Deine Hände können Leben retten

World Restart a Heart Day 2020

Mit dem World Restart A Heart Day am 16. Oktober soll weltweit das Bewusstsein für Laienreanimation gestärkt und so dazu beitragen werden, Menschenleben zu retten.
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Zum dritten Mal in Folge findet am 16. Oktober der World Restart A Heart Day statt. Unter dem Motto „Deine beiden Hände können ein Leben retten“ soll er weltweit das Bewusstsein für die Reanimation durch Laien stärken. Denn insbesondere in Zeiten von Corona ist gut zu wissen: Eine Herzdruckmassage kann auch ohne Atemspende Leben retten.

Etwa 60.000 Menschen sterben in Deutschland pro Jahr am plötzlichen Herztod. Diese hohe Zahl müsste nicht sein, meinen Experten. Doch Ersthelfer scheuen noch allzu oft vor einer Reanimation zurück. So wird in anderen europäischen Ländern viermal öfter durch Laien reanimiert als in Deutschland. Anlässlich des dritten World Restart A Heart Day am 16. Oktober möchte das International Liaison Committee on Resuscitation (ILCOR) auf die Bedeutung der Reanimation durch Laien hinweisen.

#MySongCanSaveLives

Anlässlich des World Restart a Heart Day 2020 haben die Uniklinik Köln und der Deutsche Rat für Wiederbelebung (GRC) Musiker dazu aufgerufen, ihre Lieder, deren Takt dem notwendigen Takt zur Wiederbelebung entspricht, mit dem Hashtag #MySongCanSaveLives auf ihren Social-Media-Kanälen zu teilen. „Ziel von #MySongCanSaveLives ist es, die breite Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren: Jeder soll im Fall der Fälle an den Song seines Lieblingskünstlers denken und den Takt zur Wiederbelebung richtig umsetzen“, erklärt Prof. Dr. Bernd Böttiger, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der Uniklinik Köln und Vorstandsvorsitzender des GRC.

Laien sollten nur Herzdruckmassage durchführen

Die Überlebenswahrscheinlichkeit einer Person mit Herz-Kreislauf-Versagen sinkt pro Minute um etwa zehn Prozent. Rufen Ersthelfer den Rettungsdienst über die 112, unternehmen dann aber nichts bis zum Eintreffen der Retter, bedeutet das für den Patienten nach wenigen Minuten den Tod oder schwerste bleibende Hirnschädigungen. Häufiger Grund für das Nichtstun von Ersthelfern ist die Scheu vor einer zusätzlichen Atemspende. Viele sind im Ausnahmezustand von der vermeintlichen Komplexität überfordert und gelähmt. Um nichts falsch zu machen, unternehmen sie dann lieber gar nichts. Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt daher Laien ausdrücklich, sich auf die Herzdruckmassage zu konzentrieren. Auf eine zusätzliche Mund-zu-Mund-Beatmung könne verzichtet werden.

Erste Hilfe während der Corona-Pandemie

Medizinerinnen und Mediziner rufen außerdem dazu auf, in Corona-Zeiten die Erste Hilfe bei Herzstillständen nicht zu vernachlässigen: Das Infektionsrisiko bei reiner Herzdruckmassage und einem masketragenden Helfer sei nicht höher als sonst auch, machte Professor Dr. Götz Geldner, Präsident des „Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten“ (BDA) im vergangenen September deutlich. Ein Tuch oder Kleidungsstück, das über das Gesicht des Patienten gelegt wird, kann zusätzlichen Schutz vor Aerosol-Bildung bieten.

Die wichtigsten Schritte: Prüfen – Rufen – Drücken

Die Wiederbelebung durch Laien besteht laut Deutscher Herzstiftung aus folgenden einfachen Schritten:

  1. Zuerst prüft man, ob die kollabierte Person bewusstlos ist. Dazu spricht man sie an („Hallo, hallo, wie heißen Sie, was ist passiert?“) und fasst und schüttelt sie kräftig an beiden Schultern. Dann prüft man die Atmung. Dazu überstreckt man den Kopf der bewusstlosen Person und hört und fühlt, ob sie atmet. (Schnappatmung und Röcheln zählen übrigens nicht als normale Atmung. Sie sind typisch für die erste Phase des Herzstillstandes).
  2. Dann setzt der Ersthelfer den Notruf (112) ab. Dabei laut und deutlich den eigenen Namen, genauen Standort und Unfallhergang nennen.
  3. Die Herzdruckmassage ohne Atemspende ist die zentrale Erstmaßnahme: Im Knien neben der bewusstlosen Person wird ein Handballen auf die Mitte des Brustkorbs gesetzt und die zweite Hand auf den Handrücken der ersten platziert. Mit gestreckten Armen drückt man das Brustbein tief (5 bis 6 cm) und schnell (100- bis 120-mal pro Minute) in Richtung Wirbelsäule. Man kann das zum Beispiel im Takt des Hits „Stayin‘ Alive“ von den Bee Gees tun. Die Herzdruckmassage führt man ohne Unterbrechung so lange durch, bis der Rettungsdienst eintrifft und die notfallmedizinische Versorgung übernimmt. Sind zwei Helfer am Ort und befindet sich in der Nähe ein Defibrillator, kann einer der beiden diesen holen, während der andere die Herzdruckmassage ohne Unterbrechung fortsetzt.

Quellen: Deutsche Herzstiftung e.V.; BZgA;