefordert

PTAheute-Serie: Vorsicht Missbrauch!

Typische Symptome eines Missbrauchs von Pregabalin sind Atemnot, Unruhe, Halluzinationen, Aggressionen und epileptische Anfälle.
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Als Weiterentwicklung von Gabapentin ist Pregabalin in der EU seit 2004 zur Behandlung von Epilepsie, neuropathischen Schmerzen und generalisierten Angststörungen zugelassen. Wie sich im Laufe der Zeit jedoch herausstellte, weist der Wirkstoff ein hohes Abhängigkeitspotential auf. In der Apotheke ist daher erhöhte Wachsamkeit erforderlich.

Wie wirkt Pregabalin?

Pregabalin hemmt im zentralen Nervensystem die Freisetzung der Neurotransmitter Glutamat und Noradrenalin sowie des Neurokinins Substanz P. Es sorgt so für eine entspannende, leicht sedierende Wirkung und senkt die Krampfneigung. Die maximale Tagesdosis bei bestimmungsgemäßem Gebrauch beträgt 600 mg.

In der Drogenszene wird der Wirkstoff in deutlich höheren Dosen von bis zu 7500 mg pro Tag konsumiert. In dieser überhöhten Dosierung zeigt Pregabalin auch euphorisierende Wirkungen, es führt zu einem „Kick“. Dabei muss, wie auch bei anderen abhängigkeitserzeugenden Substanzen, die Dosis immer weiter gesteigert werden, um eine gleichbleibende Wirkung zu erzielen.

Gefahr droht unter anderem durch Mischkonsum

Typische Symptome eines Missbrauchs von Pregabalin sind Atemnot, Unruhe, Halluzinationen, Aggressionen und epileptische Anfälle. Dies führt unter anderem zu einer erhöhten Unfallgefahr. Da die Substanz häufig gemeinsam mit Alkohol und anderen Drogen eingenommen wird, steigt die Gefahr von lebensbedrohlichen Überdosierungen. Die Meldungen von Todesfällen unter Beteiligung von Pregabalin nahmen in den letzten Jahren kontinuierlich zu. In einigen Fällen kann von einer suizidalen Absicht ausgegangen werden.

Wie kommen Süchtige an den Wirkstoff?

Neben Medikamentendiebstahl und illegalem Verkauf über Dealer versuchen Süchtige auch immer wieder, Rezepte zu erschleichen. Dabei ist das sogenannte „Ärzte-Hopping“ keine Seltenheit: Patienten „sammeln“ Verordnungen von verschiedenen Ärzten, ohne den jeweiligen Arzt über den Besuch anderer Praxen zu informieren.

Die Problematik erfordert ein verantwortungsvolles Verschreibeverhalten der Ärzte, z. B. sollte Pregabalin möglichst nicht für Patienten eingesetzt werden, die bereits eine Suchtproblematik in der Vorgeschichte haben. Auch von PTA und Apothekern ist eine erhöhte Wachsamkeit gefordert. Sollte der Verdacht auf Missbrauch aufkommen, besteht die Möglichkeit, die Abgabe des Medikaments zu verweigern.