Erster Antikörper gegen Migräne jetzt auch in Deutschland

Erenumab in Aimovig®

Bild: sebra / AdobeStock

Der erste Antikörper zur Prophylaxe der Migräne ist in der EU zugelassen worden. Erenumab in Aimovig® verfolgt ein völlig neues therapeutisches Prinzip und richtet sich gegen CGRP, Calcitonin-Gene-Related-Peptide. Ein wohl vielversprechender Ansatz, denn weitere Antikörper gegen diese Struktur stehen bereits in der Pipeline großer Pharmaunternehmen. Für wen eignet sich eine Migräne-Prophylaxe mit Erenumab, und wie wirkt das neue Arzneimittel?

In den Vereinigten Staaten war man etwas schneller, was die Zulassung von Erenumab in Aimovig® betrifft. Dort können bereits seit Mai 2018 Migräne-Patienten mit dem Antikörper behandelt werden. Nun hat Aimovig® auch die Zulassungshürden in der EU gemeistert. Nach einer Zulassungsempfehlung seitens der EMA im Juni dieses Jahres hat die Europäische Kommission diese jetzt erteilt. Aimovig® ist der erste Antikörper zur Prophylaxe der Migräne.

Welcher Migräne-Patient ist ein Kandidat für Erenumab?

Aimovig® darf zur Behandlung der episodischen und chronischen Migräne eingesetzt werden. Voraussetzung ist, dass die Migräne-Patienten an mindestens vier Tagen im Monat an Migräne leiden. Eine chronische Migräne liegt bei mehr als 15 monatlichen Migränetagen vor. Der Antikörper ist nur für Erwachsene zugelassen. Diese können, nach erfolgter Einweisung in die Injektionstechnik, Aimovig® auch selbst subkutan (unter die Haut) spritzen. Novartis, das forschende Pharmaunternehmen hinter Aimovig®, stellt Erenumab in einer Dosis von 70 mg zur Verfügung. Die Verabreichung erfolgt einmal pro Monat.

Wir wirkt Erenumab?

Erenumab trifft in der Migräne therapeutisches Neuland. Konzentrierten sich Ergotamine und Triptane auf das Serotonin-System, richtet sich Erenumab gegen den Rezeptor des Calcitonin-Gene-Related-Peptide und verhindert, dass CGRP diesen aktivieren kann. CGRP erweitert meningeale Gefäße und trägt so zum Migränekopfschmerz bei. Diese CGRP-Hypothese wird durch zwei Beobachtungen gestützt: Patienten weisen während einer Migräne-Attacke erhöhte Spiegel an CGRP auf. Zudem sind Injektionen mit diesem entzündungsfördernden Neuropeptid in der Lage, bei Migränikern Anfälle auszulösen.

Migräne-Antikörper-Pipeline

Novartis ist längst nicht der einzige Pharmaunternehmer, der seine Forschung unter anderem auf das Therapiegebiet der Migräne konzentriert. Auch zu Fremanezumab gibt es bereits klinische Studien (Phase-III am Menschen). Wie auch Erenumab ist die Zielstruktur von Fremanezumab CGRP. Allerdings richtet sich der Antikörper von Teva gegen CGRP direkt und nicht, wie Erenumab, gegen den CGRP-Rezeptor. Weitere Antikörper befinden sich ebenfalls in fortgeschrittenem Forschungsstadium und werden derzeit in Phase-III-Studien geprüft: Galcanezumab von Eli Lilly und Eptinezumab aus dem Hause Alder Biopharmaceuticals. Sie richten sich ebenfalls direkt gegen CGRP (wie Fremanezumab).

Migräne in der Selbstmedikation

Schätzungen gehen davon aus, dass von Migräne rund 10 Prozent der Weltbevölkerung betroffen sind. Frauen leiden etwa dreimal häufiger an Migräne als Männer. Auch in der Selbstmedikation stehen immer wieder Migräniker in der Apotheke und fragen nach wirksamen Arzneimitteln. Bei Patienten mit leichter oder nur mittelstarker Migräne sind Acetylsalicylsäure und Ibuprofen die Mittel der ersten Wahl. ASS kann bis zu einer maximalen täglichen Dosis von 3000 mg, Ibuprofen bis zu 1200 mg empfohlen werden. Paracetamol war in Vergleichsstudien weniger wirksam als ASS und Ibuprofen und sollte nur zum Einsatz kommen, wenn Patienten die anderen Wirkstoffe nicht vertragen. Auch Kombinationsanalgetika stehen zur Verfügung mit ASS 250 mg + Paracetamol 200 mg + Coffein 50 mg (Thomapyrin®). Wird mit diesen Analgetika keine ausreichende Migräne-Kontrolle erzielt, können bei mittelschwerer und schwerer Migräne auch Triptane eingesetzt werden. Ohne Rezept sind mittlerweile zwei Vertreter in der Apotheke erhältlich: Naratriptan in Formigran® und Almotriptan in Dolotriptan®. Naratriptan eignet sich vor allem für Migräne-Patienten, die unter längeren Schmerzepisoden leiden, Almotriptan wirkt rascher als Naratriptan, dafür nicht so lange. Daher können PTA und Apotheker Dolotriptan® vor allem Migränikern mit kurzen Attacken empfehlen. Von beiden Arzneimitteln können Patienten maximal zwei Dosen, sprich zwei Tabletten, innerhalb eines Tages einnehmen. Die Maximaldosis liegt für Naratriptan bei 5 mg pro Tag, bei Almotriptan bei 25 mg täglich. Ein Unterschied besteht beim Dosierungsintervall und somit dem Abstand zwischen den Einnahmen: Bei Almotriptan (12,5 mg pro Tablette) müssen zwischen den einzelnen Tabletten nur zwei Stunden liegen, bei Naratriptan (2,5 mg pro Tablette) vier Stunden.