Immer zum Arzt? Möglichkeiten und Grenzen der Selbstmedikation während der Schwangerschaft

Teil 3: Sodbrennen

Gerade im zweiten und dritten Trimester leiden viele Schwangere unter Sodbrennen. Was man in der Selbstmedikation dagegen tun kann, erfahren Sie im dritten Teil unserer Serie. / Bild: © AntonioDiaz - Fotolia.com

Gerade im zweiten und dritten Trimester leiden viele Schwangere unter Sodbrennen. Welche Möglichkeiten zur Linderung zur Verfügung stehen und welche Tipps Sie betroffenen Frauen mitgeben können, erfahren Sie im dritten Teil unserer Serie zu den Möglichkeiten und Grenzen der Selbstmedikation während der Schwangerschaft.

Mechanische und hormonelle Ursachen

Sodbrennen tritt bei vielen schwangeren Frauen gegen Ende ihrer Schwangerschaft, im letzten Schwangerschaftsdrittel auf. Dann nämlich, wenn das wachsende Baby innerhalb der Bauchhöhle immer mehr Platz für sich beansprucht. Es wird im wahrsten Sinne eng für den Magen. Er wird nach oben geschoben und ein Teil der Magensäure drückt in die Speiseröhre. Durch den Druck auf den Magen kann sein Inhalt fast ungehindert wieder den Weg nach oben in die Speiseröhre antreten. Magensäure und saurer Speisebrei verursachen nun Sodbrennen. Hinzu kommt, dass durch die eingeschränkte Verdauung der Magen langsamer entleert wird als sonst. Daher ist über einen längeren Zeitraum Mageninhalt vorhanden, der nach oben gedrückt werden kann.

Neben diesem rein mechanischen Geschehen spielen beim Sodbrennen von schwangeren Frauen allerdings auch hormonelle Ursachen eine wichtige Rolle. Der Mutterkuchen produziert nämlich das Hormon Progesteron, welches der Entspannung der Uterusmuskulatur dient. Damit beugt der weibliche Organismus frühzeitigen Wehen vor. Gleichzeitig wird jedoch auch der Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen mit entspannt, sodass während des Verdauungsvorgangs, bei der wellenförmigen Kontraktion des Magens, relativ leicht Magensäure in die Speiseröhre gelangen kann. Die gute Nachricht ist, dass die Beschwerden nach der Entbindung schnell wieder verschwunden sind.

Typische Symptome:

  • Brennen in der Speiseröhre (hinter dem Brustbein), eventuell auch krampfartige Schmerzen
  • Saures Aufstoßen
  • Schmerzen, Druck- und Völlegefühl in Magen und Oberbauch
  • starker Speichelfluss

Keine Gefahr für das Ungeborene

So unangenehm das Gefühl auch sein mag: Das Sodbrennen allein stellt weder für die werdende Mutter noch für ihr Kind eine Gefahr dar. Gerade schwangere Frauen, die vorher nie Magenprobleme hatten, brauchen sich auch jetzt keine Sorgen zu machen. Experten sind sogar der Meinung, dass das Sodbrennen die Entwicklung des Babys sogar fördert. Aufgrund der vermehrten Progesteron-Ausschüttung kann es nämlich ungehindert wachsen. Weil die Verdauung der Mutter während der letzten Schwangerschaftswochen etwas verlangsamt abläuft, kann es darüber hinaus auch mehr Nährstoffe absorbieren.

Selbstmedikation in der Schwangerschaft

Zur Behandlung von Sodbrennen werden Antacida, H2-Rezeptorantagonisten und Protonenpumpenhemmer eingesetzt. Da nur die Gruppe der Antacida für die Behandlung in der Selbstmedikation während der Schwangerschaft zugelassen ist, soll hier auch nur auf diese näher eingegangen werden soll.

So wirken Antacida

Antacida sollen nach Möglichkeit die überschüssige Magensäure einmal physikalisch durch Adsorption binden und zum anderen durch chemische Reaktion neutralisieren. Um die Aktivität des sauren, peptisch aktiven Magensaftes zu hemmen, ist es notwendig, den pH auf einen Wert oberhalb von 3 bis 5 zu verschieben. Zu den Stoffen, die mit dieser Funktion eingesetzt werden gehören:

  • Aluminiumhydroxid bzw. Algedrat
  • Magnesiumoxid = leichtes Magnesiumoxid
  • Magnesiumtrisilicat
  • Aluminium-Magnesiumsilicate
  • Magaldrat = Aluminium-Magnesiumhydoxidsulfahydrat = Schichtgitterantazidum
  • Hydrotalcit = Aluminium-Magnesiumhydroxidcarbonathydrat = Schichtgitterantacidum

Übersicht Antacida

FertigarzneimittelZusammensetzung
Gaviscon Dual Kautabletten       Natriumhydrogencarbonat, Calciumcarbonat, Natriumalginat
Gelusil liquidAluminium-Magnesiumsilicat
Kompensan TablettenAluminium-Natriumcarbonat-dihydroxid (Carbaldrat)
Maaloxan 25mVal Kautabletten / LiquidAlgedrat, Magnesiumhydroxid
Rennie KautablettenCalciumcarbonat, Magnesiumcarbonat
Riopan Magen-Gel StickMagaldrat
Talcid Kautabletten / LiquidHydrotalcit

Aluminium-Magnesium-Hydroxid-Gemische

Aluminiumhaltige Verbindungen sind zwar bewährte Substanzen unter den Antacida, in der Schwangerschaft dürfen sie allerdings nur kurzfristig eingenommen werden, um eine Aluminiumbelastung des Kindes zu vermeiden. Maximal ein Prozent des Aluminium kann resorbiert werden, der Rest wird unresorbiert als unlösliches Salz über den Darm bzw. mit dem Stuhl ausgeschieden. Nicht angewendet sollten aluminiumhaltige Antacida bei Schwangeren mit Ausscheidungsstörungen der Niere.

Schichtgitterantacida

Zu den Schichtgitterantacida zählen die Wirkstoffe Magaldrat und Hydrotalcit. Diese sollten in der Schwangerschaft ebenfalls nur kurzfristig eingesetzt werden. Unter den aluminiumhaltigen Antacida weist Hydrotalcit den geringsten Aluminiumgehalt auf. Hydrotalcit (Talcid®) kann in der Schwangerschaft als Antacidum in normaler Dosierung eingesetzt werden, genauso wie Magaldrat (Riopan®).

Kombination von Calcium- und Magnesiumcarbonat

Die Wirkstoffkombination von Calcium- und Magnesiumcarbonat hat in der Schwangerschaft den Vorteil, dass dem Körper zusätzliches Calcium zugeführt wird. Ausreichende Mengen Calcium sind für den gesunden Knochenaufbau von Mutter und Kind wichtig. Calcium und Magnesium reduzieren außerdem das Risiko, während der Schwangerschaft an Bluthochdruck und Präklampsie zu erkranken. Die Wirkstoffkombination kann während der Schwangerschaft ohne Bedenken eingesetzt in normaler Dosierung eingesetzt werden.

Nichtmedikamentöse Hilfe

Schon einfache Verhaltensregeln können Sodbrennen bzw. säurebedingten Magenbeschwerden gut vorbeugen. Folgende Tipps gelten allgemein, aber auch für die Schwangerschaft:

  • meiden Sie Extreme: zu scharfe, fette, süße und saure Speisen können den Magen belasten
  • bereiten Sie Speisen schonend zu
  • essen Sie in Ruhe und nicht zwischen Tür und Angel
  • bewegen Sie sich ausreichend
  • vermeiden Sie Übergewicht (von der normalen Gewichtszunahme in der Schwangerschaft abgesehen)
  • essen Sie während der Schwangerschaft nicht unmittelbar vor dem Zubettgehen
  • meiden Sie Kaffee, Pfefferminztee und kohlensäurehaltige Getränke (Auch Alkohol- und Tabakgenuss sollen gemieden werden, diese sind während der Schwangerschaft jedoch ohnehin tabu!)
  • reduzieren Sie Ihren persönlichen Stresslevel so gut wie möglich und erlernen Sie Entspannungstechniken
  • wenn Sie sich hinlegen, erhöhen Sie den Oberkörper durch ein Kissen; so kann Magensäure nicht mehr so einfach zurückfließen
  • bevorzugen Sie mehrere kleine Mahlzeiten anstelle von zwei bis drei großen
  • die letzte Mahlzeit sollte drei bis vier Stunden vor dem Zubettgehen eingenommen werden.

Cornelia Neth
PTA, Chefredakteurin PTAheute.de, Leitung der Online-Redaktion
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