Wie werden Schürfwunden optimal versorgt?

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Spezielle Wundsalben oder Pflaster schirmen die kaum bis wenig blutenden Schürfwunden nach außen ab und ermöglichen ein schnelles und unkompliziertes Abheilen.
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Einmal gestürzt, gestolpert oder ausgerutscht und schon prangt auf dem Knie oder Ellenbogen eine stattliche Schürfwunde. Zwar handelt es sich bei diesen Blessuren nur um oberflächliche Wunden, dennoch können diese  schmerzhaft sein und sich bei unzureichender Versorgung sogar infizieren. Welche Maßnahmen bei Schürfwunden zu ergreifen sind, lesen Sie deshalb hier.

Reinigung der Wunde

Um eine Infektion zu vermeiden, muss die Wunde gründlich gereinigt werden. Derjenige, der die Versorgung übernimmt, sollte sich zunächst sorgfältig die Hände waschen und nach Möglichkeit Einmalhandschuhe tragen. Zur Reinigung eignen sich Wundspüllösungen oder -reinigungssprays, wie z. B. die Prontosan® Wundspüllösung oder das MediGel® Wundreinigungsspray. Sind diese im Akutfall nicht zur Hand, kann zur Not auch sauberes Leitungswasser verwendet werden. Eine Untersuchung aus 2008 kam zu dem Schluss, dass dadurch kein signifikant erhöhtes Infektionsrisiko für die Wunde besteht.

Desinfektionsmittel verzögern aufgrund ihrer zelltoxischen Wirkung die Wundheilung. Sie sollten deshalb nur bei infizierten Wunden und nur einmalig eingesetzt werden. Wurde eine Schürfwunde gründlich gereinigt, ist der Einsatz eines Desinfektionsmittels in den meisten Fällen nicht nötig. Falls doch, eignet sich z. B. das Octenisept® Wund-Desinfektion Spray.

Übrigens...

In einem FAQ geht der Octenisept-Hersteller Schülke auch auf die Frage nach einer gestörten Wundheilung ein. Dort geht es aber um eine „Elektrolytverschiebung im Wundmilieu“ und die Frage ob es damit zu einer Störung der Wundheilung kommt? Die Antwort lautet „nein“. Auch wenn octenisept® farblos nicht isotonisch ist, sei nicht zu erwarten, dass wichtige Salze und Elektrolyte in der Wunde negativ beeinflusst werden: „Störungen der Wundheilung bei wiederholter, zeitlich befristeter Anwendung sind uns bisher nicht bekannt“, so der Hersteller. (dm)

Wann zum Arzt?

Sollten sich kleine Steinchen oder Splitter in der Wunde festgesetzt haben, können diese vorsichtig mit einer sterilen Pinzette entfernt werden. Ist dies nur schwer möglich, weil die Splitter besonders tief oder fest sitzen, sollte das Entfernen einem Arzt überlassen werden. Ärztliche Hilfe sollte außerdem dann eingeholt werden, wenn sich durch starke Schmerzen, Schwellung oder Fieber Anzeichen einer Infektion bemerkbar machen. Auch Schürfwunden, die sich in unmittelbarer Nähe zu den Augen befinden, sollten vorsichtshalber von einem Arzt versorgt werden.

Da muss Luft ran – oder doch nicht?

Die frühere Lehrmeinung, Wunden müssten an der Luft abtrocknen und heilen, gilt als überholt. Heute wird stattdessen empfohlen, mit einem feuchten Wundklima optimale Bedingungen für das Abheilen der Wunde zu schaffen. Die feuchte Wundheilung bringt weitere Vorteile mit sich: Es bildet sich keine Kruste, die unter Umständen jucken und die Bewegungsfreiheit einschränken könnte. Zudem ist das Risiko einer Narbenbildung minimiert. In der Behandlung infizierter und chronischer Wunden hat sich das Prinzip der feuchten Wundheilung bereits etabliert. Zur Versorgung kleinerer, umkomplizierter Wunden, wie z. B. der Schürfwunden, ist sie noch nicht so weit verbreitet – obwohl auch hier die Vorteile auf der Hand liegen.

Zur Erinnerung: Feuchte Wundheilung – was ist das?

Moderne Materialien wie z. B. Hydrokolloide oder Alginate schirmen die Wunde nach außen ab und schützen sie so vor dem Eindringen von Erregern. Sie saugen gerade so viel Wundsekret auf, dass die Wundränder durch überschüssige Flüssigkeit nicht aufquellen können (dadurch wäre das Infektionsrisiko erhöht), die Wunde aber auch nicht austrocknet. In dem so entstandenen feuchten Wundklima können heilende Stoffwechselprozesse schneller ablaufen und sich neu gebildete Zellen besser bewegen. Die Wunde heilt deshalb deutlich schneller und mit einem geringeren Narbenbildungsrisiko als bei der trockenen Wundheilung unter Schorfbildung.

Spezielle Wundsalben, wie z. B. MediGel® Schnelle Wundheilung, können anfangs mehrmals täglich auf die kaum bis wenig blutenden Schürfwunden aufgetragen werden. Zum Schutz vor erneuter Verunreinigung sollte die mit der Wundsalbe versorgte Wunde zusätzlich mit einem einfachen Pflaster abgedeckt werden. Alternativ stehen auch spezielle Wundpflaster wie z. B. Hansaplast® Schnelle Heilung oder GoTac® Hydro Gel-Pflaster zur Verfügung. Sie sind in verschiedenen Größen erhältlich und ermöglichen einen schmerzlosen Verbandswechsel, da sie nicht mit der Wunde verkleben.

Pflaster zum Aufsprühen

Für kleine, oberflächliche Schnitt- oder Schürfwunden, die nicht mehr bluten oder nässen, sind auch Sprühpflaster im Handel – beispielsweise Flint® Sprühpflaster, Hansaplast® Sprühpflaster, Urgo® Sprühpflaster. Sie sind besonders für schwer zugängliche oder häufig bewegte Stellen geeignet. Allerdings bieten sie keinen mechanischen (polsternden) Schutz der Wunde.

Impfschutz überprüfen

Tetanus ist eine bakteriell verursachte Erkrankung, die zu heftigen Muskelkrämpfen führt und trotz Behandlung in einigen Fällen tödlich endet. Die Infektion ist schon über kleinste Wunden möglich. Auch bei Schürfwunden sollte deshalb der individuelle Impfstatus überprüft werden: Ist die letzte Tetanus-Auffrischungsimpfung länger als 10 Jahre her, muss sie erneuert werden.