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Blutdruck senken durch radikale Gewichtsabnahme

Mensch mit Übergewicht legt Maßband um nackten Bauch
Studien zeigen, welchen Effekt eine starke Gewichtsabnahme auf den Blutdruck hat. | Bild: BillionPhotos.com / AdobeStock

Adipositas und Bluthochdruck – komplex und ineinandergreifend: Blutdruck, die Gesundheit des Gefäßsystems, Blutzucker, Cholesterinwerte, Entzündungsprozesse und nicht zuletzt das Körpergewicht und die Körperfettverteilung. Wir wissen, dass diese Dinge unweigerlich und untrennbar zusammenhängen. 

Zwei Studien belegen nun: Adipöse Patienten, die ihr Körpergewicht um 30 % oder mehr senken, können ihre Blutdruckmedikamente, sofern es sich um eine behandelte Hypertonie handelt, reduzieren oder sogar absetzen. Durch einen gesenkten Blutdruck minimieren sie das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und Folgeerkrankungen.

Gut zu wissen: Möglichkeiten zur Gewichtsabnahme

  • Ernährungsumstellung
  • Verhaltenstherapie
  • Regelmäßige Bewegung / Ausdauersport
  • Medikamentöse Therapie: Lipase-Hemmer, GIP/GLP-1-Rezeptor-Agonisten  
  • Bariatrische Chirurgie:
    • Restriktive Techniken zur Magenverkleinerung (z. B. Schlauchmagen, Magenband)
    • Malabsorptive Techniken zur Verringerung der Fähigkeit, Nährstoffe aus der Nahrung aufzunehmen (z. B. Magenbypass)

Da solch eine starke Gewichtsreduktion durch herkömmliches Abnehmen mit Diäten und Sport fast nicht zu erreichen ist, beziehen sich die Studien auf adipöse Patienten, die sich einem chirurgischen Eingriff zur Magenverkleinerung (Bariatrie) unterzogen haben bzw. mit medikamentöser Hilfe von GIP/GLP-1-Rezeptor-Agonisten ihr Körpergewicht senken konnten.

Zusammenhang von Magenbypass-Operationen und Blutdrucksenkung

In der GATEWAY Studie von 2023 (GAstric Bypass to Treat obEse Patients With steAdy hYpertension) wurden 100 Patienten, davon 76 Frauen, über fünf Jahre betrachtet. Ziel der Untersuchung war es, zu zeigen, ob und um wie viel der Blutdruck von adipösen Patienten gesenkt werden kann, wenn sie stark abnehmen. 

Dafür wurden Menschen mit einem BMI zwischen 30 und 40 kg/m2 und einer behandelten Hypertonie eingeschlossen. Behandelt hieß: Eine regelmäßige Einnahme mindestens zweier Antihypertensiva in Maximaldosierung.

50 Patienten, also genau die Hälfte, unterzogen sich einer Magenbypass-Operation und bekamen zusätzlich ihre Blutdruckmedikamente. Die Kontrollgruppe, die 50 anderen Probanden, bekamen lediglich regelmäßig ihre Medikamente gegen den Bluthochdruck. Der primäre Studienendpunkt war eine Reduktion dieser Antihypertensiva um mindestens 30 % bei einem moderaten und stabilen Blutdruck von höchstens 140/90 mmHg.

Grafik über Bypass-Optionen
Möglichkeiten der bariatrischen Chirurgie | Bild: DAZ / Hammelehle

BMI und Blutdruck sinken nach Operation

80,7 % der 50 Magenbypass-Operierten konnten die Blutdruckmedikamente reduzieren, knapp die Hälfte (46,9 %) konnte sie sogar ganz absetzen. Der BMI der Probanden ist nach der Operation im Mittel von 36,9 auf 28,1 kg/m2 gesunken. 

In der Kontrollgruppe sah es deutlich schlechter aus: Der BMI sank bei dieser Gruppe nur um 0,5 auf 36,4 kg/m2. Wenig überraschend, dass auch nur 13,7 % ihre Blutdruckmedikation um 30 % oder mehr senken konnten. Ein Weglassen der Medikamente war nur bei 2,4 % möglich. 

Die Ergebnisse der Studie sind signifikant und trotz des sehr kleinen Studienumfangs zeigen sie deutlich: Eine starke Gewichtsabnahme durch medizinische Intervention hilft vermutlich, den Blutdruck zu senken und Medikamente ggf. überflüssig zu machen.

Gut zu wissen: Maßnahmen zur Blutdrucksenkung

Nicht medikamentöse Maßnahmen

  • Gewichtsreduktion
  • Regelmäßige Bewegung / moderates Ausdauertraining
  • Beschränkung des Alkohol- und Nikotinkonsums
  • Kochsalzrestriktion auf < 5 g/Tag
  • Mediterrane ausgewogene Ernährung, ungesättigte Fettsäuren, pflanzenbasiert  
  • Geringer Konsum von rotem Fleisch, Wurstwaren, verarbeiteter Nahrung  

Medikamentöse Maßnahmen = Antihypertensiva, häufig Kombination mehrerer Wirkstoffe

SURMOUNT-1-Substudie kommt zu ähnlichen Ergebnissen

Eine kleine Substudie der SURMOUNT-1-Hauptstudie mit dem Schwerpunkt auf einer Gewichtsabnahme durch ein GIP/GLP-1-Analogon, hier Tirzepatid, bekräftigt diese Schlussfolgerung. 

Hier konnte festgestellt werden, dass adipöse Patienten ohne Diabetes mithilfe dieses Medikamentes ihr Körpergewicht dosisabhängig um 15–20,9 % reduzieren konnten. Nach einem Betrachtungszeitraum von 36 Wochen, also nach gut acht Monaten, konnte man anhand einer Langzeitblutdruckmessung feststellen, dass bei diesen Patienten allein durch Tirzepatid eine systolische Blutdrucksenkung von bis zu 10 mmHg möglich war. Quellen:

https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Starke-Gewichtsreduktion-tut-offenbar-auch-dem-Blutdruck-gut-447566.html

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0735109723082086?via%3Dihub
https://flexikon.doccheck.com/de/Adipositas

https://www.st-augustinus-kliniken.de/adipositas/bariatrische-op#:~:text=Die%20bariatrische%20Chirurgie%20oder%20Adipositaschirurgie,verringern%20oder%20sogar%20zu%20beseitigen