Was ist eigentlich Pulpitis sicca?

Hätten Sie es gewusst?

Vor allem im Winter leiden viele Menschen unter trockenen Fingerkuppen – auch Pulpitis sicca genannt. Mediziner vermuten, dass es sich dabei um eine Form der Neurodermitis handelt.

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Betroffene gibt es viele, doch nur wenige suchen spezielle Hilfe. Zu gering scheint der Anlass. Dabei hat das Phänomen sogar einen Fachbegriff: Pulpitis sicca. Dahinter verbergen sich Einrisse an den Fingerkuppen. Die auch als Schrunden bezeichnete Hautläsion ist schmerzhaft und im Alltag äußerst lästig.

Vor allem eine Wintererscheinung

Zu dieser Jahreszeit tritt die Pulpitis sicca – das trockene Fingerkuppenekzem – besonders häufig auf. Diese Tatsache lässt schon erahnen, dass winterliche Temperaturen ein entscheidender Auslöser für diese Hauterscheinung sind. Durch Kälte reduziert sich die körpereigene Talgproduktion und die Haut trocknet zunehmend aus. Kommen noch weitere hautbelastende Faktoren hinzu, etwa der häufige Kontakt mit Wasser und alkalischen Substanzen, kann die Haut an den Fingerkuppen aufplatzen. Es bilden sich dabei mitunter tiefe Risse, die bis in die unteren Hautschichten reichen. Die Läsionen sind druckschmerzhaft und bluten häufig.

Auslöser: Kälte, Nässe, Zitrusfrüchte

Gerade die Fingerbeeren gehören zu den sensibelsten Körperstellen. Der Bereich ist stark durchblutet und besitzt viele freie Nervenendigungen. Die schmerzhaften Hautrisse bilden sich insbesondere an jenen Fingern, die am meisten beansprucht werden, allen voran die Daumen, gefolgt von Zeige- und Mittelfinger. An Ringfinger und kleinem Finger findet man sie selten. Neben Kälte und Nässe gibt es weitere Auslöser für die Hautläsionen, zum Beispiel der Kontakt mit Holz, Erde oder Zement. Bei manchen Menschen reißt die Haut auch ein, wenn sie Zitrusfrüchte schälen.

Den Hautrissen wirksam vorbeugen

Die Neigung zu Pulpitis sicca ist genetisch bedingt. Mediziner gehen sogar davon aus, dass es sich bei diesem Ekzem um eine Minimalform der Neurodermitis handelt – ebenso wie bei Mundwinkel- und Ohrläppchenrhagaden oder entzündeten Lippen. Wer die entsprechende Veranlagung hat, sollte den Läsionen möglichst vorbeugen. Folgende Tipps kann man Betroffenen geben:

  • Tragen Sie im Winter draußen Handschuhe.
  • Verwenden Sie bei allen Arbeiten mit Wasser Gummihandschuhe, auch beim Haarewaschen oder wenn Sie nasse Wäsche aufhängen.
  • Vermeiden Sie den Kontakt mit alkalischen Substanzen und verwenden Sie zum Händewaschen ein pH-neutrales Reinigungsprodukt.
  • Trocknen Sie Ihre Hände immer gut ab.
  • Verwenden Sie vor allem im Winter regelmäßig spezielle Pflegeprodukte für sehr trockene Haut (Fettcreme, Urea-haltige Produkte).

Flüssiger Filmverband fördert Heilung

Ist es dennoch zu Hautrissen gekommen, bewährt sich ein flüssiger Filmverband (z. B. Urgo Hautrisse Flüssigpflaster). Er schützt vor äußeren Einflüssen und fördert die Wundheilung.

Pulpitis sicca in Kürze

  • Form von Handekzem (trockenes Fingerkuppenekzem), bei dem tiefe, evtl. blutende Einrisse an den Fingerkuppen entstehen, insbesondere an Daumen, Zeige- und Mittelfingern.
  • Entsteht bei entsprechender Prädisposition und sehr trockener Haut durch äußere, reizende Einflüsse, vor allem Kälte, Nässe, Kontakt mit alkalischen Substanzen, außerdem Holz, Erde, Zement, Zitrusfrüchten.
  • Wird als Minimalausprägung der Neurodermitis eingestuft.
  • Vorsorgemaßnahmen (Kälteschutz, Schutz vor Auslösefaktoren, Anwendung von Pflegeprodukten) wichtig, vor allem im Winter.
  • Bei akuten Hautläsionen flüssigen Filmverband auftragen.

Quellen: Deutsche Grünes Kreuz e.V.; DAZ Nr. 21/2011