Lasmiditan als Alternative zu Triptanen?

Neue Behandlungsmöglichkeit bei Migräne

Bei Migräne könnte Lasmiditan in Reyvow® eine neue Behandlungsmöglichkeit sein.
Bild: sebra/adobe.stock.com

Triptane sind wirksame Arzneimittel bei Migräne. Doch was tun, wenn Migränepatienten Triptane nicht vertragen oder diese – aufgrund bestimmter Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems – nicht anwenden dürfen? Für diese Migräniker könnte Lasmiditan in Reyvow® eine neue Behandlungsmöglichkeit sein – vorerst jedoch nur in den USA.

Akute Migräneanfälle gelten weithin mit NSAR oder, bei mittelschweren bis schweren Attacken, mit Triptanen als gut behandelbar. Davon sind auch die Experten der aktuellen Migräne-Leitlinie überzeugt: Die Wirkstoffe Almotriptan, Eletriptan, Frovatriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan sind die Substanzen mit der besten Wirksamkeit bei akuten Migräneattacken. Sie sollten daher bei starken Kopfschmerzen sowie bei Migräneattacken, die nicht auf Schmerzmittel wie Paracetamol, Metamizol oder auf NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika) wie ASS, Ibuprofen oder Diclofenac ansprechen, eingesetzt werden. Bei einem Großteil der Patienten, bei denen NSAR oder Schmerzmittel nicht ausreichen, wirken Triptane: 60 von 100 Migränepatienten (Non-Responder von NSAR) sprechen auf Triptane an.

Wenn Triptane nicht wirken oder eingesetzt werden dürfen

Doch was tun mit dem Rest? 30 bis 40 Prozent der Migräniker sprechen nicht auf Triptane an und manche Patienten dürfen Triptane nicht anwenden. Denn nicht für alle Patienten eignen sich die 5-HT1B/1D-Rezeptor-Agonisten: So dürfen Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen des Herzens oder des Gefäßsystems keine Triptane zur Behandlung ihrer akuten Migräne-Anfälle einnehmen. Dazu gehören zum Beispiel Patienten mit einem Schlaganfall oder Herzinfarkt in der Krankheitsgeschichte sowie mit ausgeprägtem Bluthochdruck, koronarer Herzerkrankung oder einer peripher arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK). Der Grund: Triptane wirken nicht nur wie bei Migräne gewünscht an intracraniellen (innerhalb des Schädels befindlichen) Gefäßen, sondern sie ziehen auch Gefäße am Herzen zusammen, was bei entsprechenden Vorerkrankungen problematisch sein kann.

Gerade hier weckt ein neuer Wirkstoff Hoffnung. Für Migräniker mit Unverträglichkeiten oder Gegenanzeigen für Triptane könnte Lasmiditan eine weitere Behandlungsmöglichkeit bringen. Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) hat jüngst Lasmiditan zur akuten Migränetherapie mit und ohne Aura zugelassen. Handelsname ist Reyvow®, der pharmazeutische Unternehmer hinter Lasmiditan ist Lilly.

Lasmiditan aktiviert andere Serotoninrezeptoren als Triptane

Lasmiditan greift zwar wie Triptane auch ins Serotoninsystem (Serotonin = 5-Hydroxytryptamin, 5-HT) ein, jedoch nicht an der gleichen Stelle. Es aktiviert 5-HT1F-Rezeptoren – nicht 5-HT1B/1D (Triptane). Durch diese Vorliebe für die 5-HT1F-Rezeptoren fehlt Lasmiditan die vasokonstriktorische (gefäßzusammenziehende) Nebenwirkung, von der man annimmt, dass sie bei Triptanen durch 5-HT1B zustande kommt, und die dafür verantwortlich zeichnet, dass Triptane bei Patienten mit bestimmten Erkrankungen des Herzens nicht eingesetzt werden dürfen.

Lasmiditan: wirksam und sicher

Dass Lasmiditan bei Migräne wirkt, konnte Lilly in zwei großen Studien an Migränepatienten zeigen. Die Patienten nahmen zu Beginn einer Migräne-Attacke entweder Lasmiditan in unterschiedlichen Dosierungen (50 mg, 100 mg oder 200 mg) oder Placebo (wirkstofffreie Darreichungsform) ein. Zwei Stunden nach Einnahme waren unter Lasmiditan mehr Migränepatienten schmerzfrei als unter Placebo.

Die Studien untersuchten nicht nur die Wirksamkeit des 5-HT1F-Agonisten, es ging auch um die kardiovaskuläre Sicherheit. Lasmiditan wurde gut vertragen. Die häufigsten Nebenwirkungen, die Patienten in den klinischen Studien berichteten, waren Schwindel, Müdigkeit, ein brennendes oder prickelndes Gefühl in der Haut (Parästhesie) sowie Sedierung (Schläfrigkeit). Laut den Wissenschaftlern der Studie sollte der Wirkstoff jedoch auch noch bei Patienten mit schweren kardiovaskulären Erkrankungen untersucht werden und ob Lasmiditan auch nach mehrfacher Anwendung sicher und wirksam ist. Die Studien hatten nur die Einmalgabe von Lasmiditan untersucht.

Vorsicht beim Autofahren!

Die FDA hat bei Zulassung von Lasmiditan noch auf eine mögliche Nebenwirkung hingewiesen: Die Arzneimittelbehörde warnt, dass unter Lasmiditan das Fahrverhalten eingeschränkt sein kann. Patienten sollten folglich nach Einnahme von Reyvow® mindestens acht Stunden lang keine Maschinen bedienen oder Fahrzeuge lenken, selbst wenn sie sich hinsichtlich der Migräne in der Lage dazu fühlten.

Suchtpotenzial von Lasmiditan?

Derzeit nicht abschließend geklärt ist, ob Lasmiditan möglicherweise ein Suchtpotenzial besitzt und abhängig macht. In einer kleinen Studie – A Study of the Abuse Potential of Lasmiditan in Participants Who Are Recreational Drug Users – wurde das Missbrauchspotenzial im Vergleich zu Alprazolam, einem Benzodiazepin mit bekanntem Abhängigkeitsrisiko, untersucht. Laut dem Ärzteblatt gab die Mehrheit der Lasmiditan-Anwender an, dass sie Lasmiditan „mögen“, wobei dieser Effekt geringer ausgeprägt war als bei Alprazolam-Anwendern.

Celine Müller
Apothekerin, Redakteurin, Stuttgart
onlineredaktion@ptaheute.de