Melisse – beruhigt Nerven und Magen

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„Wie ein sanftes Ruhekissen wirkt der Tee von den Melissen.“ – Ein unbekannter Verseschmied rühmt hier zu Recht die sedativen Eigenschaften von Melissa officinalis. Melissenblätter sind phytotherapeutisch bei nervös bedingten Einschlafstörungen indiziert. Allerdings muss man sich nicht nur auf den Tee beschränken. Der OTC-Bereich bietet zahlreiche Fertigpräparate mit standardisiertem Melissenblätter-Extrakt.

Mediterraner Lippenblütler

Die Melisse (Melissa officinalis) gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und stammt aus dem östlichen Mittelmeerraum. Doch schon seit Jahrhunderten wird die bis zu 90 Zentimeter hohe Staude in unseren Breiten kultiviert. Sie wird als Heil- und Gewürzpflanze verwendet. Das stark verzweigte Gewächs mit den herzförmigen, am Rand gekerbten Blättern kann auch gut im Garten oder Pflanzkübel angepflanzt werden.

Bei Bienen sehr beliebt

Der Name „Melisse“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Honigbiene“. Die Pflanze ist nämlich bei Bienen sehr begehrt. Das liegt an den kleinen weißlichen Blüten, die als Scheinquirle in den Blattachseln angeordnet sind. Sie bieten reichlich Nektar und Pollen. Imker pflanzen die Melisse gerne als Nahrungsquelle in der Nähe des Bienenstocks. Der Volksmund nennt die Pflanze daher auch „Bienenblume“ oder „Honigkraut“.

Ätherisch-Öl-Droge

Für die Verwendung als Heil- und Gewürzpflanze ist die Melisse jedoch im Stadium vor der Blütezeit von Interesse. Dann enthalten die Blätter die höchste Konzentration an Wirkstoffen. Schon beim Zerreiben der Melissenblätter nimmt man eine wichtige Inhaltsstoffgruppe wahr: ätherisches Öl mit den Hauptkomponenten Citral und Citronellal. Der Duft ist intensiv zitronenähnlich, weshalb die Melisse auch Zitronenmelisse heißt. Neben ätherischem Öl enthalten die Blätter unter anderem Gerbstoffe, Flavonoide und Phenolcarbonsäuren.

Als Einschlafhilfe und bei Verdauungsbeschwerden

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Die Droge Melissae folium wird schon lange geschätzt – sowohl wegen ihrer beruhigenden als auch wegen ihrer karminativen Wirkung. Zum einen verwendet man sie daher als Beruhigungs- und Einschlafhilfe, zum anderen hilft sie bei funktionellen Magen-Darm-Beschwerden. Für die Anwendung als Tee ist eine Menge von 1,5 bis 4,5 Gramm der Droge pro Tasse zu empfehlen (mehrmals täglich). Sehr schmackhaft ist selbst zubereiteter Melissentee – zum Beispiel mit frischer Melisse aus dem Kräuterbeet. Allerdings ist dabei die therapeutische Wirksamkeit nicht unbedingt gewährleistet, denn der Wirkstoffgehalt in den Blättern schwankt je nach Herkunft und Erntezeitpunkt stark.

Melissenblätter-Extrakt in Fertigarzneimitteln

Zahlreiche Fertigarzneimittel enthalten Melissenblätter-Extrakt.  Für sedative Zwecke wird Melissenblätter-Extrakt meist mit Auszügen aus anderen, ebenfalls beruhigend wirksamen Drogen kombiniert, insbesondere mit Extrakten aus Hopfenzapfen (z.B. Sedacur® forte Beruhigungsdragees, Baldriparan® zur Beruhigung) oder aus Passionsblumenkraut (z.B. Klosterfrau Seda-Plantina, Vivinox® Day Beruhigungsdragees) oder mit Baldrianwurzel (z.B. in Euvegal® 320/160 mg Filmtabletten, Sedariston® Tropfen für die Nacht). Für die gastrointestinale Anwendung steht zum Beispiel das Monopräparat Gastrovegetalin® zur Verfügung, und im pflanzlichen Kombinationspräparat Iberogast® ist ein Melissenblätter-Auszug mitenthalten.

Wo Melisse auch noch wirkt

Dem Melissenblätter-Extrakt schreibt man auch eine virustatische Wirkung zu. Deshalb ist er Bestandteil von LomaHerpan® Creme, die äußerlich gegen Lippenherpes aufgetragen wird. Für die virenhemmende Wirkung scheint vor allem die enthaltene Rosmarinsäure verantwortlich zu sein. Eine lange volksmedizinische Tradition bei diversen Beschwerden haben alkoholische Melissen-Zubereitungen wie der Melissengeist. Ein solches Mischdestillat wurde erstmals im Jahr 1611 von Angehörigen des Karmeliter-Ordens hergestellt.